Überdies

Schöner shoppen mit Jeremy

Sebastian Borger, London
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Labour-Chef Jeremy Corbyn will den Brexit dafür nutzen, das britische Wirtschaftssystem umzubauen.

Labour-Chef Jeremy Corbyn will den Brexit dafür nutzen, das britische Wirtschaftssystem umzubauen.

KEYSTONE/EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Die unverhoffte Kampagne zur Unterhauswahl Anfang Juni ist erst wenige Tage alt, da hat Jeremy Corbyn schon die Nase voll. So könne es mit dem Land nicht weitergehen, findet der Vorsitzende der Labour-Party: «Ich will ein ganz anderes Land.» Der Wunsch wird jedem verständlich sein, der die Umfragen kennt: Die Sozialdemokraten steuern auf das schlechteste Wahlergebnis seit mindestens 35 Jahren zu.

Auch im direkten Vergleich schneidet der 67-Jährige schlecht ab. Lediglich 12 Prozent halten ihn für den besseren Regierungschef, 46 Prozent bevorzugen die Amtsinhaberin Theresa May. So kann es nicht weitergehen, findet Labour. Wie aber gewinnt man jene Millionen von Werktätigen, die unter dem Joch konservativer Herrschaft stöhnen? Man lässt sie pausieren: Vier neue Feiertage werde die nächste Labour-Regierung einführen, verkündete Corbyn gestern.

Besorgte Einwände von Lobbyisten, das Land könne einen Einbruch der Wirtschaftsleistung nicht gut brauchen, wischt Corbyn beiseite. Und wie man die shopping-begeisterten Briten so kennt, würden sie die neuen Auszeiten gewiss für zusätzlichen Konsum nutzen. Kurbelt die Volkswirtschaft an! Eigentlich schade, dass der Vorschlag keine Aussicht auf Verwirklichung hat, siehe Umfragen. Es sei denn, es geht den Feiertagen wie einem Labour-Vorschlag zur Kostenreduzierung von Strom und Gas. Den haben jetzt, mit winzigen Änderungen, die Torys übernommen.