Sauna-Tipps, Polizeidrohnen und Friedhofsverbote: So reagiert Europa auf die anhaltende Coronagefahr

Während in Österreich die Läden und in Tschechien die Tennisplätze öffnen, verlängern zahlreiche Länder ihre Massnahmen. Nur ein Land tut nach wie vor so, als wäre nichts.

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Mit Kunst gegen die Krise: Ein Strassenkünstler in Den Haag malt gegen Corona an.

Mit Kunst gegen die Krise: Ein Strassenkünstler in Den Haag malt gegen Corona an.

Keystone

Spanien

157'022 Infizierte, 15'843 Tote Noch nie waren Spaniens Strände so leer wie in diesen Osterferien: Die totale Ausgangssperre, die bis zum 25. April verlängert wurde, verbietet in Spanien sogar Spaziergänge an der frischen Luft. Nur zum Lebensmittelkauf dürfen die Menschen raus. Eine schrittweise Lockerung der Quarantäne ist wegen der immer noch dramatischen Lage nicht vor Mai denkbar. Viele Krankenhäuser sind mit Coronanotfällen überfüllt. Die Situation entspannt sich nur sehr langsam: Die Infektionskurve flacht zwar ab. Trotzdem hat Spanien bei den Krankheitsfällen den bisherigen Corona-Hotspot Italien überholt und ist nun der neue Epidemie-Brennpunkt Europas. (ze)

Frankreich

117'749 Infizierte, 12'210 Tote Frankreich wird die Ausgangsbeschränkungen über den 15. April hinaus voraussichtlich am Montag verlängern. Die Polizei kontrolliert streng. Vor die Tür darf man nur, wenn es unbedingt nötig ist – mit Passierschein. Spazieren gehen oder Sport ist nur eine Stunde am Tag und im Radius von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt. In La Madeleine und Béziers wurden alle öffentlichen Bänke abmontiert. In Biarritz stehen die Bänke zwar noch, es ist aber verboten, sich länger als zwei Minuten draufzusetzen. Wer in Marcq-en-Baroeul niest und dabei nicht das Gesicht bedeckt, muss 68 Euro bezahlen. (dpa)

Italien

143'626 Infizierte, 18'279 Tote Die Schulen werden wohl erst im September wieder öffnen. Auch die Kontaktsperre bleibt bestehen: Das Verlassen der eigenen Gemeinde bleibt untersagt. Seit dem 23. März wird nur noch in «strategischen» Unternehmen wie in der Landwirtschaft, im Medizinalbereich sowie im Transportsektor gearbeitet. 80 Prozent der Betriebe sind geschlossen. Am Freitag nach Redaktionsschluss wollte die Regierung erste Lockerungen für Buch- und Schreibwarenläden verkünden. Weitergehende Lockerungen kommen frühestens am 4. Mai. (dsr)

Deutschland

118'235 Infizierte, 2607 Tote Die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen bleiben mindestens bis zum 19. April bestehen. Nächste Woche will Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine Lockerung sprechen. Am Donnerstag appellierte die Regierungschefin trotz der abflachenden Kurve, weiterhin Vorsicht walten zu lassen. «Wir können uns sehr, sehr schnell das zerstören, was wir jetzt erreicht haben», sagte Merkel. Vielerorts verboten bleibt das Verweilen in öffentlichen Parkanlagen. Die Polizeigewerkschaften brachten sogar die Idee ein, Pärke mit Drohnen zu überwachen. (crb)

Österreich

134'53 Infizierte, 319 Tote Nach Ostern kehrt Österreich langsam zur Normalität zurück. Zunächst einmal soll der Einzelhandel wieder öffnen dürfen – mit Maskenpflicht für alle, die ein Geschäft oder ein öffentliches Verkehrsmittel betreten. Am 1. Mai sollen auch Coiffeursalons und Restaurants wieder geöffnet werden. Veranstaltungen und Konzerte bleiben bis Ende Juni untersagt. Einen Lichtblick zumindest gibt es für Studenten und Schüler: Das Sommersemester 2020 entfällt nicht, dafür die mündliche Matura. Es wird nur eine schriftliche Prüfung geben. (sts)

Dänemark

5819 Infizierte, 247 Tote Dänemark bereitet eine Öffnung nach Ostern vor, da der Druck auf die Spitäler nachlässt. Krippen, Kindergärten und Primarschulen öffnen wieder. Ältere Schüler, Studierende und öffentliche Angestellte müssen bis im Mai zu Hause bleiben. Geschäfte, in denen Abstand möglich ist, bleiben offen, Restaurants und Grenzen dagegen zu; kulturelle Veranstaltungen sind bis August verboten. Norwegen folgt dem dänischen Beispiel: Die Schulen und Coiffeursalons werden am 27. April wieder geöffnet, Psychologen dürfen schon am 20. April ihre Arbeit wieder aufnehmen. (na/dpa)

Schweden

9685 Infizierte, 870 Tote In Schweden hat sich die Lage vorerst stabilisiert. Im hauptsächlich betroffenen Stockholm sei die Kurve der Hospitalisierungen abgeflacht, es bleibe aber noch einige Wochen ein harter Kampf, verkündeten die Behörden. Bei den Massnahmen gibt es weder Lockerung noch Verschärfung: Wer Symptome aufweist, muss zu Hause bleiben. Schulen, Restaurants, Geschäfte und Grenzen bleiben mit gewissen Einschränkungen aber auch weiterhin offen. Schweden bleibt auch über Ostern ein europäischer Sonderfall. (na)

Weissrussland

1981 Infizierte, 19 Tote Machthaber Alexander Lukaschenko ist nach wie vor der Meinung, dass sein Land weder Quarantäne- noch Social-Distancing-Massnahmen brauche. «Gegen Corona hilft Wodka, Sauna und Traktorfahren», riet er seinen Mitbürgern. Weissrussland bleibt damit das einzige Land in Europa, in dem nicht nur die Schulen und Märkte noch offen sind, sondern auch Massenveranstaltungen wie Fussballspiele und Konzerte weiterhin stattfinden. Einzig der Stadtrat der Hauptstadt Minsk hat am Donnerstag den Eltern freigestellt, ihre Kinder weiterhin in die Schulen zu schicken. (pfl)

Grossbritannien

65'077 Infizierte, 7978 Tote Zwar hat die Regierung es noch nicht bestätigt, aber allgemein gilt als sicher: Die bis Ostermontag geltenden Ausgangsbeschränkungen werden bis Ende April verlängert, alle Pubs und Schulen bleiben zu. Derzeit dürfen die Briten das Haus nur für den Gang zur Apotheke oder für dringend nötige Einkäufe verlassen. Erlaubt sind auch Sport oder Spaziergänge von täglich einer Stunde, entweder allein oder im Familienverbund. In den Pärken bleiben sämtliche Spielplätze und Sportgeräte gesperrt; auf Bänken finden sich Hinweise, man dürfe nicht lang verweilen. (sbl)

Russland

11'917 Infizierte, 94 Tote Die Russen sind bis Ende April in «Selbstisolation für alle». Über eine Exit-Strategie wird nicht öffentlich nachgedacht. Die Hauptstadt Moskau schliesst für die nächsten Wochen ihre Friedhöfe. Normalerweise besuchen in der Zeit um Ostern rund eine Million Moskauer die Grabstätten ihrer Angehörigen. Viele Russen richten am Sonntag vor Ostern die Gräber ihrer Verstorbenen nach dem Winter her. Die Russisch-Orthodoxe Kirche erachtet das Friedhofsverbot als «vernünftige Massnahme». Ohnehin sei Ostern ein Fest der Freude und nicht der Trauer. (ihm)

Tschechien

5589 Infizierte, 113 Tote Seit Dienstag dürfen die Tschechen wieder Tennis und Golf spielen. Das hat die Regierung in Prag entschieden. Und seit Donnerstag sind unter anderem Baugeschäfte und Fahrradläden wieder offen. Gleichzeitig gelten ab sofort verschärfte Hygieneregeln in allen Läden: Am Eingang müssen den Kunden Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe zur Verfügung gestellt werden. Ab dem 14. April sind notwendige Reisen ins Ausland (zum Beispiel Geschäftsreisen oder Reisen für medizinische Untersuchungen) wieder erlaubt. (sas)