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Flugbegleiterin bietet Trump die Stirn: Sie ist die «neue Vision» der amerikanischen Gewerkschaften

Die Flugbegleiterin Sara Nelson (45) verkörpert die Zukunft der amerikanischen Arbeiterbewegung – weil es ihr gelingt, immer wieder im Gespräch zu bleiben.
Renzo Ruf, Washington
Sara Nelson, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, während einer Konferenz. (Bild: Andrew Bloomberg, Washington, 4. Mai 2017)

Sara Nelson, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, während einer Konferenz. (Bild: Andrew Bloomberg, Washington, 4. Mai 2017)

Auf dem Papier ist Sara Nelson eine ganz normale Angestellte von United Airlines. Und mindestens einmal pro Jahr arbeitet die zertifizierte Flugbegleiterin auch noch in ihrem angestammten Job. Doch die Mittvierzigerin ist bei ihrer eigentlichen Berufung, als Vertreterin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, viel zu beschäftigt, um regelmässig Passagiere an Bord eines Fluges zu betreuen. Denn Nelson amtiert seit 2015 als Präsidentin der Association of Flight Attendants-CWA (AFA-CWA) und verkörpert mit ihrem Aktivismus die Zukunft der amerikanischen Arbeitnehmerverbände im privaten Sektor. Und weil sie gut vernetzt ist, hat ihr Wort Gewicht. So forderte Nelson am Sonntag die Bundesluftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) dazu auf, nach dem Absturz einer Maschine des Typus Boeing 737 MAX 8 in Äthiopien, eine grundlegende Untersuchung möglicher systemischer Probleme des neuen Flugzeugs in Angriff zu nehmen.

Nelson stellt sich auf den Standpunkt, dass den amerikanischen Gewerkschaften eine Renaissance bevorstehe – weil insbesondere junge Arbeitnehmer nach Jahren der Lohnstagnation und der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen die Nase voll hätten. In der Tat ist aktuellen Meinungsumfragen zu entnehmen, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Generation Z, die ungefähr im Zeitraum von 1997 bis 2012 geboren wurde, das Wort Sozialismus positiver bewerten als das Wort Kapitalismus. Junge Menschen, sagte Nelson kürzlich im Gespräch mit einer Journalistin der «New York Times», sähen mit eigenen Augen, dass die alte Weltordnung zerfalle. Und nun stellten sie sich die Frage: «Was bist du bereit zu tun, um für etwas zu kämpfen, das dir wichtig ist?»

Nelson ist der Meinung, dass der Shutdown – die Teil-Schliessung der US-Bundesregierung im Dezember und Januar – einen Vorgeschmack auf diesen neuen Aktionismus gibt. Sie räumt zwar ein, dass die Antwort der Arbeitnehmer auf die Quasi-Kriegserklärung durch Präsident Donald Trump anfänglich recht zahm ausgefallen sei. Ihre Gewerkschaft habe aber von Beginn weg, in zunehmend alarmistischen Worten, von den Folgen des Shutdowns auf den amerikanischen Flugbetrieb gewarnt. Und sie ist noch heute der Meinung, dass die Ereignisse vom 25. Januar – als der Flughafen La Guardia in New York über kurze Zeit den Betrieb einstellen musste, weil die Sicherheit der ankommenden Flüge nicht mehr garantiert werden konnte – dazu führten, dass Trump einknickte und sämtliche Amtsstuben der Bundesregierung wieder geöffnet wurden. Nelson spielte in dieser Episode eine wichtige Rolle. In einer feurigen Ansprache hatte sie einige Tage zuvor die Warnung ausgestossen, dass die Angestellten der Airlines in einen Generalstreik treten könnten. Daraufhin stiegen die unentschuldigten Absenzen beim Personal der Airlines an.

Solche Auftritte sind es, dank denen Nelson im Gespräch bleibt. Immer wieder wird sie als mögliche Nachfolgerin von Richard Trumka genannt, dem Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO, dessen aktuelle Amtszeit in zwei Jahren ausläuft. Nelson schliesst eine Kandidatur nicht aus, auch weil sie der Meinung ist, dass die Gewerkschaften ein stärkeres Gegengewicht zu Präsident Trump bilden müssten – und eine «neue Vision» benötigten. Und selbst wenn es mit dem Karrieresprung nicht funktionieren sollte, wird Nelson die Arbeit nicht ausgehen. Die AFA-CWA umfasst derzeit gegen 50000 Angestellte, die für 20 Luftfahrtunternehmen arbeiten. Auf der Liste der Gewerkschaftsmitglieder fehlen aber die grossen Unternehmen American Airlines, Southwest Airlines und Delta Air Lines – weil sie ihre eigenen Arbeitnehmerverbände haben oder weil das Personal nicht gewerkschaftlich organisiert ist.

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