Seit Ayatollah Chomeini sind die USA «der Satan Amerika»

Warum sind sich die USA und der Iran so spinnefeind? Der Hauptgrund ist sicher, dass die Sympathien der USA bei den sunnitischen Öl-Scheichtümern am Persischen Golf liegen. Aber die Aversion hat auch historische Gründe.

Christoph Bopp
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Teheran 1979: "Studenten" führen den Zuschauern vor der US-Botschaft eine der 52 ameikanischen Geiseln vor.

Teheran 1979: "Studenten" führen den Zuschauern vor der US-Botschaft eine der 52 ameikanischen Geiseln vor.

Keystone

Der Iran war seit 1909 , als die APOC (Anglo Persian Oil Company, später in Anglo Iranian Oil Company, AIOC, umbenannt) ein britisches «Ölland». Aber er war nie eine britische Kolonie. 1941 marschieren britische und sowjetische Truppen ein. Der Iran wurde wichtig, um im Zuge des Leih- und Pachtgesetzes die Sowjetunion mit Waffen beliefern zu können. Stalin weigerte sich 1946 vorerst, seine Truppen aus dem Iran abzuziehen, lenkte dann aber ein (Iran-Krise, Kalter Krieg).

7. Januar 1952: Mohammed Mossadegh: Man of the Year.

7. Januar 1952: Mohammed Mossadegh: Man of the Year.

TIME Magazine

51 Prozent der Einnahmen der AIOC gingen nach dem Zweiten Weltkrieg an die Briten. Das war selbst in imperialen Zeiten ungewöhnlich. 1951 löste das iranische Parlament den Vertrag mit der AIOC auf und «nationalisierte» das Öl. Die Amerikaner fanden das vorerst nicht unsympathisch, sie hatten ein Interesse am Prosperieren des Iran, damit er nicht kommunistisch würde. Premierminister Mossadegh war noch 1952 «Man of the Year» auf dem Cover des «Time Magazine».

Das änderte sich 1953. Jetzt war Eisenhower Präsident und der Iran musste «stabilisiert» werden. Die britischen und amerikanischen Geheimdienste stürzten Mossadegh im August 1953 («Operation Ajax»). Der Schah war kurzzeitig nach Bagdad geflohen, kehrte dann aber wieder zurück. Mit Hilfe der Amerikaner sollte er 25 Jahre lang über den Iran herrschen.

Ruholla Chomeini als junger Mann.

Ruholla Chomeini als junger Mann.

Wikipedia

Zu Beginn der 1960er-Jahre versuchte er das Land zu modernisieren («Weisse Revolution»). Die Wirtschaft wuchs, die Ungleichheit aber auch. Der Schah regierte mit harter Hand. Ein junger iranischer Geistlicher, Ruhollah Chomeini, agitierte gegen das Schah-Regime. Er wurde 1964 abgeschoben.

1978 wurde die Zeit reif für die «Iranische Revolution». Ein Generalstreik im November 1978 machte klar, dass das Regime nicht mehr zu halten war. Am 16. Januar 1979 verliess der krebskranke Schah das Land, US-Präsident Carter hatte ihn fallengelassen. Am 1. Februar landet Chomeini in Teheran, am 1. April 1979 ruft er die Islamische Republik aus. Seit dem 22. Oktober 1979 ist der Schah in New York. Am 4. November 1979 besetzen islamistische «Studenten» die US-Botschaft in Teheran und nehmen 52 Amerikaner als Geiseln. Der Schah soll ausgeliefert werden. Chomeini spricht vom «Satan Amerika». Die Amerikaner sind machtlos. Im April 1980 wird ein Befreiungsversuch zum Fiasko («Operation Adlerkralle»).

Muhammed Reza Pahlavi, Schah von Persien.

Muhammed Reza Pahlavi, Schah von Persien.

Wikipedia

Am 27. Juni 1980 stirbt der Schah in Ägypten. Die Geiseln kommen aber noch nicht frei. Die Situation wird unübersichtlich. Ende 1979 waren die Sowjets in Afghanistan einmarschiert. Am 22. September 1980 greift der Irak unter Saddam Hussein den Iran an. Die Amerikaner unterstützen ihn.

Nach 444 Tagen, am 20. Januar 1981, am Tag des Amtsantritts von Präsident Reagan, werden die Geiseln ausgeflogen. Die Geiselnahme von Teheran war ein amerikanisches Trauma und ist eins geblieben. Die militärische Supermacht ist machtlos gegenüber einer Handvoll islamistischer Studenten. Präsident Trump hat nicht zufällig angekündigt, man hätte 52 Angriffsziele im Iran definiert.