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SPANIEN: Monarchie kämpft um ihren Ruf

Die Zeiten, in denen Spaniens Hof zu prunkvollen und teuren Festen einlud, sind vorbei. Deswegen geht auch König Juan Carlos’ Wunsch nicht in Erfüllung, seinen heutigen 80. Geburtstag ähnlich gross zu feiern wie letztes Jahr Norwegens König Harald.
Ralph Schulze, Madrid
König Juan Carlos anlässlich der Beerdigung von König Michael I. von Rumänien.Bild: Bogdan Cristel/EPA (Bukarest, Rumänien, 16. Dezember 2017) (Bild: Bogdan Cristel/EPA (Bukarest, Rumänien, 16. Dezember 2017))

König Juan Carlos anlässlich der Beerdigung von König Michael I. von Rumänien.Bild: Bogdan Cristel/EPA (Bukarest, Rumänien, 16. Dezember 2017) (Bild: Bogdan Cristel/EPA (Bukarest, Rumänien, 16. Dezember 2017))

Ralph Schulze, Madrid

Harald hatte anlässlich seines runden Geburtstages zu einer Riesenparty nach Oslo geladen, zu der die Adeligen aus ganz Europa einflogen. In Madrid ist nun Bescheidenheit angesagt: Aus Sorge, dass ein luxuriöses Geburtstagsfest beim Volk nicht gut ankommen und den angeschlagenen Ruf der Monarchie weiter beschädigen könnte, wird die Königsfamilie den 80. von Juan Carlos nur im kleinen Kreis feiern.

Im spanischen Königshaus hat inzwischen Felipe VI., der 49-jährige Sohn von Juan Carlos, das Sagen. Juan Carlos war im Juni 2014 nach 39 Jahren auf dem Thron abgetreten, den Königs­titel durfte er aber behalten. Es war ein nicht ganz freiwilliger Abschied: Nach zahlreichen Affären und wachsenden gesundheitlichen Problemen war der Druck auf Juan Carlos immer grösser geworden. Umfragen zeigten, dass die Bürger nicht mehr hinter ihm standen. Damals war er 76 Jahre alt.

Luxusaffäre: Juan Carlos leistete Abbitte

Das Ende seiner Amtszeit als ­königlicher Staatschef leitete eine luxuriöse Elefantenjagd im afrikanischen Botswana im Jahr 2012 ein. Dort brach sich Juan Carlos bei einem Stolperunfall nicht nur die Hüfte, sondern war auch noch mit einer Frau unterwegs, die nicht seine Ehefrau und Königin Sofía war. Die geheimnisvolle blonde Begleiterin, die von Spaniens Medien als «innige Freundin» beschrieben wurde, entpuppte sich als die 30 Jahre jüngere Deutsche Corinna zu Sayn-Wittgenstein.

Es war eine Luxusaffäre, die auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise explodierte, also zu einer Zeit, als Millionen Familien in Spanien den Gürtel immer enger schnallen mussten. Die Empörung über den König, der mit seiner mutmasslichen Liebschaft auf Grosswildjagd geht, während viele Bürger Mühe hatten, über die Runden zu kommen, war entsprechend gross. Juan Carlos musste damals öffentlich Abbitte leisten: «Es tut mir sehr leid. Ich habe mich geirrt. Das wird nicht mehr vor­kommen.»

Seitdem berichten Spaniens Medien offen darüber, dass Juan Carlos schon immer ein Schürzenjäger und untreuer Ehemann gewesen sein soll. Informationen über uneheliche Kinder tauchten auf, die aber nie bestätigt wurden. Tatsache ist jedenfalls, dass Juan Carlos und Königin Sofía, die im November ebenfalls 80 wird, heute getrennte Wege gehen. Die Ehe zwischen den beiden gilt als zerrüttet, auch wenn es nicht zur formellen Scheidung kam. Nur zu protokollarischen Anlässen treffen die beiden noch zusammen.

Die Berichte über Juan Carlos’ Eskapaden liessen das Bild vom vorbildlichen König, als der er früher einmal galt, bröckeln. Dabei sind seine Verdienste um die Demokratie Spaniens unbestritten. Spaniens ehemaliger Rechtsdiktator Francisco Franco hatte Juan Carlos schon 1969 zum Nachfolger als Staatschef bestimmt. Als jener 1975, nach Francos Tod, das höchste Staatsamt übernahm, nutzte er die Chance und führte Spanien in die Demokratie.

Dabei hatte ihm anfangs kaum jemand grosse Erfolgsaussichten eingeräumt: «Juan Carlos der Kurze» rief ihn zunächst das Volk. Doch der junge König überraschte durch Besonnenheit und schaffte es, den Widerstand des Franco-Lagers gegen die Demokratisierung zu überwinden. Die von Juan Carlos eingesetzte Übergangsregierung organisierte 1977 freie Wahlen, wenig später wurde eine Verfassung verabschiedet.

Der König zog seine ­Generalsuniform an

Nur einmal stand die Demokrati­sierung Spaniens auf der Kippe: Am 23. Februar 1981 stürmte ein Trupp der paramilitärischen ­Guardia Civil, der früheren Franco-Polizei, mit gezogenen Pistolen das Parlament. Die Putschisten erklärten die Regierung für abgesetzt, ein Teil des Militärs sympathisierte mit den Umstürzlern. Der König zog daraufhin seine Generalsuniform an und forderte die Putschisten in einer TV-Ansprache auf: «Im Interesse Spaniens befehle ich Ihnen, die Einheiten zurückzuziehen.» Das Militär gehorchte – und der Aufstand brach zusammen.

Juan Carlos de Borbón kam 1938 in Rom zur Welt, wo seine Eltern zusammen mit seinem Grossvater Alfonso XIII. im Exil lebten. Er studierte Politik, Wirtschaft und Philosophie. 1962 heiratete er Prinzessin Sofía von Griechenland. Zusammen haben sie drei Kinder: Elena, Cristina und Felipe, den heutigen König.

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