Ukraine
Schüsse und Explosionen in Slawjansk - zwei Helis abgeschossen

Die ukrainische Armee setzt offenbar zum Sturm auf Slawjansk an. Pro-russische Aktivisten berichten von heftigen Schusswechseln und dem Einsatz von Kampfhelikoptern. Das Innenministerium bestätigt den Abschuss von zwei Helikoptern

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Ukrainische Truppen marschieren in Slawjansk ein
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Die ukrainischen Truppen sind mit schwerem Gerät aufgefahren.
Ukrainische Truppen vor Slawjansk.
Ein Transporthubschrauber setzt ukrainische Infanteristen ab.
Ukrainischer Soldat im Feld.
Ukrainische Soldaten an einem Checkpoint vor Slawjansk.
Ukrainischer Soldat.
Ukrainischer Soldat vor einem zerstörten Checkpoint.
Befehlsausgabe der pro-russischen Aktivisten.
Die pro-russischen Aktivisten leisten heftigen Widerstand.
Pro-russische Aktivisten in Lauerstellung.

Ukrainische Truppen marschieren in Slawjansk ein

Keystone

Bei Gefechten gegen prorussische Milizen nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk sind nach Regierungsangaben zwei Militärhelikopter abgeschossen worden. Prorussische Kämpfer hätten die Armeehelikopter vom Typ Mi-24 mit Raketenwerfern beschossen.

Zwei ukrainische Soldaten seien getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Mehrere weitere seien verletzt worden. Innenminister Arsen Awakow hatte zuvor von einem abgeschossenen Helikopter und einem getöteten Piloten gesprochen.

(Das Twitter-Bild zeigt angeblich einen abgeschossenen Helikopter der ukrainischen Armee)
(Dieses Twitter Bild zeigt angeblich den gefangengenommenen Piloten des abgeschossenen Helikopters)

Der prorussische Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarjow sprach ebenfalls von zwei abgeschossenen Helikoptern. Wie er der Nachrichtenagentur Interfax sagte, wurde einer der Piloten getötet, der andere konnte fliehen.

Slawjansk wird seit Wochen von prorussischen Milizen kontrolliert. Am frühen Freitagmorgen startete die ukrainische Armee nach Angaben von Awakow die "aktive Phase" eines Angriffs auf die Separatisten in Slawjansk und Kramatorsk.

Russland kritisiert Angriff mit scharfen Worten

Die russische Regierung hat den Angriff der ukrainischen Armee auf prorussische Milizen im Osten des Landes scharf kritisiert. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, wertete den Angriff am Freitag als einen Verstoss gegen das Genfer Abkommen.

Während sich Russland um eine Deeskalation und eine Entschärfung des Konflikts bemühe, setze die Übergangsregierung in Kiew Luftstreitkräfte gegen "friedliche Siedlungen" ein, sagte Peskow laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen. Mit dem "Vergeltungsangriff" sei die "letzte Hoffnung" auf eine Umsetzung der Genfer Vereinbarungen zunichte gemacht worden.
Die russische Regierung wandte sich wegen der Gefechte auch an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die OSZE solle Massnahmen ergreifen, "um diesen Vergeltungsangriff zu beenden", sagte der russische OSZE-Botschafter Andrej Kelin der Nachrichtenagentur ITAR TASS.

Russland wandte sich seinen Angaben zufolge an OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier und an den derzeitigen OSZE-Vorsitzenden, Bundespräsident Didier Burkhalter. (sda)

"Professionelle Söldner"

Ukrainische Soldaten übernahmen seinen Angaben zufolge die Kontrolle über neun Kontrollpunkte der Milizen. Slawjansk ist demnach umstellt.

Die Übergangsregierung in Kiew forderte die Separatisten auf, die von ihnen festgehaltenen Geiseln freizulassen, ihre Waffen niederzulegen und besetzte Gebäude zu räumen. Die ukrainische Armee habe es in der Ostukraine mit "professionellen Söldnern" zu tun, teilte Innenminister Awakow mit. Die ukrainischen Spezialkräfte würden mit Raketenwerfern und anderen "schweren Waffen" angegriffen.

Einwohner von Slawjansk gewarnt

Ponomarjow räumte nach Angaben von Ria Nowosti ein, dass ukrainische Regierungstruppen den örtlichen Fernsehsender erobert hätten. Innenminister Awakow berichtete, die Operation laufe wie geplant. Awakow rief die Anwohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen und von den Fenstern fernzubleiben.

Die moskautreuen Separatisten hätten die mehr als 100'000 Einwohner mit Sirenen und Kirchenglocken vor dem Sturm gewarnt. Das Mobilfunknetz funktioniere, meldete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Ponomarjows Kämpfer halten seit einer Woche mehrere Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Slawjansk fest. Die Geiseln seien an einen "sicheren Ort ausserhalb der Kampfzone gebracht" worden, sagte Ponomarjow zu "bild.de".