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SERVICE PUBLIC: Britische Hassliebe auf die BBC

Frontalangriffe auf das öffentlich-rechtliche System hat es auch in Grossbritannien gegeben. Dort ist gebührenfinanzierter Journalismus vor allem konservativen Verlagen ein Dorn im Auge.
Der Hauptsitz der BBC in London. (Bild: Will Oliver/Keystone (London, 30. Januar 2017))

Der Hauptsitz der BBC in London. (Bild: Will Oliver/Keystone (London, 30. Januar 2017))

Rund 125 000 Stimmen kamen zusammen, als eine Online-­Petition im Mai des vergangenen ­Jahres die Abschaffung der TV- und Radio-Lizenzgebühr forderte. Diese Gelder gehen in Grossbritannien vor allem an die BBC. Das Resultat der folgenden Debatte im Unterhaus war eindeutig: Die BBC bleibt, wie sie ist. «Das Lizenzmodell findet in der Bevölkerung breitere Unterstützung als jede andere Finanzierungslösung», hiess es.

Tatsächlich geniesst die BBC den Status eines nationalen Denkmals, das Politiker mit Samthandschuhen anfassen. Die grössere Bedrohung kommt von einflussreichen konservativen Verlagen wie der Telegraph Media Group, Herausgeberin des «Daily Telegraph». Die Zeitung führte 2014 eine Umfrage durch und kam zu dem Schluss, dass sich eine Mehrheit ihrer Leser für die Abschaffung einer öffentlich-rechtlichen BBC ausspreche. «Die BBC soll sich mit Werbeeinnahmen ­finanzieren statt Steuern zu er­heben», schrieb das Blatt. 51 Prozent seien für die Abschaffung. Liberalere Medien interpretierten dieses Ergebnis als Beleg dafür, dass eine Umfrage in der Regel die Erwartungshaltung des Auftraggebers bestätigt.

Murdoch-Imperium gegen die BBC

Ein Frontalangriff auf den Service public kam auch von James ­Murdoch, Sohn des britischen Medienmoguls Rupert Murdoch. In einer viel beachteten Rede vor Fachpublikum liess Murdoch kein gutes Haar am «Tantchen», wie die BBC im Volksmund genannt wird. Er sprach von einem «vom Staat gesponserten Journalismus», dessen «Ausbreitung für die Vielfalt und Unabhängigkeit der Nachrichtenberichterstattung eine echte Bedrohung» sei. Die Rede war freilich Teil von Murdochs Vorhaben, sich ein grösseres Stück vom lukrativen britischen Fernsehmarkt abzuschneiden. Entsprechend schnell wurde sie als strategischer Zug eines kommerziellen Unternehmens entlarvt.

Konservative Medien schiessen seit Jahren mit grossem Geschütz auf den Service public: Blätter wie die «Daily Mail» oder Murdochs «The Sun» kritisieren den «aufgeblasenen Staatssender» regelmässig. «Die BBC inmitten eines Brexit-Sturmes», lautete eine «Daily Mail»-Schlagzeile kurz vor dem Brexit-Referendum. Der Artikel warf der BBC vor, heimlich Stellung für einen Verbleib zu beziehen und die Zukunft Grossbritanniens nach einem EU-Austritt als allzu pessimistisch darzustellen.

Gebühren dem Teuerungsanstieg nicht angepasst

Wirklich düster wurde es für die BBC, als die Tory-Regierung vor drei Jahren die Lizenzgebühr für ein halbes Jahrzehnt einfror, statt wie üblich dem Teuerungsanstieg anzupassen. Dem Service public gehen dadurch umgerechnet 400 Millionen Schweizer Franken pro Jahr durch die Lappen, was zu drastischen Kürzungen und hitzigen Diskussionen führte. Der ­damalige Medienminister John Whittingdale verknüpfte die Ankündigung einer Gebühreneinfrierung an BBC-kritische Töne.

Der Sturm hat sich inzwischen gelegt. Theresa Mays Regierung stimmte kürzlich sogar einer Anhebung der Lizenzgebühr von umgerechnet 2.60 Franken pro Monat zu. Stimmen für eine ­Abschaffung sind nahezu verstummt, wobei das öffentliche Interesse an der Art und Weise, wie die BBC ihre Gelder verteilt, bestehen bleibt. Derzeit ist die BBC damit beschäftigt, unbe­queme Schlagzeilen im Zusammenhang mit der Einkommenskluft zwischen männlichen und weiblichen BBC-Stars in den Griff zu bekommen.

Gabriel Felder, London

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