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Serben verweigern Gespräch mit Kosovo

Der serbische Präsident Aleksander Vucic lehnt es ab, sich beim Treffen mit seinem kosovarischen Amtskollegen Hashim Taci in Brüssel an einen Tisch zu setzen. Das nächste Treffen wurde bereits angesetzt.
Remo Hess, Brüssel
Kosovos President Hashim Thaci gestern in Brüssel.Bild: Stephanie Lecocq/EPA (Brüssel, 7. September 2018)

Kosovos President Hashim Thaci gestern in Brüssel.
Bild: Stephanie Lecocq/EPA (Brüssel, 7. September 2018)

Nein, die beiden können sich wirklich nicht ausstehen. Die Rede ist von Serbiens Präsident Aleksander Vucic und seinem kosovarischen Amtskollegen Hashim Taci. Zuletzt wurde dies beim Europäischen Forum im tirolischen Alpbach vor knapp zwei Wochen klar: «Mag er mich? Nein. Ich mag ihn überhaupt nicht. Aber wir müssen miteinander reden», so Thaci.

Gestern nun schafften die Staatsoberhäupter beim ihrem Treffen in Brüssel nicht einmal das. Eigentlich wäre die Zusammenkunft unter Vermittlung der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini dazu gedacht gewesen, Möglichkeiten für einen Gebietstausch auszuloten. Dieser sollte als Grundlage für ein weitreichendes Normalisierungsabkommen zwischen den beiden Ländern dienen. Aber bald schon wurde klar, dass daraus zumindest an diesem Tag nichts werden würde. Vucic werde nicht mit Thaci reden, teilte Marko Duric, Chef des serbischen Regierungsbüros für den Kosovo kurzfristig mit. Die Gründe dafür seien die «Täuschungen, Drohungen und Lügen durch die Kosovo-Albaner», so Duric.

Gebietstausch ist höchst umstritten

Was er damit meinte, war auf Anhieb nicht ganz klar. Wahrscheinlich geht es um eine für das Wochenende geplante Reise von Vucic in den mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Nordkosovo. Der kosovarische Aussenminister Behgjet Pacolli hatte Vucic dafür «Konsequenzen» in Aussicht gestellt. Der Präsident des kosovarischen Parlaments Kadri Veseli drohte sogar mit Verhaftung.

Die Reaktionen zeigen, wie sehr Vucic und Thaci innenpolitisch unter Druck stehen. Der angedachte Tausch des serbisch geprägten Gebiets im Nordkosovo um die Stadt Mitrovica, im Gegenzug für das mehrheitlich von Albanern bewohnte Presovo-Tal in Südserbien, ist in beiden Ländern höchst umstritten. Und auch etliche Balkanexperten befürchten, eine Verschiebung der Grenzen entlang ethnischer Linien könnte das Pulverfass Balkan erneut zum Explodieren bringen. Es könnte ein Präzedenzfall für ähnliche Forderungen in Bosnien oder Kroatien geschaffen und damit die Gefahr eines Auflebens der blutigen Konflikte nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens in den 1990er-Jahren befeuert werden. Grenzverschiebungen auf dem Balkan waren in den vergangenen Jahren denn auch ein Tabu. Das hat sich aber geändert, seit die USA unter Trumps neuem Sicherheitsberater John Bolton eine Kehrtwende vollzogen hat.

Wenn Serben und Kosovo-Albaner einverstanden wären, «schliessen wir territoriale Anpassung nicht aus», so Bolton kürzlich. Und auch die EU-Kommission mit Erweiterungskommissar Johannes Hahn und Aussenbeauftragter Mogherini gaben sich offen für eine Neuregelung. Dagegen machten Bundeskanzlerin Angela Merkel und verschiedene weitere EU-Länder klar, dass sie die Grenzen im Kosovo als «unantastbar» betrachten. Was genau Aleksander Vucic gestern in Brüssel dazu veranlasste, die Gespräche platzen zu lassen, ist schliesslich schwer zu sagen. Ob es der innenpolitische Druck oder die Ahnung ist, dass die internationale Unterstützung für einen Gebietstausch doch zu klein ist, bleibt unklar.

Ohnehin wird angezweifelt, ob die beiden Staatschefs an der Normalisierung der Beziehungen ihrer Länder wirklich interessiert sind, oder ob es nur darum geht, ein positives Klima für die EU-Beitrittsverhandlungen aufrechtzuerhalten. EU-Aussenbeauftragte Mogherini jedenfalls kündigte an, noch im September den Dialog fortsetzen zu wollen, um «eine rechtlich bindende Vereinbarung» zu erzielen.

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