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SEXISMUS: Spaniens Frauen haben genug

Die spanischen Frauen rebellieren gegen den immer noch verbreiteten Sexismus im Land. Am 8. März, dem Weltfrauentag, rufen Gewerkschaften und Frauenorganisationen deshalb zum Streik auf.
Ralph Schulze, Madrid
Symbolbild. (Bild: Maria Schmid (Luzern, 14. Juni 2011))

Symbolbild. (Bild: Maria Schmid (Luzern, 14. Juni 2011))

Ralph Schulze, Madrid

Spaniens Frauen haben die Nase voll: «Keine Lohndiskriminierung, nur weil wir Frauen sind!» Und: «Schluss mit der Geringschätzung und der sexuellen Belästigung im Arbeitsleben», heisst es weiter im Manifest, mit dem 300 Organisationen die Spanierinnen zum Streik aufrufen. Und zwar am kommenden 8. März, also dem von der UNO ausgerufenen internationalen Frauentag. Ein Streik der Frauen – das hat es im Königreich der Machos und Stierkämpfer bisher noch nicht gegeben.

«Wenn wir aufhören zu arbeiten, dann steht die Welt still», lautet einer der Leitsprüche dieses Streiktages. «Es handelt sich um einen allgemeinen Protest gegen den Machismus, der sich in allen Bereichen der Gesellschaft widerspiegelt», sagt Justa Montero vom Organisations­komitee Comisión 8M.

Frauen verdienen 23 Prozent weniger

Nicht nur Arbeiterinnen in Büros, Fabriken und Unternehmen sollen in den Ausstand treten. Auch Hausfrauen sind angehalten, ihren männlichen Partnern die rote Karte zu zeigen und die Schürze für 24 Stunden an den Haken zu hängen. Gerade die Arbeit vieler Frauen, die sich um Familie, Haushalt und Kinder kümmern, werde nicht anerkannt, klagt Montero. Nicht wenige Frauen müssten zudem eine «doppelte Schicht» einlegen: Erst am Arbeitsplatz und dann zu Hause, wo viele Männer immer noch die Füsse hochlegten.

Nach Angaben des spanischen Statistikinstituts INE kommen die Männer in Spanien auf ein mittleres Brutto-Jahreseinkommen von knapp 26000 Euro, Frauen erhalten im Schnitt etwa 20000 Euro – 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. «Auch deswegen müssen wir streiken», heisst es im Protest-Manifest. «Wir akzeptieren nicht, bei gleicher Arbeit schlechter als die Männer bezahlt zu werden.»

Spaniens Gewerkschaften unterstützen diesen ungewöhnlichen Streiktag, an dem mit grossen Strassenkundgebungen gerechnet wird. «Wir müssen diese unerträgliche Lage der Frauen sichtbar machen und anklagen», sagt Pepe Álvarez, Boss der zweitgrössten spanischen Arbeitnehmervertretung UGT. Die Gewerkschaften fordern schon länger, Lohndiskriminierung per Gesetz zu verbieten.

Alltäglicher Sexismus sorgt für Debatten

Der Ausstand wird auch von prominenten Frauen unterstützt. Zum Beispiel von Ana Pastor, Susanna Griso, Ana Rosa Quintana, Soledad Gallego Díaz oder Lucía Méndez. Durchwegs erfolgreiche Journalistinnen, die einen eigenen Protestaufruf der weiblichen Arbeitskräfte der Medienwelt unterschrieben. In diesem öffentlichen Brief klagen mehr als 5000 Medienfrauen: «Wir alle leiden unter demselben Machismus wie die Frauen anderer Branchen.» Schlechtere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, geringere Aufstiegschancen und sexuelle Belästigung seien weit verbreitet.

Vor allem der alltägliche Sexismus vieler spanischer Männer sorgt neuerdings in Spanien für heftige Debatten. Anzüglichkeiten gegenüber Frauen auf der Strasse wie am Arbeitsplatz wurden lange Zeit gesellschaftlich toleriert. Doch damit scheint nun langsam Schluss zu sein.

So startete zum Beispiel die Regionalregierung in der südspanischen Region Andalusien eine öffentliche Erziehungskampagne, die sich an die Männerwelt richtet und im ganzen Land für Zündstoff sorgte. Das Motto: «Sei kein Tier.» Verhüllte oder offene obszöne Kommentare gegenüber Frauen seien unerwünscht, lautet die klare Botschaft.

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