Machtwechsel
Schweizer Auswanderer nach Mugabe-Rücktritt: «Ein neues Simbabwe ist geboren»

Als Robert Mugabe zurücktritt, ist Kurt Haas, der mit seiner Frau Heidi seit 22 Jahren in Simbabwe lebt, auf Safari. Die Nachricht vom Machtwechsel bekommt der Auswanderer trotzdem mit.

Philipp Zimmermann
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Kurt und Heidi Haas leben seit 22 Jahren in Simbabwe – links jubelnde Menschen nach Mugabes Rücktritt im Zentrum von Harare.

Kurt und Heidi Haas leben seit 22 Jahren in Simbabwe – links jubelnde Menschen nach Mugabes Rücktritt im Zentrum von Harare.

Key/zvg

Als Präsident Robert Mugabe (93) nach 37 Jahren an der Macht am Dienstag zurücktritt, kennt die Freude bei der Bevölkerung von Simbabwe keine Grenzen. Die Menschen strömen etwa in der Hauptstadt Harare oder in Bulawayo, der zweitgrössten Stadt des Landes, auf die Strassen, veranstalten Hupkonzerte. Schwarze und Weisse liegen sich in den Armen und hoffen, dass es endlich aufwärtsgeht mit ihrem Land, in dem 14 Millionen Menschen leben, aber aus dem wegen wirtschaftlicher Not allein 4 Millionen nach Südafrika ausgewandert sind, um dort Arbeit zu finden.

Das Schweizer Ehepaar Kurt und Heidi Haas lernten Simbabwe 1987 kennen, acht Jahre später wanderten sie vom aargauischen Scherz ins Land im Süden Afrikas aus. Nun leben seit dort schon seit 22 Jahren. Bei Bulawayo führen sie das Gästehaus Parrot Lodge. Doch als die Nachricht über den Rücktritt Mugabe bekannt wird, sind sie fern von den jubelnden Menschen. "Ich war gerade auf Safari im Hwange-Nationalpark mit Schweizer Freunden", erzählt Kurt Haas. Entsprechend könne er gar nicht viel sagen.

Stolz ist er allerdings auf die Simbabwer, die auch in den Krisentagen, als Mugabe unter Hausarrest des Militärs stand und sein politisches Ende zum Greifen nahe war, friedlich blieben. "Am Montag wollten die Menschen noch immer den Wandel ohne jegliche Gewalt", sagt er.

Auch wenn er im Busch war, Kurt Haas hat doch mitbekommen, dass "ein wildes Feiern" folgte, mit "grossen Hoffnungen, Arbeit zu finden und die Industrie zurück ins so geliebte Land zu holen". Die Arbeitslosigkeit in Simbabwe liegt bei zirka 90 Prozent.

Jubel in Harare.
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Jubel in Harare.
Jubel in Harare.
Jubel in Harare.
Jubel in Harare.
Die Menschen in der Stadt Bulawayo feiern.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern in Johannesburg (Südafrika) den Rücktritt von Mugabe. Zu Millionen sind Simbabwer ins Nachbarland ausgewandert, wegen der wirtschaftlichen Not in Simbabwe.
Simbabwer feiern in Johannesburg (Südafrika) den Rücktritt von Mugabe. Zu Millionen sind Simbabwer ins Nachbarland ausgewandert, wegen der wirtschaftlichen Not in Simbabwe.
Simbabwer feiern im Zentrum von Harare den Rücktritt ihres langjährigen Präsidenten Robert Mugabe (93).
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.
Simbabwer feiern vor dem Parlamentsgebäude in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.

Jubel in Harare.

Ben Curtis

"Ein neues Simbabwe ist geboren", ist sich Kurt Haas sicher. "Wir hoffen, die Verantwortlichen werden rund um die Uhr arbeiten, um unser geliebtes Simbabwe wieder in einen besseren Zustand zu führen." Damit ist allen voran Emmerson Mnangagwe gemeint: Der 75-Jährige, "das Krokodil" genannt, weil er im richtigen Moment zuzuschlagen weiss, war bis vor zwei Wochen Vizepräsident, bevor Mugabe ihn feuerte.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Emmerson Mnangagwe trifft Südafrikas Präsident Jacob Zuma in Pretoria. Das Bild zeigt, dass Südafrika einverstanden ist mit dem Machtwechsel in Simbabwe, den das Militär offenbar ohne Tote zustande gebracht hat.
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Anhänger von Emmerson Mnangagwe feiern den baldigen Präsidenten Simbabwes - als Referenz auf seinen Spitznamen "Krokodil" tragen sie ein solches aus Stoff mit sich.
Sie freut sich offensichtlich auf die Rückkehr von Mnangagwe. Er ging ins Exil, nachdem ihn Mugabe vor zwei Wochen als Vizepräsident feuerte.
Emmerson Mnangagwe gilt als führendes Mitglied der politischen Elite und als Hardliner,

Ein Bild mit Symbolcharakter: Emmerson Mnangagwe trifft Südafrikas Präsident Jacob Zuma in Pretoria. Das Bild zeigt, dass Südafrika einverstanden ist mit dem Machtwechsel in Simbabwe, den das Militär offenbar ohne Tote zustande gebracht hat.

Ntswe Mokoena

Mugabe wollte seine Ehefrau Grace auf den Posten des Vizepräsidenten hieven und damit in die Pole Position für die Präsidentschafts-Nachfolge bringen. Das allerdings ging schief. Mnangawe soll am Freitag als neuer Präsident vereidigt werden. Bereits hat dieser in Pretoria in Südafrika dessen Präsidenten Jacob Zuma getroffen. Pressefotos zeigen die beiden lächelnd beim Händeschütteln. Und Bilder zeigen bereits jubelnde Simbabwer in Harare mit Stoff-Krokodilen – ein Zeichen, wie gross die Hoffnungen in den Politiker sind, der lange Jahre mithalf, die Macht von Mugabe zu sichern.

Robert Mugabe - 37 Jahre an der Macht:

Am 20. November 2017 spricht Mugabe am Fernsehen eine Rede zur Nation. Eigentlich war erwartet worden, dass er seinen Rücktritt verkündet. Das unterlässt er aber, obwohl er von seiner Partei Zanu-PF als Vorsitzender abgesetzt und seine Frau aus der Partei ausgeschlossen wurde. Einen Tag später tritt er dann doch noch zurück. Damit endet eine 37 Jahre lange Ära.
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Robert Mugabe (Mitte) 1976 mit anderen Vertretern der Patriotischen Front an der Rhodesien-Konferenz in Genf: Mugabe nahm an Verhandlungen mit dem rhodesischen Ministerpräsidenten Ian Smith zum sogenannten Kissinger-Paket teil.
Mugabe war Anführer im Unabhängigkeitskampf. Simbabwe war eine britische Kolonie. (Bild von 1979)
Robert Mugabe kommt 1980 mit der Unabhängigkeit von Simbabwe, dem ehemaligen Rhodesien, an die Macht. Mugabe während des Wahlkampfs 1980.
Mugabe gilt in den 80ern als Hoffnungsträger Afrikas.
Simbabwe ist reich an Bodenschätzen und gilt wegen seiner produktiven Landwirtschaft (mit 5000 weissen Farmern) als Brotkorb von Afrika.
Mugabe trifft sich 1995 US-Präsident Bill Clinton.
Doch Mugabe füllt seine eigenen Taschen und die seiner Anhänger. Er wird zum Despoten, lässt 1999/2000 zirka 4500 weissen Farmer enteignen. Seine Anhänger übernehmen die Farmen, haben aber nicht das nötige Landwirtschafts-Know-How. Das Bild zeigt Mugabe mit seiner zweiten Frau Grace Mugabe, seiner ehemaligen Sekretärin. Er hatte mir ihr bereits eine Affäre, als seine erste Frau an Krebs erkrankt war und starb.
Ein Wahlkampf-Poster von 2008: Unschwer zu erraten, dass es sich nicht um demokratische Wahlen handelte.
2011: Mugabe trifft Fifa-Präsident Sepp-Blatter, der in Simababwe auf Besuch ist.
Mugabe wirtschaftet Simbabwe zu Grunde. Negativer Höhepunkt ist die Hyperinflation 2009, in deren Folge Simbabwe die eigene Währung abschafft und den US-Dollar zur offiziellen Währung macht.
Der stürzende Mugabe - ein Bild mit Symolkraft. Aufgenommenwurde es im Februar 2015 beim Treffen der Afrikanischen Union in Äthiopien.
Mugabe feierte grosse Geburtstagspartys. Sie sollen Millionen gekostet haben. Beim Volk kam das nicht gut an - kein Wunder bei Armut und 90 Prozent Arbeitslosigkeit. Millionen Simbabwer flüchteten in der Not nach Südamerika. Dort sind sie als Arbeitskräfte, etwa im Gastgewerbe, kaum wegzudenken.
Mugabe (93) machte mit seinen Auftritten in den letzten Jahren Negativschlagzeilen: Er schlief an offiziellen Anlässen immer wieder ein.
Mugabe und seine zweite Ehefrau Grace. Wegen ihrer Prunk- und Shoppingsucht erhielt sie den Übername Grace "Gucci" Mugabe.
Mugabe und sein ehemaliger Vizepräsident Emmerson Mnangagwe im 2016. Eine Woche vor dem Militärputsch feuerte Mugabe seinen Vertrauten. Mnangagwe war jahrelang der Mann fürs Grobe an der Seite von Mugabe. Er gilt als reichster Mann Simbabwes und trägt den Übernamen "Krokodil" - weil er im richtigen Moment schnell zuschlägt.
Mugabe wollte seine Frau Grace zur neuen Vizepräsidentin machen. Das war einer der Gründe für den Militärputsch. Den Grace Mugabe geniesst beim Militär, anders als Mnangagwe, kein Ansehen. Sie ist auch bei der Bevölkerung unbeliebt.
Am 16. November 2017 kommt es in Simbabwe zum Miltär-Putsch: Das Militär nimmt Vertraute von Mugabe fest und setzt ihn unter Hausarrest.
Die Zeitungen in Simbabwe feiern den Putsch.
Die Militärführung will Mugabe dazu bringen, freiwillig zurückzutreten. Doch der weigert sich. Immerhin darf er an einer Zeremonie der Freien Universität nahe Harare teilnehmen - so wie das schon lange zuvor vorgesehen war.
Am 21. November gehen wieder Tausende auf die Strassen. Hier fordern sie vor dem Parlamentsgebäude in Harare die Absetzung von Mugabe. Im Parlament wird das Amtsenthebungsverfahren gestartet.
Robert Mugabe

Am 20. November 2017 spricht Mugabe am Fernsehen eine Rede zur Nation. Eigentlich war erwartet worden, dass er seinen Rücktritt verkündet. Das unterlässt er aber, obwohl er von seiner Partei Zanu-PF als Vorsitzender abgesetzt und seine Frau aus der Partei ausgeschlossen wurde. Einen Tag später tritt er dann doch noch zurück. Damit endet eine 37 Jahre lange Ära.

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