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Vom Shutdown betroffene Staatsdiener erhalten in Washington Gratis-Mahlzeiten

Am 26. Tag des Teil-Shutdown eröffnet der Sterne-Gastronom José Andrés ein Restaurant, in dem Angestellte der Bundesregierung gratis eine warme Mahlzeit bekommen.
Renzo Ruf, Washington
Vom Shutdown betroffene Verwaltungsmitarbeiter erhalten Gratis-Mahlzeiten. (Bild: Pablo Martinez Monsivais (Washington, 16. Januar 2019))

Vom Shutdown betroffene Verwaltungsmitarbeiter erhalten Gratis-Mahlzeiten. (Bild: Pablo Martinez Monsivais (Washington, 16. Januar 2019))

Zeichen der Zeit: Mitten in Washington, der Hauptstadt der grössten Volkswirtschaft der Welt, standen am Mittwoch Hunderte von Staatsbediensteten Schlange, um in den Genuss einer Gratis-Mahlzeit zu kommen. Lanciert wurde die Aktion durch den spanischen Spitzen-Gastronomen José Andrés, der in Amerika mehr als 30 Restaurants betreibt. Der 49-Jährige ist als pointierter Kritiker von Donald Trump bekannt, der findige Gastronom belässt es aber nicht bei Seitenhieben gegen den Präsidenten. Sein Hilfswerk «World Central Kitchen» hat sich darauf spezialisiert, in Krisengebieten die notleidende Bevölkerung mit Speis und Trank zu versorgen – zuletzt im Nachgang zum Hurrikan «Maria», der im Herbst 2017 die Infrastruktur der Karibik-Insel Puerto Rico zerstörte.

Die Eröffnung des Cafés an der Pennsylvania Avenue, die das Weisse Haus mit dem Parlamentsgebäude verbindet, ist deshalb auch eine politische Stellungnahme des Gastronomen. Es könne doch nicht sein, sagte Andrés jüngst in einer Videobotschaft aus Puerto Rico, wo er sich derzeit aufhält, dass Angestellte der amerikanischen Regierung Hunger litten. Er appelliere deshalb an das Parlament, und vor allem auch an Präsident Trump, den Teil-Shutdown der Bundesregierung zu beenden.

Tränen und der Gang zum Arbeitslosenamt

Und wenn wohl auch nicht alle Angestellten der Bundesregierung, die sich mit einem Schinken-Sandwich, einer Tomatensuppe und einer Schüssel mit Quinoa, Bohnen und Couscous eindeckten, politisch einer Meinung mit Andrés sind – seine Aktion stiess auf grosse Zustimmung. Bereits zu Mittagszeit wurden gemäss «World Central Kitchen» mehr als 1000 Mahlzeiten verteilt.

«Es gibt nichts Schlimmeres als einen leeren Magen», sagte der 68-jährige Donald Abney aus Temple Hills (Maryland), der normalerweise als Sicherheitsmann für die wegen des Teil-Shutdowns zurzeit geschlossenen Museen der Smithsonian Institution arbeitet. Gerade eben habe er erstmals in seinem Leben den Gang zum Arbeitslosenamt auf sich nehmen müssen, nun warte er auf seine Taggelder, erzählt Abney. Deshalb sei er sehr froh darüber, dass er sich nun unentgeltlich in Andrés’ Café verpflegen könne.

Auch Monica, die ihren Familiennamen nicht nennen will, hat im zweckmässig eingerichteten Restaurant – das Andrés sonst als Testküche dient – eine Mahlzeit bekommen. Die Gerichtsangestellte bricht in Tränen aus, als sie von mehreren Journalisten über ihre persönliche Situation ausgefragt wird. Dann sagt sie: Der Shutdown betreffe die gesamte amerikanische Bevölkerung, direkt oder indirekt, und die Zeit sei nun gekommen, den Streit zu beenden. Persönlich mache sie den Präsidenten für die missliche Lage verantwortlich, in der sie stecke. Trump habe über «diese verdammte Mauer» einen Machtkampf mit den Demokraten im Parlament vom Zaun gebrochen, ohne sich über die Konsequenzen den Kopf zu zerbrechen.

Andere Angestellte der Bundesregierung, die anonym bleiben wollen, zeigen sich ähnlich frustriert und wütend über den Stillstand. Und eine Gruppe von Staatsdienern spekuliert darüber, wie lange der Haushaltsstreit zwischen Regierung und Parlament, von dem landesweit gegen 800 000 Angestellte der Bundesregierung betroffen sind, noch andauern wird. Derweil singt ein Strassenmusiker zur Melodie des Gassenhauers «Stand by Me» ein selbstgetextetes Lied, das er «Shutdown Song» nennt.

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