Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SIMBABWE: Folgt Mugabe auf Mugabe?

Seit 37 Jahren herrscht Robert Mugabe im Land. Mittlerweile ist er 93 Jahre alt, und doch ist offen, wer dereinst seine Nachfolge antreten wird. Im Gespräch ist unter anderem seine Frau Grace.
Markus Schönherr, Kapstadt
Grace Mugabe (52), die Ehefrau von Langzeitherrscher Robert Mugabe, bei einer Kundgebung. (Bild: Tsvangirayi Mukwazhi/AP (Chinhoyi, 29. Juli 2017))

Grace Mugabe (52), die Ehefrau von Langzeitherrscher Robert Mugabe, bei einer Kundgebung. (Bild: Tsvangirayi Mukwazhi/AP (Chinhoyi, 29. Juli 2017))

Markus Schönherr, Kapstadt

Er hatte sich mit der First Family angelegt – jetzt wird er wegen einer mysteriösen Vergiftung im Krankenhaus behandelt. Simbabwes Vizepräsident, Emmerson Mnangagwa, wurde am Montag für einen Eingriff nach Südafrika ausgeflogen, nachdem er bei einer Kundgebung von Langzeitpräsident Robert Mugabe einen vergifteten Milchshake getrunken haben soll. Nur Stunden später starb eine Ministerin mit denselben Symptomen.

Seit 37 Jahren kennt Simbabwe keinen anderen Herrscher als Mugabe. Jetzt ist ein Machtkampf um die Nachfolge des Autokraten entbrannt. Mugabe weigert sich strikt, seinen Nachfolger zu benennen. Als wahrscheinlichste Anwärter gelten der Vizepräsident sowie Mugabes Frau Grace. «Gucci-Grace» wird Mugabes ehemalige Sekretärin aufgrund ihres pompösen Lebensstils von den Simbabwern genannt. Das Volk ist gespalten, hasst und liebt Mugabes 41 Jahre jüngere Frau. Diese leugnet ihre Ambitionen, die kränkelnde Nation von ihrem Ehemann übernehmen zu wollen – in Simbabwe will ihr das aber niemand so recht glauben.

90 Prozent sind arbeitslos

Energy Mutodi, ein Verbündeter Mnangagwas, warnte jetzt: Sollte Mugabe seinen «Nachfolger nicht sorgfältig auswählen», werde es nach dessen Tod zu einem Putsch kommen. Für seine Aussage wurde er verhaftet und wegen Untergrabung von Mugabes Autorität angeklagt. Es ist nicht das erste Mal, dass das älteste Staatsoberhaupt der Welt (93) mit seinen Stellvertretern spielt. Bereits 2014 enthob Mugabe seine Vizepräsidentin, Joice Mujuru, ihres Amtes. Laut dem greisen Staatschef soll sie versucht haben, ihn durch ein bizarres Hexenritual zu «töten».

Realer als Mugabes Anschuldigungen ist die Armut der 17 Millionen Simbabwer. Einst galt das Land als Brotkorb der Region. Heute ist Simbabwe heruntergewirtschaftet und hat eine Arbeitslosenquote von etwa 90 Prozent. Wer kann, überlebt dank Gelegenheitsjobs oder durch den Verkauf von Früchten und Kleidern.

In der Hauptstadt Harare bildeten sich zuletzt meterlange Schlangen vor Geldautomaten. An manchen Tagen spucken diese mehr, an anderen weniger US-Dollar aus. Nach dem Einbruch der Wirtschaft vor acht Jahren hatte Simbabwes Regierung den Dollar als Zahlungsmittel eingeführt. Den Notenengpass bekämpft sie, indem sie letztes Jahr mit dem Druck von Schuldscheinen als Ersatzwährung begann. Seit langem verzeichnet das Land dieses Jahr wieder eine Rekordernte, dank staatlicher Förderungen und überdurchschnittlichen Regens. Jedoch hält sich die Freude der Farmer in Grenzen: Um allen Mais an das Volk zu bringen, fehlt in Simbabwe schlicht die harte Währung. Ursache der Krise sind laut Mugabes Kritikern dessen umstrittene Landreformen. Ab der Jahrtausendwende besetzten regierungsnahe Paramilitärs die Güter weisser Simbabwer, um sie zu «indigenisieren» und an schwarze Besitzer zu übergeben.

Demonstrationen gegen Korruption

Seitdem verloren etwa 4000 weisse Kommerzfarmer ihr Land. Oft landete es in den Händen von Regierungspolitikern. Internationale Konzerne schrecken davor zurück, in die unstabile Wirtschaft zu investieren.

Gegen Korruption und wirtschaftlichen Stillstand waren zu Jahresbeginn Tausende frustrierte Simbabwer auf die Strasse gegangen. Unterstützt wurden sie von der Opposition, die 2008 eine Einheitsregierung mit Mugabe bildete, aber später bei umstrittenen Wahlen entmachtet wurde. «Mugabe hat die Verfassung auf so viele Arten verletzt. Er ist eine Gefahr für Frieden und Sicherheit der Bürger», sagte Promise Mkwananzi, Anführer der Aktivistengruppe Tajamuka. Übersetzt heisst die Jugendrebellion «Wir haben genug» – ein Schlachtruf gegen die sozialen Missstände im Land des Langzeitherrschers.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.