Ägypten
Schuh-Angriff auf Irans Präsident Ahmadinedschad während Islam-Treffen

Viele Jahre ist es her seit dem letzten Besuch eines iranischen Staatsoberhaupts in Ägypten. Doch der Aufenthalt wird für den in der arabischen Welt sehr umstrittenen Präsidenten zu einem Hindernislauf: Zuerst eine Belehrung, dann der Schuh-Wurf.

Simon Michel
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Schuhattacke auf Mahmud Ahmadinedschad am Rande von Islam-Treffen in Ägypten

Schuhattacke auf Mahmud Ahmadinedschad am Rande von Islam-Treffen in Ägypten

Keystone

Mit seiner aggressiven Aussenpolitik schaffte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad keine weitere Verbesserungen der Verhältnisse zwischen seinem Land und Ägypten, zwischen Persern und Arabern. Doch zum derzeitigen Gipfel der Organisationen islamischer Kooperation OIC empfing Ägypten zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder ein iranisches Staatsoberhaupt.

Der Besuch hatte friedlich begonnen, sein ägyptischer Amtskollege Mohammed Mursi begrüsste Ahmadinedschad in Kairo am Flughafen. Doch die Charmeoffensive Ahmadinedschads – ein Versuch neue Freunde unter den Arabern zu gewinnen – sollte sich zu einer komplizierteren Aufgabe entwickeln, als er es sich vorgestellt hat.

Zuerst die Belehrung

Während seines Besuchs in der Al-Azhar-Moschee traf Ahmadinedschad auf die höchste religiöse Autorität von Ägypten, Ahmad Mohammad al-Tayyeb. In einem Communiqué der Moschee verlangte der Grosscheich vom iranischen Gast, sich nicht in die Sachen der sunnitisch regierten Staaten am Persischen Golf einzumischen. Der Iran gehört der schiitischen Glaubensströmung an und verliert immer mehr Verbündete.

Dann der Schuh-Angriff

Mahmud Ahmadinedschad besuchte danach die Hussein-Moschee, wo er auf aussergewöhnliche Weise mit der momentanen Syrien-Problematik konfrontiert wurde: Das Video der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zeigt einen wütenden Demonstranten, der den iranischen Präsidenten mit einem Schuh zu treffen versucht. Der jugendliche Schuh-Werfer soll mit syrischem Akzent gesprochen haben und beschuldigte Ahmadinedschad, mit iranischer Unterstützung des syrischen Regimes «seine Brüder zu töten».

Ahmadinedschad blieb unverletzt, der Schuh traf nämlich nicht ihn sondern einen seiner Leibwächter. Der Schuh-Angriff lässt ihn jedoch sicherlich nicht ganz kalt - der Vorfall erinnert an seinen Erzfeind Georges W. Bush, dem vor einigen Jahren die gleiche höchste arabische Demütigung drohte. Und jetzt dürften beide in einem Atemzug genannt werden.