Türkei
Schreckensherrschaft: 160'000 Festnahmen und 50'000 Inhaftierungen reichen Erdogan nicht

Nach dem Wahlsieg von Präsident Recep Tayyip Erdogan hält die Verhaftungswelle in der Türkei wegen mutmasslicher Verwicklung in den gescheiterten Putsch von 2016 unvermindert an. Erdogan regiert seit Sonntag mit noch weitreichenderen Vollmachten als bisher.

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Ein Mann räumt auf: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach seinem Wahlsieg weitere Personen verhaften lassen.

Ein Mann räumt auf: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach seinem Wahlsieg weitere Personen verhaften lassen.

KEYSTONE/AP Pool Presidential Press Service/YASIN BULBUL

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Ankara wurden 99 Angehörige der Luftwaffe in der Hauptstadt und 20 Provinzen wegen Kontakten zum Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen festgenommen. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am Mittwoch, zudem seien 93 Angehörige des Heeres, der Marine und der Küstenwache in Haft genommen worden. Erst am Dienstag hatten die Behörden in einer landesweiten Aktion die Festnahme von 132 Menschen angeordnet.

Erdogans Vollmachten traten am Sonntag nach der von ihm betriebenen Verfassungsänderung zeitgleich mit der Abstimmung in Kraft. Er macht seinen in den USA lebenden ehemaligen Verbündeten Gülen für den Putschversuch verantwortlich, bei dem im Juli 2016 rund 250 Menschen getötet worden. Gülen bestreitet jede Verwicklung.

Seit dem Putschversuch wurden nach US-Angaben rund 160'000 Menschen festgenommen und etwa ebenso viele aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Über 50'000 Personen wurden seither angeklagt und befinden sich in Haft.

Kritiker werfen Erdogan vor, den Putschversuch zu nutzen, um abweichende Meinungen zu unterdrücken. Die Regierung bezeichnet hingegen die Verhaftungen als notwendig, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten.