So setzt sich das Konklave zusammen

Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. vom Papstamt richten sich die Augen auf das bevorstehende Konklave. Der Versammlung gehören alle Kardinäle der katholischen Weltkirche an.

sda/Afp
Drucken
Teilen
Das Konklave tagt. (Bild: Archiv Keystone)

Das Konklave tagt. (Bild: Archiv Keystone)

Ein Überblick, woher sie kommen, wer aus dem deutschsprachigen Raum dabei ist und was sich aus der Zusammensetzung herauslesen lässt:

WAHLBERECHTIGTE KARDINÄLE

Von den 207 derzeit lebenden Kardinälen in aller Welt haben 117 die Altersgrenze noch nicht überschritten und sind wahlberechtigt. Nach derzeitigem Stand werden allerdings höchstens 115 Kardinäle an der Papstwahl teilnehmen. Aus gesundheitlichen Gründen sagte der 78- jährige Indonesier Julius Riyadi Darmaatmadja ab. Vor wenigen Tagen entschied sich zudem der 74 Jahre alte Brite Keith O'Brien gegen eine Teilnahme, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn laut geworden waren. Benedikt XVI. nahm in diesem Zusammenhang auch seinen Rücktritt vom Amt des Erzbischofs von Saint Andrews und Edinburgh an.

HERKUNFT UND EINSETZUNG

Von den 115 wahlberechtigten Kardinälen, die voraussichtlich am Konklave teilnehmen, kommen 28 aus Italien, 32 aus anderen europäischen Ländern, 19 aus Latein- und 14 aus Nordamerika. Elf von ihnen stammen aus Afrika, zehn aus Asien und einer aus Ozeanien. Einer Mehrheit von insgesamt 67 der teilnehmenden Kardinäle wurde die Kardinalswürde während der knapp achtjährigen Amtszeit von Benedikt XVI. verliehen, die am Donnerstagabend um 20.00 Uhr zu Ende ging. Die restlichen wurden während des Pontifikats von Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben.

DEUTSCHSPRACHIGER RAUM

Von deutscher Seite sind sechs Kardinäle wahlberechtigt. Es handelt sich um die Kurienkardinäle Paul Josef Cordes, 78 Jahre alt, und Walter Kasper, der am 5. März 80 Jahre alt wird, beim Rücktritt Benedikts XVI. die Altersgrenze aber noch nicht überschritten hatte. Weiterhin dürfen der 76-jährige Mainzer Bischof Karl Lehmann sowie die Erzbischöfe von München, Köln und Berlin, Reinhard Marx (59), Joachim Meisner (79) und Rainer Maria Woelki (56), an der Wahl teilnehmen. Aus Österreich ist der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn (68), aus der Schweiz der Kurienkardinal Kurt Koch (62) wahlberechtigt.

RANGORDNUNG UND LEITUNG

Das gesamte Kardinalskollegium der katholischen Kirche und damit auch die Kardinäle im Konklave sind in drei Klassen unterteilt - Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone. Die Rangfolge hat jedoch rein symbolische Bedeutung und keine Auswirkungen auf den Einfluss, den die Teilnehmer auf die Wahl nehmen können. Leiter des Konklaves ist eigentlich der Kardinaldekan, ein Kardinal aus der Rangordnung der Kardinalbischöfe. Amtsinhaber Angelo Sodano aus Italien ist aber 85 Jahre alt und darf nicht teilnehmen. Die Leitung hat daher der 78- jährige Kardinalbischof Tarcisio Bertone, ebenfalls Italiener.

AUSSICHTEN UND EINSCHÄTZUNGEN

Die Wahl eines Papsts aus Lateinamerika, Afrika oder Asien gilt trotz der zahlenmässigen Übermacht der westlichen Staaten nicht als ausgeschlossen. Immer wieder meldeten betreffende regionale Kirchen in der Vergangenheit Ansprüche auf das Papstamt an. Zudem wird mit Spannung erwartet, ob sich eher ein konservativer oder ein reformorientierter Kirchenvertreter bei der Papstwahl durchsetzen wird. Vorauszusehen ist der Ausgang der Abstimmungen aber in der Regel nicht. So war die Wahl Karol Wojtylas im Jahr 1978 eine Überraschung. Mit Joseph Ratzinger rechneten 27 Jahre später hingegen viele Beobachter.