Russland
Selbstmordanschlag auf Bus in Wolgograd fordert vierzehn Tote

Beim Anschlag auf einen Linienbus in Wolgograd wurden am Montag vierzehn Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich im Innern des Busses in die Luft. Erst am Sonntag kam es zu einem Anschlag mit 17 Toten.

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Nach ersten Informationen wurden zehn Menschen wurden beim Attentat getötet. Quelle: Twitter

Nach ersten Informationen wurden zehn Menschen wurden beim Attentat getötet. Quelle: Twitter

Der erneute Anschlag in einem Bus in der südwestrussischen Stadt Wolgograd ist nach Angaben der russischen Ermittler das Werk eines Selbstmordattentäters. Die sterblichen Überreste des Mannes seien am Anschlagsort entdeckt worden, teilte die Ermittlungsbehörde des Landes am Montag mit.

Demnach gibt es ausserdem Anhaltspunkte dafür, dass der Anschlag vom Montagmorgen sowie das Attentat vom Sonntag miteinander in Verbindung stehen. Nach Angaben des Nationalen Anti-Terror-Komitees erhöhte Präsident Wladimir Putin landesweit die Sicherheitsvorkehrungen.

Die Wucht der Explosion war gewaltig.
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Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben.
Weitere 19 Personen wurden teils schwerverletzt.
Polizisten suchen die Umgebung mit Spürhunden ab.

Die Wucht der Explosion war gewaltig.

Keystone

Die Zahl der Todesopfer bei dem Anschlag vom Montag stieg unterdessen auf mindestens 14. Zudem wurden 28 Menschen verletzt, wie der Sprecher des Gesundheitsministerium dem Staatsfernsehen sagte.

Erst am Sonntag hatte sich eine Person am Eingang eines Bahnhofs in Wolgograd in die Luft gesprengt. Dabei wurden nach jüngsten Angaben 17 Menschen getötet. Wolgograd liegt rund 700 Kilometer von Sotschi entfernt, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden.

Putin: Nicht ungesühnt bleiben

Kremlchef Wladimir Putin beauftragte den Inlandsgeheimdienst FSB, sich in die Ermittlungen einzuschalten. Der Präsident habe sich dazu mit FSB-Chef Alexander Bortnikow beraten, teilte der Kreml mit. Putin traf sich auch mit Regierungschef Dmitri Medwedew. Beide Politiker bekräftigten, dass die Terrorakte nicht ungesühnt bleiben dürften.

Zu beiden Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Sie ähnelten aber einem Anschlag im Oktober. Damals hatte sich eine Selbstmordattentäterin aus der russischen Kaukasusrepublik Dagestan in einem Linienbus in Wolgograd - dem früheren Stalingrad - in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen.
Anschläge wegen Olympischen Spielen

Wolgograd liegt in der Nähe der Nordkaukasus-Region und rund 700 Kilometer von Sotschi entfernt, wo im Februar die Olympischen Winterspiele stattfinden. Islamistische Rebellen wollen im Nordkaukasus einen islamistischen Staat errichten.

Ihr Anführer Doku Umarow hatte im Juli in einem Video zu Anschlägen aufgerufen, um die Ausrichtung der Olympischen Spiele "mit allen Mitteln" zu verhindern.

Wolgograd: Industriemetropole und «Heldenstadt»

Die südrussische Stadt Wolgograd ist eine wichtige Industriemetropole und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt am Unterlauf der Wolga. Mit mehr als einer Million Einwohner zählt sie zu den 15 grössten Städten des Riesenreichs. Im Zweiten Weltkrieg war Stalingrad, wie die Stadt bis 1961 hiess, völlig zerstört worden.

Heute erinnert nur noch die Ruine der einst von einem Deutschen gebauten Mühle an die Verwüstungen in der "Heldenstadt". Nach dem Krieg bauten Architekten das Zentrum im neoklassizistischen Stil wieder auf. Zentraler Gedenkort ist der Mamajew-Hügel, den eine 87 Meter hohe Figur der Mutter Heimat mit erhobenem Schwert überragt.

Mehr als 70 Kilometer zieht sich Wolgograd in einem schmalen Streifen am Fluss entlang. Die Sandstrände sind für die Bewohner ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings ist Wolgograd, das etwa 1000 Kilometer südlich von Moskau liegt, im Gegensatz zu vielen anderen russischen Grossstädten kein Ziel des Massentourismus.