Fall Khashoggi
Schwere Vorwürfe: Wollte Saudi-Regierung weiteren Kritiker in Botschaft zum Verschwinden bringen?

Nach dem Verschwinden und möglichen Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi erhebt ein anderer Dissident schwere Anschuldigungen gegen das Königreich. Man habe ihn ebenfalls in eine Botschaft locken wollen, sagt Prinz Chalid bin Farhan al-Saud.

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Im saudischen Konsulat in Istanbul soll der Journalist Jamal Khashoggi verschwunden sein.

Im saudischen Konsulat in Istanbul soll der Journalist Jamal Khashoggi verschwunden sein.

Emrah Gurel

Gravierende Vorwürfe: Der in Deutschland lebende Prinz Chalid bin Farhan al-Saud sagte der Deutschen Presse-Agentur, Vertreter der Regierung des Landes hätten ihn erst vor wenigen Wochen in eine Falle locken wollen, um ihn nach Saudi-Arabien zu verschleppen.

"Ein paar Tage vor dem Verschwinden Khashoggis haben sie mit einem Verwandten von mir in Kairo gesprochen und ihm einen Scheck gezeigt." Dem Verwandten sagten sie demnach, sie wollten dem Prinzen wegen seiner angeblichen finanziellen Probleme helfen. "Ich müsste den Scheck nur in der saudischen Botschaft in Ägypten abholen."

Wenn er dem Ruf gefolgt wäre, so ist sich Prinz Chalid sicher, wäre er genauso verschwunden wie Kritiker Khashoggi. Anfragen an die saudischen Behörden zu den Vorwürfen blieben unbeantwortet.

Der Staatsschutz in Düsseldorf bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass er wegen der generellen Bedrohungslage seit Jahren in Kontakt mit Prinz Chalid und dessen Familie stehe. Auch das Bundeskriminalamt ist demnach mit der Sache befasst. Nach dpa-Informationen hatte Saudi-Arabien die deutschen Behörden vergangenes Jahr in dem Fall ersucht, um Möglichkeiten für eine Auslieferung des Mannes auszuloten. Die Anfrage blieb von deutscher Seite unbeantwortet.

Der jetzt vermisste Dschamal Chaschukdschi schrieb in der "Washington Post" unter der englischen Schreibweise seines Namens Jamal Khashoggi. Er war am 2. Oktober bei einem Besuch im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul verschwunden. Die türkische Polizei geht davon aus, dass Chaschukdschi in der Auslandsvertretung ermordet wurde.

Jamal Khashoggi: Laut der "Washington Post" existieren Ton- und Videoaufnahmen von der Tötung des saudischischen Journalisten und Bloggers.
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Die Aufnahmen sollen belegen, dass Regime-Kritiker Khashoggi im saudischen Konsulat ermordet wurde.
Khashoggi wurde zum letzten Mal beim Betreten des Generalkonsulats von Saudi-Arabien in Istanbul gesehen. (Archivbild)
Khashoggi wurde gemäss Quellen, auf die sich der Bericht beruft, erst verhört, dann gefoltert und schliesslich getötet. Mehreren Offiziellen zufolge sei seine Leiche zerstückelt worden.
Nach Informationen der Zeitung scheut die türkische Seite eine Veröffentlichung der Aufnahmen, um nicht zu offenbaren, wie Einrichtungen ausländischer Staaten in der Türkei ausspioniert werden.
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammad bin Salman gerät wegen des Verschwindens immer mehr unter Druck.
Saudi-Arabien hat den Tod Khashoggis am 20. Oktober eingeräumt. Allerdings soll es sich nicht um eine gezielte Tötung gehandelt und der Kronprinz nichts damit zu tun haben.

Jamal Khashoggi: Laut der "Washington Post" existieren Ton- und Videoaufnahmen von der Tötung des saudischischen Journalisten und Bloggers.

Hasan Jamali