Österreich
Schweizer Firma kassiert Millionen, während Flüchtlinge draussen schlafen

Im österreichischen Flüchtlingslager in Traiskirchen herrschen prekäre Verhältnisse. Es fehlt an fast allem, nicht einmal Betten gibt es. Für die Betreuung der Asylbewerber ist die Schweizer Firma ORS zuständig. Diese reagiert nun auf die Missstände.

Felix Burch, watson.ch
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Prekäre Situation in der österreichischen Flüchtlingsunterkunft Traiskirchen
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Zahlreiche Flüchtlinge in der österreichischen Unterkunft Traiskirchen müssen draussen schlafen
Zahlreiche Flüchtlinge in der österreichischen Unterkunft Traiskirchen müssen draussen schlafen
Zahlreiche Flüchtlinge in der österreichischen Unterkunft Traiskirchen müssen draussen schlafen
Das Flüchtlingslager, das etwa 20 Kilometer weit entfernt von Wien liegt, aus der Vogelperspektive
Zahlreiche Flüchtlinge in der österreichischen Unterkunft Traiskirchen müssen draussen schlafen
Unter den Flüchtlingen, die kein Dach über dem Kopf haben, sind auch Kinder und Frauen
Anstatt 1800 werden in Traiskirchen bis zu 4500 Menschen untergebracht

Prekäre Situation in der österreichischen Flüchtlingsunterkunft Traiskirchen

Keystone

Die Lage ist chaotisch in der Flüchtlingsunterkunft in Traiskirchen in Niederösterreich. Bis zu 4500 Menschen werden laut dem Innenministerium im Lager untergebracht. Ausgelegt ist es für 1800 Flüchtlinge.

Dies führte zu einer Intervention von Amnesty International (AI). Die Menschenrechtsorganisation war mit sechs Leuten einen Tag lang im Flüchtlingslager und berichtet von einem «strukturellen Versagen». Die Unterkunft sei völlig überbelegt, die medizinische und soziale Versorgung unzureichend. Heinz Patzelt, Generalsekretär von AI Österreich, sagte kürzlich: «Als wir vor Ort waren, mussten rund 1500 Menschen in Traiskirchen im Freien schlafen, dazu kommen noch jene, die ausserhalb des Geländes übernachten. Ein unhaltbarer Zustand.»

Die ORS verdient an Flüchtlingen Millionen

Seither hat sich laut AI im Lager selber wenig getan. «Es gibt zwar einen Aufnahmestopp, als Erfolg alleine können wir das aber noch nicht bezeichnen», sagt AI zu watson. Zudem seien jetzt zumindest weitere Ärzte auf das Gelände gelassen worden. Das war zuvor nicht der Fall.

ORS nicht das erste Mal in den Schlagzeilen

Die ORS Service AG hat ihren Sitz in Zürich. Ihre Kernkompetenz ist das Betreuen von Asylsuchenden und Flüchtlingen. Die Firma, die 1992 gegründet wurde, bezeichnet sich selber als kompetente Partnerin für Bund, Kantone und Gemeinden. Die ORS beschäftigt 450 Mitarbeiter und betreut pro Tag 4500 Asylsuchende. Die ORS geriet bereits im Jahr 2012 in die Schlagzeilen. Damals hiess es, im Asylzentrum Eigenthal bei Kriens LU herrschten Missstände. Alexandra Karle, Sprecherin von Amnesty International Schweiz, ist kritisch, was die Betreuung von Asylsuchenden durch gewinnorientierte Unternehmen wie die ORS angeht. «Wenn am Personal gespart wird, besteht die Gefahr, dass Asylsuchende nurmehr verwaltet werden und vor allem die Effizienz und Fragen der Sicherheit im Vordergrund stehen», sagt Kerle. (feb/watson.ch)

Laut verschiedenen österreichischen Medien zahlte der Staat der Firma ORS, die ihren Hauptsitz in Zürich hat, für die Betreuung von Asylbewerbern letztes Jahr 21 Millionen Euro (22.7 Millionen Franken). Insgesamt setzt der Konzern pro Jahr 70 Millionen Franken um. Wie viel ORS pro Asylbewerber – auch für solche ohne Betten – bekommt, will die Firma nicht preisgeben; man stehe mit den Auftraggebern in einem Vertragsverhältnis und könne deshalb keine Angaben machen.

«Ergreifen laufend Massnahmen»

Dass es in Traiskirchen immer noch nicht genug Betten gibt, Menschen bei 13 Grad im Freien schlafen müssen, bezeichnet AI als Katastrophe. ORS-Sprecher Della Rossa verweist darauf, dass es seit des «rasanten Anstiegs des Flüchtling-Stroms ab Mai diesen Jahres» schlicht zu wenig Räume für die Flüchtlinge gebe. Das Innenministerium habe die ORS «mit der Räumung aller nur denkbaren Zimmer, Aufenthalts- und Schulungsräume beauftragt» und trotzdem habe der Platz schon nach wenigen Wochen nicht mehr ausgereicht, um die Personen wenigstens in einem Bett mit einem Dach über dem Kopf unterzubringen.

Della Rossa meint weiter, die Einschränkung der Betreuung müsse man im Kontext mit den räumlichen Gegebenheiten sehen. Der jetzige Zustand sei eine Notsituation, trotzdem würden laufend Massnahmen wie der Schutz für Frauen bei der Benutzung von Nasszellen oder die dezentrale Ausgabe von Essen ergriffen.

Politiker reagieren

Nach dem AI-Bericht über Traiskirchen wird in Österreich über ein Durchgriffsrecht bei der Unterbringung von Asylbewerbern diskutiert. Damit würde der Bund in den Gemeinden selber Unterkünfte errichten können – auch gegen den Willen von Ländern und Gemeinden. Diese waren bisher wenig kooperationsbereit. Zudem ist eine Quote für Gemeinden in Relation zur Wohnbevölkerung vorgesehen. Das Ganze soll ab Oktober möglich sein, muss aber noch vom Parlament genehmigt werden.