Schweizer Botschafterin in Beirut: «Ich wurde wortwörtlich durch den Raum geschleudert»

Die Schweizer Botschafterin in Beirut, Monika Schmutz Kirgöz, wurde bei der Explosion verletzt. Wer ist unsere Frau im Libanon? Die gebürtige Baslerin gilt als krisenerprobt, umgänglich und kann sich durchsetzen.

Eva Hirschi
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Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz (r) und Bundesrat Alain Berset bei dessen Besuch in Beirut 2018.

Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz (r) und Bundesrat Alain Berset bei dessen Besuch in Beirut 2018.

Nabil Mounzer / EPA

Die Bilder zeigen verwüstete Räume: Auch die Schweizer Botschaft wurde bei der Explosion Dienstagnachmittag in der Hauptstadt des Libanons schwer beschädigt. Dabei wurden Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz sowie ein lokaler Mitarbeiter leicht verletzt. «Zum Zeitpunkt der Explosion war ich in meinem Büro. Die Druckwelle hat mich mit aller Kraft erfasst und wortwörtlich durch den Raum geschleudert», schreibt die Botschafterin in einem Communiqué.

Die Schweizer Botschaft in Beirut nach der Explosion.

Die Schweizer Botschaft in Beirut nach der Explosion.

CH Media

Zu Fuss und von Arbeitskollegen begleitet sei Schmutz Kirgöz zu einem nahegelegenen Spital gelaufen: «Die ganze Strasse war ein Teppich aus Blut und Scherben.» Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, am Mittwoch nahm sie ihre Arbeit bereits wieder auf – wenn auch an einem anderen Ort, die Botschaft bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Es herrscht Krisenmodus: Zurzeit prüft die Botschaft, inwiefern die Schweiz den Libanon konkret unterstützen kann.

Freundliche Persönlichkeit, die Probleme direkt angeht

Es ist eine weitere Herausforderung, die sich in das bereits voluminöse Dossier der Botschafterin einreiht. Flüchtlingskrise, Massenproteste gegen die Regierung, Wirtschaftskrise, Armut und Hunger, strenge Massnahmen wegen des Coronavirus – das Land kommt seit Monaten nicht zur Ruhe. Auch nicht Schmutz Kirgöz: Jüngst wurde vor ihrer Botschaft protestiert und gefordert, das Geld der korrupten Elite auf Schweizer Bankkonten zu blockieren und der libanesischen Bevölkerung zurückzugegeben.

Die gebürtige Baslerin, die 1996 in den diplomatischen Corps eintrat, ist allerdings krisenerprobt. Mit Stationen in Israel und in der Türkei ist sie sich das Arbeiten in Ländern, die immer wieder im Brennpunkt regionaler Spannungen stehen, gewohnt. Diese Erfahrung und Fachkenntnis der Gegend wird ihr von Kollegen hoch angerechnet. Auch sonst ist Schmutz Kirgöz beliebt: Sie sei eine entschlossene, offene und freundliche Persönlichkeit mit sicherem Auftreten, die Probleme direkt angehe, heisst es aus Diplomatenkreisen.

Eine untypische Botschafterin, die «Klartext sprechen kann»

Im Libanon, wo sie seit drei Jahren die Schweizer Mission leitet, sind ihre Aufgaben facettenreich: humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Menschenrechte, Migration, Politik, Kultur – überall ist die 51-jährige Schweizerin engagiert. Ihr Arbeitstag dauert oftmals 16 Stunden. Dieser Einsatz wird in Bundesbern geschätzt: 2018 stattete der damalige Bundespräsident Alain Berset der Botschaft einen Besuch ab. Die beiden Länder haben sehr enge Beziehungen, vor dem Krieg wurde der Libanon auch «die Schweiz des Nahen Ostens» genannt. Aktuell leben 1500 Schweizer Bürgerinnen und Bürger im Land.

Schmutz Kirgöz ist aber auch sehr umgänglich. Anders als andere Botschafter ist sie nicht medienscheu. «Sie ist eine eher untypische Botschafterin, weil sie Klartext sprechen kann», sagt der Zürcher Nationalrat Fabian Molina.

Der SP-Politiker, der sich im Parlament gegen libanesische Potentatengelder auf Schweizer Bankkonten einsetzt, hat die Botschaft in Beirut vergangenen Oktober besucht. Er habe Schmutz Kirgöz als gut vernetzte und kompetente Botschafterin erlebt. «Zudem ist sie eine der wenigen Frauen in dieser männergeprägten Szene, und weiss sich durchzusetzen.» Tatsächlich sind von den 110 Missionschefs mit Botschaftertitel nur ein Viertel Frauen.

Schmutz Kirgöz sieht sich denn auch als Feministin; Frauenförderung liegt ihr am Herzen. Auch ist sie ein Beweis dafür, dass Frauen Karriere und Familie vereinen können: Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen.

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