Marco Weber
«Sie haben auf unsere Aktion reagiert, wie sie es für richtig empfanden»

Greenpeace-Aktivist Marco Weber sitzt noch immer in St. Petersburg fest. Nun äussert er sich erstmals zu seinem schwierigen Aufenthalt im russischen Gefängnis. Trotz den Folgen sieht er sich auch in Zukunft als Teil von Greenpeace.

Roman Michel
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Vor dem Gefängnis warten Dutzende Journalisten auf den Schweizer Aktivisten, und fragen, wie er sich fühlt
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Hier verlässt Greenpeace-Aktivist Marco Weber das Gefängnis in St.Petersburg
«Erleichtert!», sagt er.
Zu Hause in der Schweiz machten sich viele Sorgen um den Schweizer (Im Bild, die DV der Grünen)

Vor dem Gefängnis warten Dutzende Journalisten auf den Schweizer Aktivisten, und fragen, wie er sich fühlt

Keystone

«Die Zustände waren schwierig, es waren zwei harte Monate», sagt Marco Weber im «Tagesanzeiger». Das Problem sei hauptsächlich, dass die persönlichen Rechte nicht automatisch eingehalten werde und man immer dafür kämpfen müsse. «Das macht wütend und zehrt an den eigenen Kräften.»

Knapp zwei Monate lang musste Weber in einer russischen Gefängniszelle ausharren, bevor er gegen Kaution entlassen wurde. «Ich musste mich nach der Entlassung ein bisschen zurückziehen», erzählt der Greenpeace-Aktivist.

Die vielen Eindrücke und Leute seien zu viel für ihn gewesen. «Bestimmt haben die letzten zwei Monate meine Persönlichkeit geprägt, jedoch ist es zur früh, um zu verstehen, wie genau», erzählt er.

Aktivisten müsssen im gleichen Hotel nächtigen

Trotz seiner Entlassung aus dem Gefängnis, dürfen sich Weber und seine Kollegen keineswegs frei bewegen. «Wir haben kein Visum und somit keine Aufenthaltsbewilligung», erzählt Weber, «wir dürfen uns, mit einer Spezialbewilligung, frei in St. Petersburg bewegen, aber nicht ausreisen.»

Zudem sind alle aus dem Gefängnis entlassenen Aktivisten im gleichen Hotel untergebracht. Weber ist allerdings zuversichtlich: «Ich gehe davon aus, dass wir, falls das noch lange dauert, nach Hause gehen dürfen.» Eine solche Möglichkeit, würde er «mit Freude» nützen.

Auch Besucher der Familienanhörigen gestalten sich als schwierig, sie müssen für die Reise nach Russland ein Visum beantragen.

Unberechenbares Recht

Vor zwei Wochen wurde eine gerichtliche Anhörung für kurze Zeit unterbrochen. «Ich war aufgebracht, weil mir das Recht verweigert wurde, mich am Schluss der Anhörung nochmals über die Sache zu äussern», erklärt Weber.

Er ist überzeugt, am 19. September verantwortungsvoll und gewaltfrei gehandelt zu haben. «Ich habe mich, ohne jemanden zu gefährden, für den Schutz der Arktis eingesetzt und werde dafür auch vor Gericht erscheinen.»

Froh ist Weber, dass der Internationale Seegerichtshof für die Freilassung der kompletten Arctic-Sunrise-Besatzung plädiert.

Russland sieht er trotzdem nicht als Feind: «Sie haben auf unsere Aktion reagiert, wie sie es für richtig empfanden.» Auch wenn er nicht einverstanden sei, sei das ihr Recht. «Nun sollten sie jedoch internationales Recht anerkennen und uns freilassen.» Die russische Gesetzgebung bezeichnet Weber im Interview als «unberechenbar».

Noch nicht am Ziel

Trotz den unangenehmen Konsequenzen würde Weber die Greenpeace-Aktion vom 19. September 2013 nicht anders planen: «Es ist verantwortungslos und gefährlich, in der Arktis nach Öl zu bohren.» Bei Temperaturen um die Minus 30 Grad und einer geschlossenen Eisdecke sei es nicht möglich, auf eine Ölkatastrophe zu reagieren.

«Wir brauchen eine starke globale Bewegung, um solche Verbrechen an der Natur zu verhindern», sagt Weber, «darum bin ich überzeugt, dass solche Aktionen dem Wohle aller dienen.»

Die drohende Gefängnisstrafe von sieben Jahren kann der 28-Jährige aber nicht ausblenden: «Manchmal denke ich daran. Ich kann aber nicht beurteilen, wie ich damit umgehen würde.»

Er sieht sich noch längst nicht am Ziel seiner Mission: «Die Arktis ist noch nicht geschützt und es braucht wohl noch einiges, bis wir so weit sind.» Weber versichert: «Ich sehe mich auch in Zukunft als ein Teil dieser Bewegung.»