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SPANIEN: «Nicht in unserem Namen»

Nach dem Doppelattentat in Katalonien wachsen die Anfeindungen gegen die Muslime. Spaniens muslimische Gemeinden demonstrieren derweil im ganzen Land Solidarität mit den Terroropfern.
Ralph Schulze, Madrid
Muslimische Gemeinden in Spanien demonstrierten nach den Anschlägen gegen den islamistischen Terror. (Bild: Marcos del Mazo/Getty (20. August 2017))

Muslimische Gemeinden in Spanien demonstrierten nach den Anschlägen gegen den islamistischen Terror. (Bild: Marcos del Mazo/Getty (20. August 2017))

Ralph Schulze, Madrid

Ausländerfeindliche Schmierereien, Hasskommentare im Internet, Beleidigungen von Muslimen auf der Strasse, Neonazi-Attacken: Nach den Terroranschlägen von Barcelona und Cambrils, ­hinter denen eine Gruppe marokkanischstämmiger Terroristen steckt, erlebt Spanien einen in diesem Land bisher noch nicht gesehenen Ausbruch der Islamophobie. Etliche Moscheen wurden in den letzten Tagen mit Schmähparolen besprüht. «Ihr werdet alle sterben, verdammte Moslems» pinselten Unbekannte auf das Tor des Gebetshauses im katalanischen Ort Montblanc.

Madrids Arbeitervorstadt ­Fuenlabrada erwachte mit dem Aufruf «Tod dem Islam» am muslimischen Gebetshaus. Auf einer Moschee in Sevilla prangte «Mörder, das werdet ihr bezahlen». Die Gebetsräume in Granada wurden mit Feuerwerksraketen beschossen.

Fremdenfeindlichkeit wuchs bereits vor Angriff

Nicht erst seit den Terrorangriffen im nordspanischen Katalonien wächst die Fremdenfeindlichkeit in Spanien kontinuierlich: Schon im vergangenen Jahr ­re­gistrierte die Plattform gegen Is­lamophobie mit landesweit 573 Aggressionen gegenüber der muslimischen Bevölkerung einen neuen Höchststand. Das sei nur die Spitze des Eisbergs, glaubt man bei dieser Bürgerplattform.

Die meisten Fälle würden aus Angst vor weiteren Problemen erst gar nicht zur Anzeige gebracht. An erster Stelle der Anfeindungen stehen verbale oder auch körperliche Angriffe auf muslimische Frauen, die auf der Strasse wegen ihres Kopftuches beleidigt, bespuckt oder auch tätlich angegriffen werden. An zweiter Stelle kommen Anschläge und Schmierereien auf islamische Gotteshäuser.

Die Marokkaner, die mit dem Arbeitskräftebedarf in Industrie und Landwirtschaft ins Land kamen, sind Spaniens grösstes Ausländerkollektiv. Insgesamt leben etwa 750000 marokkanische Staatsbürger im spanischen Königreich, das insgesamt 46 Millionen Einwohner hat. Die Region Katalonien, dort, wo die Terroristen nun zugeschlagen haben, ist eine ihrer Hochburgen.

Die Zahl aller Muslime in Spanien liegt insgesamt bei 1,9 Millionen. Sie haben landesweit einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von wenig mehr als 4 Prozent. Das ist nicht viel im Vergleich mit anderen grossen Einwanderungsländern, wie etwa Frankreich oder Deutschland. Aber offenbar schon genug, um nun Spannungen zu provozieren. Viele muslimische Gemeinden in ganz Spanien versuchten schon Stunden nach den Terroranschlägen gegenzusteuern und demonstrierten gegen den islamistischen Terror: «Nicht in unserem Namen», «Der Islam bedeutet Frieden» oder «Ich bin Muslim, aber kein Terrorist» stand auf Plakaten, die auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas hochgehalten wurden – dort, wo einer der Terroristen mit einem Lieferwagen am 17. August mehr als 100 Menschen überrollt hatte.

Bewohner und ausländische Besucher, die in diesem Moment an der Kundgebung auf der Rambla vorbeikamen, dankten den muslimischen Demonstranten mit viel Applaus und auch mit mancher Umarmung.

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