Ruf aus Amerika

Sie starb, weil sie nicht wählen wollte

Renzo Ruf, Washington
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Der US-Wahlkampf beschäftigt Amerikaner bis ins Jenseits.

Der US-Wahlkampf beschäftigt Amerikaner bis ins Jenseits.

KEYSTONE/EPA/JUSTIN LANE

Auch kurz vor ihrem Tod verlor Mary Anne Noland ihren Humor nicht. Als die 68-Jährige in ein Hospiz gebracht wurde, weil ihre Lunge von Krebs zerfressen war, sagte sie ihrem Gatten Jim: Immerhin müsse sie nun im November nicht an dieser «deprimierenden» Präsidentenwahl teilnehmen.

Weil diese Aussage typisch für seine geliebte Mary Anne war, baute Jim den Spruch in den Nekrolog für seine Gattin ein, wie er der «Washington Post» sagte. Im Nachruf, der am 17. Mai in der Tageszeitung «Richmond Times-Dispatch» publiziert wurde, hiess es: «Vor die Wahl gestellt, ihre Stimme entweder für Donald Trump oder Hillary Clinton abgeben zu müssen, entschied sich Mary Anne Noland stattdessen, sich in Gottes liebende Hände fallen zu lassen.»

Der Satz war so prägnant, dass er landesweit zur Kenntnis genommen wurde. Jim Noland ist nicht der einzige trauernde Ehepartner, der in diesem verrückten Wahljahr beim Verfassen des Nachrufs politisch wurde. Gemäss der Internetplattform Legacy.com wurden bereits in 119 Nekrologen Anspielungen auf die Wahl gemacht – ein neuer Rekordwert.