SICHERHEIT: Der Intellektuelle in Uniform

H. R. McMaster wird höchster militärischer Berater von US-Präsident Donald Trump. Wer aber ist der General, der grosse Vorschusslorbeeren erhält?

Renzo Ruf,washington
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Herbert Raymond McMaster, der neue Nationale Sicherheitsberater in Donald Trumps Team. (Bild: Susan Walsh/AP)

Herbert Raymond McMaster, der neue Nationale Sicherheitsberater in Donald Trumps Team. (Bild: Susan Walsh/AP)

Wie eine Integrationsfigur sieht H. R. McMaster nicht aus. Und doch ist der Drei-Sterne-General, der von US-Präsident Donald Trump zum neuen Nationalen Sicherheitsberater ernannt worden ist, einer der wenigen, deren Arbeit in Washington von Links bis Rechts gelobt wird. Zu seinen Anhängern gehören pensionierte Schreibtisch-Krieger wie Ex- Vizepräsident Dick Cheney (McMaster sei «umsichtig» und «überzeugend»), aufmüpfige Demokraten wie der Abgeordnete Adam Schiff («solid», «gescheit» und «ein Stratege») sowie konservative Kritiker des Weissen Hauses wie Senator John McCain («ein Mann mit authentischem Intellekt, Charakter und Fähigkeiten»).

Diese Lorbeeren erwarb sich McMaster, weil er zu jenen Führungsfiguren in den Streitkräften gehört, die nötigenfalls querdenken und Anweisungen von Vorgesetzten in Frage stellen. Den Tatbeweis erbrachte der kantige Mann während des Irak-Krieges. Als sich die Sicherheitslage nach der US-Invasion verschlechterte und der Widerstand gegen die Besetzung täglich Opfer forderte, war McMaster einer der ersten, die sich auf die neue Herausforderung einstellten. Er war auch einer der wenigen, die offen über die Fehler sprachen, welche die US-Armee begangen hatte: «Als wir hierherkamen, waren wir wie ein blinder Mann, der versucht, das Richtige zu tun, aber eine Menge Dinge kaputtmacht.» Amerika habe es vermasselt, das Vertrauen der irakischen Bevölkerung zu gewinnen. «Du kannst nicht einfach hereinkommen und sprechen. Zuerst musst du den Menschen zuhören.»

Diese Lektion lernte McMaster während seines Geschichtsstudiums an der Universität von North Carolina. In seiner Dissertation kritisierte er in scharfen Worten die Rolle, die der Vereinigte Generalstab der US-Streitkräfte während des Vietnam-Krieges gespielt hatte – weil das Gremium nicht rechtzeitig die Notbremse zog, als klar wurde, dass Präsident Lyndon B. Johnson politische Spielchen militärischer Strategie vorzog. «Der Krieg in Vietnam wurde nicht im Feld verloren, sondern in der amerikanischen Hauptstadt», schrieb McMaster.

Der 54-Jährige scheint sich vorgenommen zu haben, solche Fehler nicht zu wiederholen. Er wird nun beweisen müssen, dass er auch im bürokratischen Kleinkrieg gewandt ist und Trump nötigenfalls bittere Wahrheiten überbringen kann. Seinen direkten Draht zu den Streitkräften jedenfalls will er nicht verlieren: McMaster hat bereits angekündigt, dass er nicht in den Ruhestand treten und weiterhin Uniform tragen werde.