Reise ins Drama
So erleben unser Sportredaktor und seine Töchter die Schiesserei in Las Vegas: "Nina ist da draussen!"

AZ-Sportredaktor Rainer Sommerhalder ist mit seinen Töchtern Samira und Nina in Las Vegas in den Ferien, als beim Mandalay Bay Casino die Hölle ausbricht. Von ihrem Hotelzimmer aus können sie direkt auf den Tatort blicken, hören Schüsse, durch die Dutzende Menschen sterben.

Rainer Sommerhalder
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AZ-Sportredaktor Rainer Sommerhalder befindet sich in Las Vegas, als es zur Schiesserei mit Dutzenden von Toten kommt.

AZ-Sportredaktor Rainer Sommerhalder befindet sich in Las Vegas, als es zur Schiesserei mit Dutzenden von Toten kommt.

Keystone/AZ

Noch ist nicht geklärt, was genau sich beim Mandalay Bay Casino in Las Vegas genau ereignet hat. Sicher ist: Ein Mann erschiesst mit einem automatischen Gewehr viele Besucher eines Country-Konzertes. Bislang ist von 50 Toten und über 200 Verletzten die Rede. Der Täter wurde von der Polizei erschossen.

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Rainer Sommerhalder, unser Sportreporter und Gemeinderat von Boniswil (AG) erlebte die Schiesserei aus unmittelbarer Nähe. Er wohnt im Luxor-Casino vis-à-vis des Mandalay Bay. Zusammen mit seinen jungen Töchtern Samira und Nina und deren amerikanischem Freund Cooper ist er auf einem zweiwöchigen Roadtrip. Aus dem Hotelzimmer blicken sie genau auf den Tatort. Was sie gerade erlebt haben und wie sie sich fühlen, schildert er in einer Audio-Nachricht, die er uns aus seinem Zimmer über Whatsapp geschickt hat. Nachfolgend eine leicht zusammengefasste Abschrift der Nachricht.

«Ich bin mit meinen Töchtern Samira und Nina und ihrem amerikanischen Freund Cooper auf einem zweiwöchigen Roadtrip durch den Westen der USA. Es ist Sonntagnachmittag, als wir in Las Vegas ankommen, es ist heiss. Wir wohnen im Luxor-Casino, gerade gegenüber vom Mandala Bay Casino.

Am Abend laufen wir den Strip entlang und gehen Abendessen. Cooper wohnt eigentlich in Florida und musste wegen dem Tropensturm Irma nach Little Rock (Arkansas) zu Verwandten fliehen. Direkt von dort aus hat er sich uns in Las Vegas angeschlossen.

Nach dem Abendessen haben wir uns aufgeteilt. Ich und Samira haben uns auf den Weg ins Hotel gemacht. Nina und Cooper flanieren weiter.

Bill Hughes/Las Vegas News Bureau/ HANDOUT

Kurz nach 22 Uhr kommen Samira und ich bei der Bushaltestelle zwischen ‹Mandalay Bay› und ‹Luxor› an. Auf dem Weg fallen uns zwei Polizeiautos auf, die mit Blaulicht zum Country-Festival beim ‹Mandalay Bay› fahren. Ich denke bei mir: Eigentlich würde ich jetzt gerne auf das Festival Musik hören gehen. Doch Samira will ins Hotelzimmer, also gehen wir.

Kaum sind Samira und ich im Hotelzimmer, hören wir eigenartige Geräusche von draussen. Es rattert seltsam. Als wir aus dem Fenster schauen, sehen wir viel Polizei. Im Abstand von 30 Sekunden hören wir wiederholt das ratternde Geräusch.

Ich sage noch zur Tochter: Das tönt wie ein Maschinengewehr. Es klingt extrem nahe. Es klingt extrem laut. Langsam wird uns bewusst: Das sind Schusssalven!

Und im gleichen Moment fragen wir uns: Wo ist Nina?! Wir können sie nicht erreichen.

Ich informiere mich über Internet und TV. Erste Meldungen und Informationen werden bekannt: Es ist von einer Schiesserei die Rede. Samira und ich schauen raus und sehen immer mehr Polizei, dann Rettungswagen, die Feuerwehr.

Schiesserei in Las Vegas
53 Bilder
Kind mit Vater an der NRA-Jahresversammlung in den USA (Symbolbild)
75 Minuten hat es gedauert, bis die Polizei in Las Vegas das Zimmer stürmte, von dem aus Stephen Paddock das Feuer auf die 22'000 Konzertbesucher eröffnet hatte.
Die «LA Times» hat einen Grundriss von Paddocks Suite veröffentlicht. Links unten der zweite Raum, den die Polizei am Schluss stürmte.
Auch am Tag 3 nach dem Amoklauf legten Menschen in Las Vegas Kerzen nieder.
US-Präsident Donald Trump hat in Las Vegas verletzte Opfer des Massakers besucht
Die britische "Daily Mail" hat die Polizeifotos aus dem Hotelzimmer als erstes Medium öffentlich gemacht.
Las Vegas: Nach dem Anschlag auf ein Konzert in den USA läuft die Suche nach den Ursachen auf Hochtouren.
Menschen gedenken den Opfern des Amoklaufs von Stephen Paddock.
Eine Frau legt eine Kerze nieder in Gedenken an die Opfer der Schiesserei.
Sie hat überlebt: Natalie Vanderstay wurde im Kugelhagel im Bauch getroffen. Ausserdem hat sie eine Beinverletzung.
Mike Kordich führte lebensrettende Massnahmen bei einem Opfer der Schiesserei durch, als er selbst von einer Kugel getroffen wurde.
Waffen des Schützen: Die Fotos zeigen Gewehre im Hotelzimmer, aus welchem Stephen Paddock in die Menschenmenge schoss.
Die Bilder wurden im Inneren des Zimmers des Attentäters im Mandalay Bay Ressorts aufgenommen, der Teppichboden ist übersät mit Patronenhülsen.
Waffen des Schützen: Die Fotos zeigen Gewehre im Hotelzimmer, aus welchem Stephen Paddock in die Menschenmenge schoss.
"Bump" Stock Mit wenigen Handgriffen kann aus einer halbautomatischen Waffen eine vollautomatische werden. Es handelt sich um einen Zusatz, der den Abzug offen hält und Serienfeuer ermöglicht. Das hat auch der Attentäter von Las Vegas getan.
An der Universität von Nevada Las Vegas (UNLV) halten Studenten eine Mahnwache ab.
Die Trauer ist gross.
Mindestens 59 Menschen kamen bei der Schiesserei in Las Vegas ums Leben. Über 500 wurden verletzt.
"Betet für Las Vegas": Das Football-Spiel zwischen den Washington Redskins und Kansas City begann mit einer Schweigeminute für die Opfer der Schiesserei in der Glücksspielstadt.
Mit Trauermitteilungen versuchen sie, das Geschehene zu verarbeiten.
Die US-Flagge weht vielerorts im Land auf Halbmast.
Ermittler stellen in einem Haus des Todesschützen von Las Vegas, Stephen Paddock, jede Menge Sprengstoff sicher.
US-Regierung gedenkt den Opfern – Schweigeminute vor dem Weissen Haus.
Das Festival-Gelände am Morgen danach
Israel trauert mit den USA: Aus Solidarität mit den Opfern von Las Vegas leuchtet das Rathaus in Tel Aviv in den Farben der amerikanischen Flagge.
Durch diese Fenster im 32. Stock der Mandalay Bay Ressorts dürfte Stephen Paddock geschossen haben
Als die Schüsse auf das «Las Vegas Village» niederprasselten, flohen die Besucher vom Konzertgelände.
Sanitäter leisten Notversorgung, wo Hilfe noch möglich ist.
Polizisten rücken aus.
Verletzte und unversehrte Touristen harren in Sicherheit aus.
Mit dem Schrecken davongekommen.
Attacke bei Open-Air-Konzert in Las Vegas
In der Nacht auf Montag (Ortszeit) ist es in Las Vegas zu einer Schiesserei gekommen.
Medizinische Rettungskräfte behandeln Verwundete.
Der Schütze hatte am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf die Besucher eines Konzerts des Country-Music-Festivals Route 91 Harvest geschossen.
Die Polizei durchsucht Gäste des Hotels Tropicana Las Vegas.
Marilou Danley, die Freundin Paddocks, weilte während des Attentats auf den Philippinen.
Die Polizei von Las Vegas im Einsatz.
Schauplatz des Verbrechens war ein Konzert vor dem Mandalay Bay Resort.
Der Schütze hatte am späten Sonntagabend (Ortszeit) auf die Besucher eines Konzerts des Country-Music-Festivals Route 91 Harvest geschossen.
Die Polizei riegelte das Gebiet ab.
Bilder vom Ort des Geschehens.
Menschen suchten Schutz, während die Schiesserei noch im Gang war.
Eine verletzte Frau erhält Hilfe.
Mit einem Grossaufgebot versuchte die Polizei, der Situation Herr zu werden.
Im Fokus des Polizeieinsatzes: das Casino des Resorts Mandalay Bay.
Polizisten rücken aus.
Sie rieten Zivilisten, Schutz zu suchen.
Wie viele Schützen an der Schiesserei beteiligt waren, war zunächst unklar.

Schiesserei in Las Vegas

Keystone

Nina ist da draussen!

Es ist ein eigenartiges Gefühl, das mich befällt: Die Angst, Nina ist irgendwo da draussen! Die Frage: Wer schiesst? Warum? Terrorismus? Ein Fehlalarm?

Keystone

Die Angst bleibt: Wo ist Tochter Nina? Zehn Minuten später meldet sie sich. Sie habe mit Cooper im Casino Excalibur nebenan Schutz suchen müssen. Dort würden Leute weinend eintreffen, vermutlich vom Festivalgelände.

Ich bin etwas beruhigt: Nina und Cooper scheinen in Sicherheit.

Dann kommt mir von früheren Vegas-Aufenthalten in den Sinn, dass es zwischen dem Excalibur und dem Luxor einen etwas verstecken Verbindungsweg gibt. Ich lotse Nina und Cooper per Whatsapp ins Luxor. Es klappt. Sie kommen noch rein, können auf ihr eigenes Zimmer, dürfen es aber wie alle Gäste nicht mehr verlassen.

Wir verriegeln unsere Türen

Ich spüre Hektik im Luxor, als bekannt wird, dass ein Täter flüchtig sei. Wir verriegeln unsere Zimmertüren zum Hotelgang hin.

Dann hören wir Schüsse, wahrscheinlich Pistolenschüsse. Etwas später erfahren wir, dass dies wahrscheinlich die Schüsse sind, mit denen der Täter von der Polizei erschossen worden ist.

Plötzlich werden wir von einem Hotel-Alarm aufgeschreckt. Über Zimmerlautsprecher ist von einer Schiesserei die Rede. Das scheint sich nicht zu bestätigen. Ein Fehlalarm?

Chase Stevens

Samira hat viele Fragen. Wir reden, versuchen das Geschehene einzuordnen.

Es ist 2 Uhr morgens, als ich diese Sätze in mein Handy spreche. Nach wie vor sehen wir viel Polizei am Tatort. Mit Taschenlampen suchen sie die Umgebung ab. Aus den Medien erfahre ich, dass die Lebenspartnerin des Schützen gesucht wird. Mehr kann ich zurzeit nicht sagen.

Ich melde mich...»

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile ist die Identität des Schützen bekannt. Es handle sich um den 64-jährigen Amerikaner Stephen Paddock. Er wurde von der Polizei erschossen. Seine Begleiterin wurde gefunden.