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So nahe am Papst wie nur wenige

Als Joseph Ratzinger zum Papst geweiht wurde, war das für viele Gardisten nur logische Konsequenz. Jetzt steht wieder eine Papstwahl an. Und auch diesmal wird spekuliert in der kleinsten Armee der Welt.
Simone Hinnen
Aus dem Fotoalbum: Der Einsiedler Toni Schelbert bei der Vereidigung im Vatikan mit Papst Johannes Paul II. und seinen Eltern im Jahr 1988. (Bild: PD)

Aus dem Fotoalbum: Der Einsiedler Toni Schelbert bei der Vereidigung im Vatikan mit Papst Johannes Paul II. und seinen Eltern im Jahr 1988. (Bild: PD)

Wichtige Orte für den Papst (Bild: Neue LZ)

Wichtige Orte für den Papst (Bild: Neue LZ)

Verschwiegenheit gehört zum Job eines Schweizergardisten. Jenem stillen Wächter im Vatikan in seinem blau-rot-gelben Wams, der für die persönliche Sicherheit des Papstes verantwortlich ist, vieles hört und sieht und es doch für sich behält.

Vor allem während des Palast-Dienstes der Gardisten kommt es zum kurzen Kontakt mit hohen Würdenträgern. Dann etwa, wenn eine Personenkontrolle ansteht. Und ab und zu tauscht auch der Pontifex selber mit Wache haltenden Hellebardieren ein freundliches Wort aus. Kein Wunder, werden unter Schweizergardisten Anekdoten herumgereicht: über die Gemütslage des Papstes, seinen Handdruck oder sein Befinden. Aktuell dürfte sich die Diskussion allerdings eher um politische Inhalte drehen und um die Frage: Wer wird auf Joseph Ratzinger alias den zurücktretenden Papst Benedikt XVI. folgen?

Schwyzer Gardist erinnert sich

Einer, der die Zeit im Vatikan in nachhaltiger Erinnerung hat, ist der aus Unteriberg bei Einsiedeln stammende Toni Schelbert (48). Der gläubige Katholik hat zwischen 1988 und 1990 im Alter von 23 bis 25 Jahren dem inzwischen verstorbenen Papst Johannes Paul II. als Gardist gedient. «Unter Johannes Paul durften wir sehr viel Ehrendienst auf dem Petersplatz, im Petersdom, an Staatsanlässen oder an Audienzen leisten», erinnert sich Schelbert. Während solcher Dienste habe der damalige Papst denn auch das eine oder andere Wort mit ihm gewechselt. «Er hat mich beispielsweise gefragt, wie es meiner Familie geht, wie viele Geschwister ich hätte, und uns allen den Segen erteilt.»

Die Sixtinische Kapelle (Bild: Neue LZ)

Die Sixtinische Kapelle (Bild: Neue LZ)

Gardisten hatten Ratzinger gerne

Schon damals war Papst Benedikt XVI. den Gardisten ein Begriff. Als Dekan des Kardinalskollegiums und als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre war Joseph Ratzinger sehr einflussreich; galt gar in kirchenpolitischen Fragen als rechte Hand seines Vorgängers Johannes Paul II. «Nicht wenige Gardisten hatten sich gewünscht, dass er Papst werden würde, und sich über die Wahl gefreut», erinnert sich Toni Schelbert an die Papstwahl im Jahr 2005. «Denn Kardinal Ratzinger haben wir gut gekannt und als sehr leutselig empfunden. Er hat nach dem Tode von Johannes Paul das Requiem gehalten und vieles an die Hand genommen. Da war es schon naheliegend, dass er die Nachfolge von Johannes Paul II. antreten könnte.» Unter ehemaligen Gardisten sei damals denn auch einiges über die Wahlchancen von Ratzinger geredet worden.

Dass es nur gerade acht Jahre nach dem Tode Johannes Paul II. erneut zu einer Papstwahl kommt, ist auch für den Ex-Gardisten Toni Schelbert überraschend. Wer neuer Papst wird, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Zu jung sei die Nachricht vom Rücktritt.

Im Vatikan sind Kontakte wichtig

Schelberts Kontakt zum Vatikan ist seit seiner Aktivzeit nie abgerissen. Der Einsiedler führt gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und dem Vater das Familienunternehmen Drusberg Reisen, das sich unter anderem auf Pilgerreisen spezialisiert hat. Nur logisch, dass solche Reisen auch nach Rom, respektive in den Vatikan, führen. Und dass Toni Schelbert die Gardistenzeit und seine Kontakte von damals zum Vorteil gereichen. So pflegt er nach wie vor Kontakt zu Martin Utz, der auf eine 27 Jahre lange Karriere bei der Schweizergarde als Instruktor zurückblicken kann und derzeit als offizieller Vatikan-Führer arbeitet. Unter anderem begleitet Utz auch Toni Schelberts Pilgergruppen jeweils in Rom.

Wie wichtig gute Kontakte im Vatikan sind, zeigte sich spätestens nach dem Hinscheiden von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2005, als Tausende von Gläubigen dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen wollten und dafür Stunden in langen Menschenschlangen anstanden. Damals durfte die Schweizer Gruppe von Toni Schelbert via direkten Zugang in den Petersdom. Es kann sich jeder selber ausmalen, mit welcher Euphorie die Pilger in die Schweiz zurückgekehrt sind.

Pilgerreise während des Konklave?

Jetzt, nachdem im Vatikan ein neuer Papst gewählt wird, überlegt sich Toni Schelbert, vor Ostern erneut mit einer Pilgergruppe nach Rom zu reisen. Sein Ziel diesmal: Während des Konklave, also während des Wahlprozederes, in Rom zu sein, um dann auf dem Petersplatz mitzuverfolgen, wie weisser Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle aufsteigt, was auf eine erfolgreiche Wahl hindeutet. Ob eine solche Pilgerreise stattfinden wird, ist allerdings noch offen.

Mit der Hellebarde zum Schutz des Papstes

FAKTEN red. Die Ausbildung zum Schweizergardisten ist überaus begehrt und galt lange Zeit als geeignete Karriereleiter. Lesen Sie hier ein paar Fakten:
Bestand: 110 Männer
Gardisten: Rekruten der Schweizergarde müssen verschiedene Aufnahmebedingungen erfüllen. Einige davon: Sie müssen katholisch, zwischen 19 und 30 Jahre alt und sportlich sein. Ausserdem gilt eine Mindestgrösse von 1,74 Metern. Einwandfreier Leumund, Abschluss von Mittel- oder Berufsschule sind genauso Voraussetzung wie die Absolvierung der Rekrutenschule der Schweizer Armee.
Uniform: Schweizergardisten haben zwei Uniformen: Die Galauniform für Offiziere besteht aus rotem Samt, Feldweibel und Wachtmeister tragen einen schwarzen Wams, die übrigen Gardisten einen Wams in den Farben Blau, Rot, Gelb. Die dunkelblaue Exerzieruniform mit Peret für den Normaleinsatz und mit Helm für spezielle Anlässe ist um einiges schlichter.
Aufgabe: Ehrendienst und Sicherheitsdienst zur Sicherheit des Papstes und seiner Residenz.
Bewaffnung: Neben der sichtbaren traditionellen Bewaffnung (Hellebarde und Schwert) stehen der Schweizergarde unter anderem eine Pistole 75 sowie das Sturmgewehr 90 zur Verfügung. Da ein Gardist die Rekrutenschule in der Schweiz absolviert hat, ist er mit den Waffen, die auch in der Schweizer Armee zum Einsatz kommen, bereits vertraut. Seit dem Papstattentat im Jahr 1981 auf Johannes Paul II. und seit den Terroranschlägen 2001 wurde der Personenschutz für den Papst erheblich verschärft. Seither ist auch nicht mehr genau bekannt, welche weiteren Waffen effektiv zum Papstschutz eingesetzt werden.
Vereidigung: Sie findet jährlich am 6. Mai im Damasushof statt.
Geschichte: Seit mehr als 500 Jahren steht die Schweizergarde im Dienste der Päpste und wacht über den Vatikan. Begonnen hatte alles im Jahr 1506, als die ersten Schweizer auf Anfrage des damaligen Papstes Julius II. eintrafen. Als offizieller Gründungstag der päpstlichen Schweizergarde gilt der 22. Januar 1506.
Skandal: Am 4. Mai 1998 wurden Oberst Alois Estermann, Kommandant der Schweizergarde, und seine Frau ermordet. Der Täter soll ein Schweizergardist gewesen sein, der sich nach dem Tod des Kommandanten das Leben nahm. Nach dem Mord wurden diverse Gerüchte verbreitet. Nachfolger Estermanns wurde der Luzerner Pius Segmüller, der unter anderem als Sekundarlehrer im Kanton Uri tätig war, Kommandant der Stadtpolizei Luzern war und von 2007 bis 2011 für die CVP im Nationalrat sass.

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