Kriminalität
Spanien verhaftet Guatemalas Ex-Innenminister

In Spanien ist der Ex-Innenminister Guatemalas, Carlos Vielman, verhaftet worden. Er wird der aussergerichtlichen Hinrichtungen verdächtigt.

Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Neben Vielman ist auch der Ex-Chef der Nationalpolizei, der schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger, Erwin Sperisen, wegen angeblichen aussergerichtlichen Hinrichtungen zur Verhaftung ausgeschrieben.

Vielman und Sperisen sollen auch an der Spitze einer kriminellen Vereinigung gestanden haben. Die UNO-Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) wirft ihnen zudem Kidnapping, Geldwäscherei, Erpressung, Raub und Drogenhandel vor.

Vielman und Sperisen waren Teil der konservativen Regierung von Oscar Berger (2004-2008). Im Frühjahr 2007 waren Sperisen nach Genf und Vielman nach Spanien geflohen.

Guatemala wirft den beiden und 17 weiteren ehemaligen hohen Beamten und Polizisten vor, an zwei aussergerichtlichen Hinrichtungen beteiligt gewesen zu sein. In einem Fall wurden 2005 drei Ausbrecher erschossen. Im zweiten Fall wurden 2006 sieben Insassen eines Gefängnisses getötet. Mehrere Beschuldigte sitzen bereits in Guatemala in Untersuchungshaft.

Untersuchung in Genf

Vielman wurde nach unterschiedlichen Quellen am Dienstagabend oder Mittwoch in Spanien verhaftet. Gemäss der spanischen Nachrichtenagentur EFE hat Guatemala 40 Tage Zeit, sein Auslieferungsgesuch beim Obersten spanischen Gerichtshof mit Beweisen zu untermauern.

Seit Anfang September läuft in Genf eine Untersuchung gegen Sperisen. Gemäss dem Sprecher des Bundesamtes für Justiz, Folco Galli, traf bislang in Bern weder ein Rechtshilfegesuch zum Fall Sperisen noch ein Strafübernahmegesuch aus Guatemala ein.

Prozess in der Schweiz möglich

Sperisen, der sich Ende August im Interview mit der Nachrichtenagentur SDA als «Opfer einer Diffamierungskampagne» bezeichnet hatte, kann als Schweizer Bürger nicht ausgeliefert werden. Möglich wäre jedoch ein Prozess in der Schweiz.

Am Donnerstag forderte Amnesty International (AI) Schweiz, nun auch gegen Sperisen vorzugehen. Dieser und Vielman müsse entweder in Guatemala oder «in Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards in den Ländern vor Gericht gestellt werden, in denen sie sich niedergelassen haben», forderte AI.

Grundlage ist gemäss AI ein Beschluss der UNO-Vollversammlung: 1989 verabschiedete diese neue Grundsätze gegen aussergerichtliche Hinrichtungen. Danach müssen die UNO-Mitgliedsländer Verdächtige ausliefern oder selbst vor Gericht stellen.