Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Seit Wochen verschwunden: Norwegische Millionärsfrau aus Bad entführt

Norwegen ist durch einen rätselhaften Entführungsfall aufgeschreckt worden: Seit zehn Wochen fehlt von einer der wohlhabendsten Frauen des Landes jede Spur. Nun geht unter reichen Bürgern die Angst um.
Niels Anner, Kopenhagen
Norwegische Medien berichten vor dem Wohnsitz der Entführten nahe der Hauptstadt Oslo. Bild: Ole Berg-Rusten/EPA (Fjellhamar, 9. Januar 2019)

Norwegische Medien berichten vor dem Wohnsitz der Entführten nahe der Hauptstadt Oslo. Bild: Ole Berg-Rusten/EPA (Fjellhamar, 9. Januar 2019)

Zehn Wochen lang wusste niemand etwas über das Schicksal von Anne-Elisabeth Hagen. Sie war seit dem 31. Oktober aus ihrer Villa östlich von Oslo verschwunden. Doch das machte die norwegische Polizei erst diese Woche in einem überraschenden Schritt publik, denn die Veröffentlichung des Falles könnte das Leben der 68-Jährigen in Gefahr bringen. Von der Gattin eines der reichsten Norwegers fehlt jede Spur; sie ist vermutlich in den Händen von Entführern. Diese fordern Lösegeld von umgerechnet 10 Millionen Franken, die in der Kryptowährung Monero überwiesen werden sollen. Solche Transaktionen lassen sich nicht nachverfolgen.

Auf Anraten der Ermittlungsbehörden hat Hagens Familie bisher nichts bezahlt. Es gibt keinerlei Lebenszeichen von ihr, und die Polizei hat offenbar kaum Anhaltspunkte, wo oder von wem sie festgehalten werden könnte. Die nur sehr eingeschränkt mögliche Kommunikation mit den Entführern geschieht über einen anonymisierten digitalen Kanal. Nach dem Schritt an die Öffentlichkeit sind bisher mehr als 500 Hinweise eingegangen, wie die Polizei gestern mitteilte. Über die Art der Hinweise schweigen sich die Ermittler aus, doch Polizeisprecher Tommy Bröske sagte, einige beträfen mögliche Orte, an denen Hagen versteckt sein könnte.

Verdacht auf ausländische, gut organisierte Täter

Die Polizei hatte lange im Geheimen ermittelt und dabei auch Unterstützung von Medien erhalten. Die Zeitung «Aftenposten» hatte einen Tipp über eine Entführung erhalten, doch die Redaktion entschied aus «ethischen Überlegungen», mit der Story abzuwarten, um die Entführte nicht weiter zu gefährden. In den letzten Tagen hat die Polizei die Strategie jedoch geändert und auch Nachbarn im Villenquartier sowie Handwerker befragt, die im Oktober am Haus der Hagens ­tätig waren. Zudem hat sie Videosequenzen veröffentlicht, auf denen aus grosser Distanz zwei Personen zu sehen sind, die möglicherweise die Firma von Tom Hagen ausspionieren. Diese liegt nur vier Kilometer von der Villa des Ehepaars Hagen entfernt, wo die beiden ein unauffälliges Leben führten. Tom Hagen ist Immobilienhändler und Investor; er hat in den letzten Jahren im Stromhandel ein Millionenvermögen erwirtschaftet.

Er fand Ende Oktober sein Haus leer vor; es wies keine ­Einbruchsspuren auf, doch laut Medienberichten soll sich Anne-Elisabeth Hagen im Badezimmer aufgehalten haben, als sie entführt wurde. Ihr Mann entdeckte mehrere ausgedruckte Seiten mit Geldforderungen und Drohungen gegen das Leben seiner Gattin. Laut dem TV-Sender NRK soll der Text in einer Mischung aus «gebrochenem Norwegisch, Osteuropäisch und Google translate» verfasst sein.

Reiche wenden sich an Sicherheitsfirmen

Die Polizei will sich dazu nicht äussern, doch für Ivar Fahsing, Forscher an der norwegischen Polizeihochschule, ist klar, dass alles auf ausländische, gut organisierte Täter hindeute. «So etwas macht man nicht nur einmal», sagte Fahsing gegenüber NRK. Die Polizei hat erklärt, sie arbeite mit Europol und Interpol zusammen. Der rätselhafte Fall sorgt nun dafür, dass sich unter Wohlhabenden im reichen Erdölland Norwegen Angst ausbreitet. Regionale Polizeistellen ­haben den Auftrag erhalten, eine Liste möglicherweise gefährdeter Personen zu erstellen und allenfalls mit diesen Kontakt aufzunehmen. Bei Sicherheitsfirmen, aber auch der Organisation «Sicherheit im Wirtschaftsleben» sind zuletzt eine Vielzahl von Anfragen eingegangen. «Leute mit viel Geld und exponierter Stellung wenden sich an uns», sagte Direktor Jack Fischer Eriksen.

Einige hätten Drohungen erlebt und fragten sich nun, wie sie darauf reagieren sollen. Eriksen rät zu einer Situationsanalyse, was oder wer gefährdet sein könnte. Danach sei über Massnahmen zur Reduktion des Risikos nachzudenken, sei das nun Personenschutz, Sicherung von Türen und Fenstern oder weniger Aktivitäten auf Facebook.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.