Scheich-Tochter
Eingesperrte Prinzessin von Dubai in neuem Video: «Sie haben mir gedroht, dass ich nie wieder die Sonne sehen werde»

Nach ihrer gescheiterten Flucht vor zwei Jahren wird Prinzessin Latifa al Maktoum in Dubai gefangen gehalten. In an die BBC übermittelten Videos schildert die 34-Jährige ihre verzweifelte Lage.

Michael Wrase aus Limassol
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Aus dem blassen Gesicht von Latifa spricht Verzweiflung. Seit mehr als zwei Jahren wird die «königliche Hoheit» von ihrem mächtigen Vater, Scheich Mohammed bin Raschid al Maktoum, in einer Villa in Dubai gefangen gehalten. Um ihre Videobotschaft aufzunehmen, hat sich die Prinzessin in der Toilette verkrochen. «Es ist das einzige Zimmer mit einer Tür, die ich abschliessen kann», sagt Latifa zitternd, ehe sie aufgeregt erzählt, wie es ihr in der «Einzelhaft» ergeht.

#MissingPrincess: Das Video der Prinzessin von Dubai wurde BBC zugespielt.

BBC News

«Ich bin eine Geisel und diese Villa ist ein Gefängnis verwandelt worden». Alle Fenster seien blockiert worden. Polizistinnen würden sie rund um die Uhr bewachen. «Ich weiss nicht, ob ich diese Situation überleben werde», berichtet sie besorgt: «Die Polizei hat mir gedroht, dass ich mein ganzes Leben in diesem Gefängnis verbringen und nie wieder die Sonne sehen werde.».

Seit über einem Jahrzehnt in Hausarrest

Unter Hausarrest steht Prinzessin Latifa bereits seit 2010. Damals durfte die junge Frau aber noch mit Freunden kommunizieren. Unter ihnen war auch ihre finnische Fitnesstrainerin Tiina Jauhiainen, mit der sie acht Jahre später aus Dubai zu fliehen versucht. «Ich möchte ein neues Leben beginnen, in dem ich nicht mehr zum Schweigen gebracht werde», hatte Latifa in einem anderen Video die Gründe ihrer Flucht erklärt.

Ihren Vater, den Herrscher des Emirates Dubai, beschrieb die Sheikha darin als «das Böse in Person». Er sei «einfach nur widerlich», habe «nichts Gutes an sich», behauptete Latifa von einem Mann, der sich seit Jahrzehnten als einen «toleranten Visionär» und «Brückenbauer »feiern lässt.

Spezialeinheiten stürmten ihre Yacht und betäubten sie

Als das Video einige Monate später an die Öffentlichkeit gelangte, war die Flucht der Prinzessin schon gescheitert. Spezialeinheiten der Vereinigten Arabischen Emirate und Indiens hatten vor der Küste von Goa die Motoryacht, auf der sich Latifa mit ihrer finnischen Freundin Tiina sowie dem ehemaligen französischen Geheimdienstagenten Herve Jaubert befand, gestürmt, Latifa betäubt und zurück nach Dubai gebracht.

Dubais Herrscher Mohammed bin Raschid.

Dubais Herrscher Mohammed bin Raschid.

© Ho New / Reuters / X80001,WIR

In der Öffentlichkeit wurde Prinzessin Latifa seither nur einmal gesehen. Bei einem Essen mit der früheren UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, machte sie jedoch einen abwesenden Eindruck. Gegenüber der BBC hat die irische Anwältin den zur Legitimierung der Herrscherfamilie von Dubai arrangierten Lunch inzwischen bedauert. «Sie haben mich damals reingelegt», gestand Robinson dem Sender.

Der Fall liegt nun bei den Vereinten Nationen

Ein Fall für das Menschenrechtskommissariat der Vereinten Nationen ist die Inhaftierung von Latifa al Maktoum jetzt dennoch. Nach der Veröffentlichung der von der BBC ausgestrahlten Hilferufe der Prinzessin kündigte ein Sprecher der UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Verhaftungen eine Untersuchung an. Man werde die Videos genauestens analysieren. Das britische Aussen – und Entwicklungsministerium sprach von «einem besorgniserregenden Fall».

Als «Kidnapper» aktenkundig ist der Emir von Dubai bereits seit dem sechsten März letzten Jahres: Ein Londoner Gericht hatte nach der Anhörung von Zeugen und der Auswertung von Videos entschieden, dass der 71-jährige Autokrat nicht nur seine Tochter Latifa, sondern auch ihre ältere Schwester Schamsa vor 11 Jahren aus Cambridge entführt und in Dubai gefangen halte.

Dem selbstherrlichen Alleinherrscher wurde zudem angelastet, seine ehemalige Frau, Prinzessin Haja, bedroht und eingeschüchtert zu haben. Sie war vor zwei Jahren mit ihren Kindern nach London geflohen, weil sie wohl nicht zu Unrecht befürchtete, wie Latifa und Schamsa in einer Villa in Dubai eingesperrt zu werden.