Israel
Spitzname «Bulldozer» – Ariel Sharon war verehrt und gefürchtet

Seit Januar 2006 lag Ariel Sharon, Erfinder der Likud-Partei, Gründer der Kadima und israelischer Premier von 2001 bis 2006, im Koma. Am Samstag ist Sharon 85-jährig nun in einem Krankenhaus bei Tel Aviv gestorben.

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Ariel Sharon – ein Rückblick in Bildern
20 Bilder
Sharon (links) mit Shimon Peres, dem heutigen Staatspräsidenten Israels auf einer Aufnahme von 2005.
Sharon auf einem Foto von 2004 als Premierminister.
Sharon als Premieriminister (links) zusammen mit dem ex-US-Präsidenten George Bush und dem Palästinensischen Premierminister Mahmud Abbas (Aufnahme von 2003).
Sharon auf einer Aufnahme von 2001 an der Klagemauer.
Sharon (links) mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin bei einem Treffen im Moskauer Kreml (Aufnahme von 2001).
Sharon (rechts) mit ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem deutschen Reichstag (Aufnahme von 2001).
Sharon (Mitte) mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (2. v. re.) in Berlin-Grünewald beim Mahnmal zu den deportierten Juden.
Sharon mit seinem Hund Schwartz auf seiner Farm im südlichen Israel (Aufnahme von 2001).
Sharon als Aussenminister (rechts) trifft den verstorbenen Palästinenserführer Yasser Arafat (Aufnahme von 1998).
Sharon (links) mit dem ehemaligen deutschen Aussenminister Joschka Fischer (Aufnahme von 1999).
Sharon auf seiner Farm auf einer Aufnahme von 1993.
Sharon mit seiner Frau Lily an einem Parteianlass in Tel Aviv (Aufnahme von 1986).
Sharon mit seiner Frau Lily auf einem israelischen Flugzeugstützpunkt (Aufnahme von 1982).
Sharon (vorne) als Verteidigungsminister auf einer Aufnahme von 1982, als israelische Truppen den Libanon besetzten.
Sharon auf seiner Farm (Aufnahme von 1979).
Sharon (rechts) 1977 als Landwirtschaftsminister.
Sharon als Oberkommandierender in der Wüste Sinai beim Yom-Kippur-Krieg von 1973.
Sharon (rechts) in der Westbank als Oberkommandierender der Israelischen Armee (Aufnahme von 1973).
Sharon als Oberkommandierender beim Sechs-Tage-Krieg von Israel in der Wüste Sinai (Aufnahme von 1967).

Ariel Sharon – ein Rückblick in Bildern

Keystone

Der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Scharon ist tot. Nach acht Jahren im Koma starb er am Samstag im Alter von 85 Jahren in einem Spital bei Tel Aviv. Ein Sprecher von Regierungschef Benjamin Netanjahu bestätigte entsprechende Medienberichte.

Der frühere Politiker und Militär hatte 2006 einen Schlaganfall erlitten und seither im Koma gelegen. Er hatte seit Tagen mit dem Tode gerungen. Seine engste Familie harrte seit mehr als einer Woche an seinem Krankenbett in einer Spezialklinik in Tel Haschomer aus. Zuletzt hatten die Ärzte von multiplen Organschädigungen berichtet.

"Er ist von uns gegangen. Er ist gegangen, als er sich entschieden hatte zu gehen", sagte Scharons Sohn Gilad nach Angaben des israelischen Internetportals ynetnews.com. Scharon wäre am 27. Februar 86 Jahre alt geworden.

"Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren", erklärte Präsident Schimon Peres am Samstag. "Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte und sein Land liebte ihn." Peres würdigte Scharon als einen der grössten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels, der keine Furcht gekannt habe.

Hamas nennt Scharon einen Kriminellen

Ganz anders fiel die Reaktion der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas aus: Sie bezeichnete Scharon als Kriminellen und wünschte ihn nach seinem Tod zur Hölle. "Scharon ist ein Krimineller, und er zählte zu denen, die Unglück über das palästinensische Volk gebracht hat", erklärte Hamas-Sprecher Salah al-Bardawil am Samstag in Gaza.

Mit Scharon werde für die Palästinenser immer die Erinnerung an Schmerz, Blut, Folter, Vertreibung und Verbrechen verbunden sein. "Wir beten zu Allah, dass Scharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle gehen", hiess es in der Erklärung, die Reportern in einer E-Mail übermittelt wurde.

Verehrt und gefürchtet

Scharon war von 2001 an fünf Jahre lang Regierungschef. Der als Kriegsheld verehrte Politiker setzte 2005 den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen durch. Nach Streit mit den alten Weggefährten verliess Scharon den von ihm mitbegründeten rechtsorientierten Likud und gründete 2005 die Partei der Mitte, Kadima.

Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa war während seiner langen Karriere in Armee und Politik von Anhängern verehrt, aber von Gegnern gefürchtet und gehasst. Sein legendäres Stehvermögen in politischen Auseinandersetzungen brachten ihm den Spitznamen "Bulldozer" ein.

Den Bau israelischer Siedlungen in den 1967 besetzten arabischen Gebieten unterstützte Scharon anfangs massiv. Im kollektiven Gedächtnis der Araber wird Scharon wohl immer der "Schlächter von Beirut" bleiben.

Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbandelte libanesische Milizen 1982 ein Massaker an Hunderten Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila begangen. Eine israelische Kommission attestierte dem damaligen Verteidigungsminister Scharon indirekt eine Mitschuld. Der Ex-General musste 1983 sein Amt räumen.

Sharon erhält Staatsbegräbnis

Der frühere israelische Regierungschef Ariel Scharon wird ein Staatsbegräbnis erhalten. Von diesem Sonntag an soll der Leichnam Medienberichten zufolge zunächst in der Knesset, dem Parlamentsgebäude in Jerusalem, aufgebahrt werden. Dort kann die Öffentlichkeit von Scharon Abschied nehmen.

Das Begräbnis werde vom Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu organisiert, sagte dessen Sprecher Mark Regev auf Anfrage. Ein Datum für die Beisetzung stehe noch nicht fest. Scharon hatte gebeten, neben seiner zweiten, im Jahre 2000 gestorbenen Frau Lily auf einem Hügel bei seiner Farm im Süden Israels beerdigt zu werden.