Pristina

Schweizer Oberst führt Nato-Truppen im Kosovo

Wegen einem Handels- und Grenzstreit ist der Norden Kosovos seit Monaten Austragungsort von Feindseligkeiten zwischen den Kosovaren und der serbischen Minderheit. Mitten im Geschehen räumen Schweizer Soldaten serbische Strassenblockaden.

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Die Situation wird intern in der Amtssprache Englisch als «tense» und «fragile» beschrieben und ist täglichen Schwankungen unterworfen. Momentan sind 15 Strassensperren (Roadblocks) geschlossen. 50 Blockaden wurden geräumt und die Strassen wieder befahrbar gemacht. Die Schweizer Armee hat zahlreiche solche Sperren, die es zu räumen gilt, rekognosziert.

Grosse Gefahr von Vergeltungsanschläge

Die Mission, Blindgänger und Kriegsmaterial zu neutralisieren, war so gut wie beendet. Nun bekommen es die Schweizer Spezialisten mit verminten Roadblocks zu tun. Die Schweizer sind neu dem so genannten FOM zu geteilt, dem «Freedom of Movement»-Detachement, eine portugiesische Einheit mit der Aufgabe, die Bewegungsfreiheit der KFOR zu gewährleisten.

Kommandant der Minenräumer ist ein 27-jähriger Zürcher Berufsoffizier. Die Namen der FOM-Männer bleiben ungenannt und ihre Gesichter im Einsatz verdeckt. Zu gross ist die Möglichkeit von Vergeltungsschlägen.

Von portugiesischen Truppen geschützt

Die FOM stehen in einem von den Portugiesen betriebenen Camp bei Pristina, von der Truppe wegen des schlechten Essens mit dem üblichen Galgenhumor «Slim Line» genannt. Die Portugiesen übernehmen die polizeiähnliche Aufgabe, die Schweizer im Einsatz zu schützen.

Sie halten, nötigenfalls mit Gummischrot und Tränengas, eine «Sicherheitsblase» von 250 Metern Umkreis frei, in der die vier Schweizer Sprengstoff-Spezialisten, ihr Sanitäter sowie die Schweizer Pioniere und Fahrer von schweren Baumaschinen, die letztlich die Sperre abtragen, wirken können.

Nicht immer kommt es zu Gewalt. Vergangene Woche konnte eine Barrikade in Kooperation mit den Serben entfernt werden, ein Erfolg der Unterhändler. An den Roadblock in Zupce hingegen, wo es zu Kampfhandlungen kam, kommen die Sprengstoff-Spezialisten nicht heran, da die Sperre mitten im Dorf liegt und die Nachbarhäuser nicht im Radius von 250 Metern geräumt werden können.

Durchorganisierte Blockierer

Obwohl auf serbischer Seite noch zahlreiches Kriegsmaterial vermutet wird, konnten Roadblocks mit Verdacht auf Minen die Schweizer bisher nicht überraschen. «Überrascht sind wir einzig, wie schnell und durchorganisiert die Serben die Roadblocks errichten und auch betonieren», sagt der Schweizer Kommandant.

So suchen sich die Serben die Stellen überlegt aus, etwa auf Brücken, von denen sie wissen, dass schweres Gerät wegen der Traglast nicht verwendet werden kann. Die Serben beobachten jede Bewegung der Schweizer, observieren auch «Slim Line», um kurzfristig die Barrikaden zu besetzen. Sie nutzen dazu selbst neue Medien wie Twitter.