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Schweiz als Rückzugsraum der RAF

Terrorismus Der Deutsche Herbst hat auch hierzulande lange Schatten geworfen. Die Tatwaffe des Buback-Mords stammte aus dem Kanton Luzern; im Jura wurden zwei RAF-Mitglieder verhaftet.

«Trauer und Terror-Angst im Jura» überschreibt die «Schweizer Illustrierte» eine Reportage. Eine Serie von Bluttaten und Zwischenfällen in der Ajoie nährt im Terrorjahr 1977 Spekulationen über die Präsenz der Schleyer-Entführer im Pruntruter Zipfel, aber auch über letzte Gewaltakte im Vorfeld der eidgenössischen Volksabstimmung über die Gründung des Kantons Jura.

Das Ganze beginnt in der Nacht zum 17. September 1977, zwölf Tage nach der Entführung von Hanns-Martin Schleyer. Der Offiziersschüler Rudolf Flükiger kehrt nach einem Patrouillenlauf nicht auf den Waffenplatz Bure zurück. 27 Tage später, am 13. Oktober, entdeckt ein Jäger in einem Wald beim französischen Grandvillars eine Leiche. Es sind die sterblichen Überreste des 21-jährigen Flükigers. Seine Pistole und seine Effekten werden nie gefunden. Einzig die Hälfte der militärischen Erkennungsmarke liegt bei der verstümmelten Leiche. Als Todesursache wird die Explosion einer schweizerischen Handgranate ermittelt. Offen bleibt, ob es sich um einen Unfall, ein Verbrechen oder Suizid handelt. Letzteres ist laut den Behörden am wahrscheinlichsten; die Familie und Freunde Flükigers glauben jedoch nicht daran.

«Aspirant Flükiger von Terroristen ermordet?», fragt der «Blick». Es geht um Spekulationen, die angeblich auf Informationen des französischen Geheimdienstes beruhen. Flükiger soll auf seinem Patrouillenlauf den Schleyer-Entführern begegnet sein, die mit ihrer Geisel einen Fahrzeugwechsel vornahmen. Die RAF-Terroristen hätten den Mann in Uniform erschossen und einen Suizid arrangiert. Das kann schon deshalb nicht stimmen, weil die RAF an jenem Tag den deutschen Arbeitgeberpräsidenten von Deutschland in ein neues Versteck in den Niederlanden transportierte. Nie erhärtet wurde auch das auf einem anonymen Brief basierende Gerücht, Flükiger sei bei einer missglückten Aktion der separatistischen Jugendorganisation Bélier ums Leben gekommen.

Die Schiesserei am Zoll im Jura

Schüsse fallen am 20. Dezember 1977 am schweizerisch-französischen Grenzposten in Fahy: Die Grenzwächter überprüfen die Identität eines jungen deutschen Paars, das zuvor bei der Überquerung der grünen Grenze mit einem Auto gestoppt wurde. Die Frau zieht unvermittelt eine Pistole, eröffnet das Feuer und verletzt die beiden Zöllner. Das Paar flüchtet nach Pruntrut, wo es in ein Taxi umsteigt, bevor die Flucht bei Delsberg endet. Bei den Verhafteten handelt es sich um Gabriele Kröcher-Tiedemann (26) und Christian Möller (28). Beide gehörten zu den Gefangenen, die 1973 durch die Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz freigepresst wurden. Im Dezember 1975 soll sie als «Carlos»-Komplizin am blutigen Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien beteiligt gewesen sein. Ein Gericht verurteilt die beiden 1978 wegen Mordversuchs zu fünfzehn Jahren Zuchthaus; ihr Begleiter ­erhält elf Jahre. 1987 wird Kröcher-Tiedemann an Deutschland ausgeliefert

Noch vor dem Prozess gegen die beiden Deutschen sorgt eine weitere Bluttat für Schlagzeilen. Am 3. März 1978 wird in einem verlassenen Haus in der Nähe von Pruntrut die Leiche des Polizeikorporals Rodolphe Heusler aufgefunden. Ein Kollege wird später wegen Mordes zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Erneut wird über einen Zusammenhang mit dem Jurakonflikt und dem Terrorismus spekuliert. Politiker wie der Berner Nationalrat Valentin Oehen von der Nationalen Aktion versuchen unterdessen, Profit aus den Ereignissen zu schlagen. Eine parlamentarische Initiative zur Wiedereinführung der Todesstrafe für Terroristen bleibt aber chancenlos. Bemerkungen Oehens über angebliche Vertuschungsversuche der Behörden im Fall Flükiger quittiert der damalige Justizminister Kurt Furgler mit den Worten: «Das ist mehr als nur perfid, das ist Brunnenvergiftung.»

Rasche Reformen beim Waffenrecht verspricht der Bundesrat, als bekannt wird, dass die Waffe, mit der die RAF am 7. April 1977 den deutschen Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordete, aus einem Geschäft im luzernischen Malters stammt. Die RAF-Mitglieder Verena Becker und Günter Sonnenberg hatten das Selbstladegewehr und weitere Waffen aus der Schweiz bei sich, als sie am 3. Mai 1977 nach einer blutigen Schiesserei im deutschen Singen verhaftet wurden. Die Ermittlungen zeigten, dass sich beide längere Zeit in der Schweiz aufgehalten hatten. Als Rückzugsraum und Beschaffungsbasis diente die Schweiz auch Rolf Clemens Wagner und Christian Klar, die am 19. November 1979 die Volksbank an der Zürcher Bahnhofstrasse überfielen. Wagner kaufte 1975 im Kanton Aargau Waffen von einem privaten Sammler, der in einer Fachzeitschrift inseriert hatte.

Balz Bruppacher

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