Terror in London

Spendenwelle für Familie des getöteten Polizisten ++ Scotland Yard vermeldet zwei weitere Festnahmen

Im Verlaufe des Donnerstags erlag ein 75-jähriger Mann seinen Verletzungen. Somit verloren beim Attentat vier Opfer plus der Angreifer selbst ihr Leben. Im Zuge der Ermittlungen wurden bisher neun Personen festgenommen – in der Nacht auf Freitag waren zwei weitere Verdächtige in Gewahrsam genommen worden. Der IS hatte sich am Donnerstag zum Terrorakt bekennt.

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Schüsse vor Londern Parlamentsgebäude (22. März 2017)
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Blumengaben in gedenken an die Opfer des Attentats dominieren die Szenerie um das Westminster.
«Not in my name» – nicht in meinem Namen, so eine trauernde Muslimin.
Deutschland zeigt seine Verbundenheit, indem das Brandenburger Tor in den Farben der britischen Flagge erleuchtet.
Nach dem Terror die grosse Trauer: Zahlreiche Menschen gedenken den Todesopfern.
Nach dem Terror die grosse Trauer: Zahlreiche Menschen gedenken den Todesopfern.
Nach dem Terror die grosse Trauer: Zahlreiche Menschen gedenken den Todesopfern.
Nach dem Terror die grosse Trauer: Zahlreiche Menschen gedenken den Todesopfern.
Nach dem Terror die grosse Trauer: Zahlreiche Menschen gedenken den Todesopfern.
Weiträumig abgesperrt: Das Westminster Parlamentsgebäude wird am Tag nach den Anschlägen überwacht.
Polizisten sichern das Westminster-Areal mit Maschinengewehren.
Die Polizei bespricht die Lage vor dem Parlamentshaus.
Die Untersuchungen der Polizei und Spezialeinheiten gingen über Nacht weiter.
Forensische Experten bei den Arbeiten auf der Westminster Brücke im Zentrum von London.
Auch vor den Toren des Londoner Parlamentsgebäude gehen die Forensiker ihren Ermittlungen nach.
Britische Medien berichteten am Mittwoch von Schüssen vor dem Londoner Parlamentsgebäude.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete von mindestens einem Dutzend Verletzten auf der Westminster Bridge vor dem Gebäude.
Das Parlamentsgebäude wurde abgesperrt.
Zeugen berichteten, dass sich Rettungskräfte hinter den Toren zum Parlamentsgebäude um zwei Personen bemühten.
Ein Parlamentsmitarbeiter sagte, zwei Personen seien ausserhalb des Gebäudes durch Schüsse verletzt worden. Das Gebäude sei abgesperrt worden.
Ein Sprecher des Unterhauses sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Abgeordneten seien angewiesen worden, das Parlamentsgebäude nicht zu verlassen.
Vor dem Gebäude landete ein Rettungshelikopter.
Nach den Anschlägen vom Mittwoch entzünden Londoner Kerzen zu Gedenken der Verstorbenen.

Schüsse vor Londern Parlamentsgebäude (22. März 2017)

Keystone

Einen Tag nach dem Anschlag im Londoner Regierungsviertel hat die Terrormiliz IS die Tat für sich beansprucht. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete die IS-Propaganda-Agentur Amak am Donnerstag über das Internet unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise der Extremisten.

Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht liess sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Auf diesem Weg hatten sich die Extremisten auch zu anderen Attentaten in Europa bekannt.

In Grossbritannien nahmen die Fahnder am Donnerstag bei Razzien sieben Verdächtige fest, unter anderem in der Hauptstadt und in Birmingham. Der Terrorabwehr-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, sagte, der Angreifer habe wohl auf eigene Rechnung gehandelt und sei "vom internationalen Terrorismus" angestiftet worden.

Die Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, die Identität des Angreifers zu kennen. Sie gebe den Namen aber in dieser "sensiblen Ermittlungsphase" nicht heraus, sagte Rowley.

Der Angreifer sei in Grossbritannien geboren worden, sagte die britische Premierministerin Theresa May vor dem Parlament in London. Der Mann sei vor einigen Jahren bei einer Untersuchung des Inlandgeheimdiensts MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier der Ermittler gewesen.

Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von fünf auf vier, ohne weitere Angaben dazu zu machen. Unter den Toten ist auch der Attentäter. Rund 40 Menschen wurden verletzt. 29 Menschen wurden am Donnerstag noch in Spitälern behandelt. Sieben von ihnen sind laut Scotland Yard in einem kritischen Zustand.

Verletzte stammen aus elf Ländern

Der Attentäter war zunächst auf der Westminster-Brücke mit einem Auto in die Passanten gerast. Später krachte der Wagen - ein grauer SUV - in den Zaun des Parlaments, wo der Attentäter einen Polizisten niederstach, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde. Neben dem Polizisten kamen auf der Brücke eine Frau Mitte 40 und ein Mann Mitte 50 ums Leben.

Bei dem Anschlag seien Menschen aus mindestens elf Ländern betroffen, sagte May weiter. Unter den Verletzten seien zwölf Briten, drei französische Schüler, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, zwei Griechen und jeweils eine Person aus Deutschland, Polen, Irland, China, Italien und den Vereinigten Staaten.

Laut BBC wurde das bei dem Anschlag verwendete Fahrzeug in Birmingham gemietet. Die mittelenglische Stadt gilt als Hochburg der Islamistenszene in Grossbritannien.

Einer der mutmasslichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt. Er sitzt seit seiner Festnahme in Belgien im April vergangenen Jahres in Haft. Der Anschlag in London ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge vom 22. März 2016 mit 32 Toten.

"Wir haben keine Angst"

Premierministerin May sagte im Parlament, "wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken". May hatte zuvor mit den Abgeordneten eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer abgehalten.

An der Parlamentssitzung nahm auch der französische Aussenminister Jean-Marc Ayrault teil. Er hatte zuvor die Angehörigen der drei verletzten französischen Schüler getroffen.

Die Tat löste international Bestürzung und Anteilnahme aus. Paris schaltete die Beleuchtung des Eiffelturms ab, das Brandenburger Tor in Berlin sollte in den Farben der britischen Flagge angestrahlt werden. Für 19.00 Uhr ist eine Gedenkveranstaltung auf dem Trafalgar Square in London geplant.

"Wir dürfen uns nicht beugen; wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten", sagte der Londoner Bürgermeister Sadiq Kahn.