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SIMBABWE: Emmerson Mnangagwa: Pragmatischer Retter der Nation

Heute wird Emmerson Mnangagwa im Parlament als neuer Präsident vereidigt. Er soll das Land nach 40 Jahren Diktatur aus der Krise führen. Bloss: Noch bis vor kurzem war Mnangagwa ein enger Vertrauter Mugabes.
Wolfgang Drechsler, Kapstadt
Umgeben von Bodyguards spricht Emmerson Mnangagwa zu seinen Anhängern. (Bild: Felix Dlangamandla/Getty (Harare, 22. November 2017))

Umgeben von Bodyguards spricht Emmerson Mnangagwa zu seinen Anhängern. (Bild: Felix Dlangamandla/Getty (Harare, 22. November 2017))

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Als begnadeter Redner wird Emmerson Mnangawa sicher nicht in die Geschichte eingehen. Selbst das Ablesen vom Blatt fällt dem 75-Jährigen schwer. Die erste grössere Ansprache des designierten Präsidenten von Simbabwe, der heute vereidigt wird, war jedenfalls kaum mehr als ein Sammelsurium an Gemeinplätzen. «Das Volk hat gesprochen – und die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes», erklärte Mnangagwa am Mittwoch vor Tausenden von Anhängern. Erst kurz zuvor war er aus seinem kurzen Exil in Südafrika zurückgekehrt. Dorthin war er nach seiner Entlassung als Vizepräsident und anschliessenden Morddrohungen vor zwei Wochen geflohen.

Simbabwe stehe am Beginn einer «neuen Demokratie», liess Mnangagwa weiter wissen. Und schliesslich noch, dass seine «Regierung für Frieden, Wachstum und Arbeitsplätze» sorgen wolle.

Vom einstigen Ziehvater entlassen

In die Geschichte eingehen könnte Mnangagwa nur dann, wenn er es wirklich schafft, Simbabwe im zweiten Anlauf auf den Weg der Demokratie zu führen. Auf den ersten Blick scheint er dafür der völlig falsche Mann zu sein, schon weil er dem Langzeitdiktator Robert Mugabe seit der Unabhängigkeit des Landes vor 37 Jahren als engster Vertrauter zur Seite gestanden und dessen desaströse Politik mit oft roher Gewalt abgestützt hat. Vielen galt er deshalb bis vor kurzem auch als Mugabes Ziehsohn, der ihn dereinst ersetzen würde.

Umso grösser war die Verblüffung, als der Ziehvater ausgerechnet seinen treuen Sohn vom Posten des Vizepräsidenten feuerte und wenig später sogar aus der Partei warf, um stattdessen seine Frau Grace in einer Art Familiendynastie zu installieren.

Wegen seiner Bereitschaft, zur Durchsetzung politischer Ziele jederzeit Gewalt anzuwenden, gilt Mnangagwa seit langem als Mann fürs Grobe. Die Angewohnheit, vor dem Zupacken, erst einmal still abzuwarten, hat ihm in seiner Heimat den wenig schmeichelhaften Beinamen «Krokodil» beschert. Bereits als Teenager schloss er sich dem Widerstand gegen das weisse Minderheitsregime um Ian Smith in Rhodesien an. Er sabotierte Bahnlinien und sass dafür zehn Jahre im Gefängnis. Dort lernte er auch Mugabe kennen, den Kopf des schwarzen Widerstands. Mitte der 70er-Jahre wurde Mnangagwa Mugabes Assistent und Bodyguard und war im unabhängigen Simbabwe nach 1980 in jedem Kabinett vertreten, unter anderem als Minister für Staatssicherheit, Verteidigung und Justiz. Er dürfte wie kein anderer wissen, in welchem Schrank in Simbabwe die Skelette lagern – im wörtlichen wie metaphorischen Sinn.

Unvergessen ist vor allem die unrühmliche Rolle, die Mnangagwa in den frühen 80er-Jahren als damaliger Geheimdienstchef im Kampf gegen die schwarze Opposition spielte. Viele machen ihn mitverantwortlich für die Massaker damals im Matabeleland, der Hochburg der Volksgruppe der Ndebele. Als es dort kurz nach der Unabhängigkeit zu Protesten gegen Mugabe kam, schickte dieser seine in Korea ausgebildete 5. Brigade in den Südwesten des Landes. Mehr als 20 000 Ndebele starben damals.

Hoffnungsträger trotz zweifelhafter Vergangenheit

Allerdings gilt Mnangagwa bei aller Ruchlosigkeit auch als Pragmatiker. Sichtbar wird dies nicht zuletzt daran, wie er sich nach dem Abgang Mugabes nun plötzlich als Retter der Nation vor einem Tyrannen stilisiert, dem er bis zuletzt sklavisch diente. Obwohl das neuerdings gepflegte Image des Reformers mit Blick auf Mnangagwas Vergangenheit wie blanker Hohn wirkt, betrachten ihn weite Teile der Bevölkerung tatsächlich als Hoffnungsträger. Anti-Mugabe-Demonstranten trugen bei ihren jüngsten Protesten sein Konterfei. Anders als Mugabe sieht sich Mnangagwa nicht als eine Art Messias und hat anders als der Ex-Diktator deshalb auch nie seinen Realitätsbezug verloren. Er weiss, dass die Staatskasse geplündert ist und Simbabwe dringend Finanzhilfe von aussen braucht, allen voran vom Internationalen Währungsfonds. Auch hat er bereits die Fühler zur Opposition ausgestreckt. Einem kürzlich vorgestellten Plan zufolge will Mnangagwa fortan mit ihren Vertretern in einer Übergangsregierung zusammenarbeiten und bis Mitte nächsten Jahres auch freie Wahlen abhalten, die unter Mugabe zuletzt massiv manipuliert wurden. Auch hat er die weissen Farmer zur Rückkehr nach Simbabwe aufgerufen, die das Mugabe-Regime um die Jahrhundertwende mit verheerenden Folgen von ihrem Land vertrieben hatte. Von einst 4500 weissen Farmern leben heute noch 200 auf dem Land, das ihnen einst gehörte.

Vergleich mit Michail Gorbatschow

Der langjährige Simbabwe-Kenner und Buchautor Geoff Hill ist deshalb optimistisch. So optimistisch, dass er den neuen Präsidenten bereits in einer Linie mit Südafrikas letztem weissen Präsidenten Frederik Willem de Klerk sieht – und mit Michail Gorbatschow, die ihrerseits zwei scheinbar unveränderbare Systeme knackten.

Heute kehrt Emmerson Mnangagwa triumphal ins Parlament in Harare zurück – als Hoffnungsträger, der bisher alles mitgemacht hat, aber künftig alles anders machen muss.

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