So tickt Soleimanis Nachfolger

Ismail Ghaani führt künftig die Al-Kuds-Brigaden. Wie Soleimani kann auch er auf acht Jahre Erfahrung aus dem Krieg mit Irak zurückblicken.

Michael Wrase aus Limassol
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Ismail Ghaani führt künftig die Al-Kuds-Brigaden.

Ismail Ghaani führt künftig die Al-Kuds-Brigaden.

Bild: AP

Er werde dort weitermachen, wo «unser geliebter Bruder Qassem» aufhören musste, sagte Ismail Ghaani am Montagmorgen vor iranischen Reportern, bevor er im Gästehaus der Teheraner Regierung verschwand. Dort wartete der Paläs­tinenser Ismail Haniyeh auf den von Irans Revolutionsführer Ali Khamenei ernannten Nachfolger von General Soleimani. In dem halbstündigen Gespräch mit dem Hamas-Führer ging es um Vergeltung. «Auch wir stehen tief in der Schuld von Bruder Qassem», sagte Haniyeh der neuen Nummer eins der iranischen Al-Kuds-Brigaden und versprach, «die Vertreibung der USA aus dem gesamten Nahen Osten» zu unterstützen. Nichts Geringeres hat sich der 62-jährige Gardistenchef auf die Fahnen geschrieben. Im Gegensatz zu seinem introvertierten Amtsvorgänger, den er 20 Jahre als dessen Stellvertreter begleitete, ist Ghaani eher ein Lautsprecher. In einem Interview mit iranischen Medien hatte er vor zwei Jahren damit geprahlt, die irakischen Milizen mit panzerbrechenden Raketen ausgerüstet zu haben. «Durch uns», behauptete er, «haben die Amerikaner mehr Verluste erlitten als wir durch sie.»

Das soll offenbar auch so bleiben. Wie Soleimani kann auch Ghaani auf acht Jahre Erfahrung aus dem Krieg mit Irak zurückblicken. Den Status eines Volkshelden erreichte der schmächtige, nur 1,62 Meter grosse General freilich niemals. Als Waffenbeschaffer für das Netzwerk schiitischer Milizen im Libanon, Syrien, Irak sowie Pakistan und Afghanistan wirkte Ghaani, der 2012 seinen Platz auf der Terrorliste der US-Regierung bekam, meist im Verborgenen.

Unter seiner Regie, heisst es, sei ein Waffentransport ins westafrikanische Gambia spektakulär gescheitert. Auch für die Finanzierung der iranischen Verbündeten im Nahen und Mittleren Osten soll Ismail Ghani verantwortlich gewesen sein. Zu den Aufgaben des Iraners gehörte auch der direkte Dialog mit Syriens Staatschef Baschar al-Assad, der den Kuds-Brigaden sein politisches Überleben zu verdanken hat. Schon 2012, also schon ein Jahr nach Beginn des Aufstandes, hätten iranische Revolutionsgardisten für die syrische Armee gedient, behauptete Ghaani unlängst in einem Zeitungsinterview.

Generationenwechsel eingeleitet

Ob der Nachfolger von Qassem Soleimani der «richtige Mann» für die, so Ghaani, «von Gott versprochene Rache» ist, bleibt abzuwarten. Regime­insider in Teheran sind sich sicher, dass unter dem von den USA ermordeten General Soleimani bereits ein Generationenwechsel in den Al-Kuds-Brigaden eingeleitet worden ist. Die «alte Garde», zu der auch der 62-jährige Ghaani zählt, sei den Herausforderungen der digitalen Kriegsführung nicht mehr gewachsen.