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Vom Auftragsmörder zum Gastgeber: Saudischer Kronprinz darf nächsten G20-Gipfel ausrichten

Riad ist der nächste Austragungsort für den G20-Gipfel. Dies, obwohl Kronprinz Mohammed bin Salman nach wie vor verdächtigt wird, den Khashoggi-Mord in Auftrag gegeben zu haben.
Michael Wrase, Limassol
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman am G20-Gipfel im japanischen Osaka. (Bild: Susan Walsh/AP (29. Juni 2019))

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman am G20-Gipfel im japanischen Osaka. (Bild: Susan Walsh/AP (29. Juni 2019))

Dass es so schnell gehen würde, hätte ich mir nicht gedacht, könnte Mohammed bin Salman in den Sinn gekommen sein, als er sich am Freitagabend in Osaka mit den Mächtigen der Welt zum Gruppenfoto postierte. «MBS», wie der 33-jährige saudische Kronprinz von Freund und Feind genannt wird, stand, wie es das Protokoll vorschreibt, als nächster Gastgeber der G20 mittendrin. Seine blütenweisse Dishdasha, das traditionelle Gewand der Araber, sollte Unschuld und Reinheit symbolisieren.

Natürlich hatten Reporter den amerikanischen Präsidenten Donald Trump nach der Verwicklung von MBS in den Khashoggi-Mord gefragt. Erst vor ­einer Woche hatte die UNO-Menschenrechtsspezialistin Agnes Callamard in ihrem Untersuchungsbericht zum Ausdruck gebracht, dass die Entsendung des saudischen Mordkommandos nach Istanbul im Oktober des letzten Jahres nicht ohne das Wissen des jungen Kronprinzen erfolgt sein könnte.

«Niemand» habe MBS für den Mord verantwortlich gemacht, bürstete der US-Präsident die Fragesteller am G20-Gipfel ab. Einen Tag später verglich Trump beim Arbeitsfrühstück in Osaka die «spektakuläre Arbeit» des Kronprinzen gar mit einer «Revolution». Damit war klar, dass MBS, dem Amerika laut Trump «Millionen von Arbeitsplätzen» zu verdanken habe, endgültig von jeglicher Schuld reingewaschen war.

Ausser dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte es auf dem G20-Treffen in Osaka niemand gewagt, die Ermittlungen im Mordfall Khashoggi als «unzureichend» zu bezeichnen – oder gar darüber hinausgehende Fragen zu stellen. Man duckte sich hinter Trump, für den MBS ein «grossartiger Verbündeter» ist. Und was für Amerika gilt, gilt auch für den Rest der Welt.

Grosse Politik hat sich mit Saudi-Arabien versöhnt

Dass man es sich nicht mit MBS verderben wollte, war bereits wenige Wochen nach dem Khashoggi-Mord klar gewesen. Nur 40 von 180 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik hatten den Mut, eine Investorenkonferenz in Riad zu boykottieren. Einige der Ferngebliebenen entschuldigten sich später für ihre Absage.

Heute würde vermutlich kein Wirtschaftsboss mehr eine Reise nach Riad stornieren. Schliesslich hat sich inzwischen die grosse Politik mit Saudi-Arabien versöhnt und dies mit ihrer Wahl für Riad als Austragungsort für den nächsten G20-Gipfel klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Ein ermordeter und anschliessend in Stücke gesägter saudischer Journalist sollte die zur Schau gestellte Harmonie auf dem Treffen der 20 Mächtigsten da nicht stören.

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