Staatsakt wird zur Lachnummer

Bei der Vereidigung der neuen Regierung in Österreich sorgt der ORF mit falschen Untertitel unfreiwillig für Komik.

Rudolf Gruber aus Wien
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Szenen der Vereidigung mit Texten aus einer Telenovela.
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Szenen der Vereidigung mit Texten aus einer Telenovela.
Szenen der Vereidigung mit Texten aus einer Telenovela.

Szenen der Vereidigung mit Texten aus einer Telenovela.

Bilder: Screenshots ORF

Zunächst glaubte man, die berüchtigte Wiener Satiretruppe «Maschek» – das ist böhmisch-­wienerisch und bedeutet so viel wie «von hinterrücks» – sei da am Werk gewesen. Doch was dem Österreichischen Fernsehen (ORF) bei der Direktübertragung der Vereidigung der neuen Regierung am Dienstag unterlaufen ist, war weder Absicht noch hätte dies der boshafteste und geistreichste Satiriker erfinden können.

Zu den pittoresken Bildern aus der Wiener Hofburg, dem Amtssitz des österreichischen Bundespräsidenten, liefen irrtümlich falsche und absurde Untertitel. Diese stammten aus der Kitschserie «Alisa – Folge deinem Herzen», die zuvor gesendet worden war. So standen, während Bundespräsident Alexander Van der Bellen unter der in Öl verewigten Maria Theresia die einzelnen Minister ernannte, teils umwerfend komische und sogar zufällig treffende Kommentare zu lesen.

«Hoffentlich hält die Strumpfhose»

Beispielsweise in dieser Szene: Der greise Präsident Van der Bellen und der junge Kanzler Sebastian Kurz sitzen am barocken Schreibtisch nebeneinander. Beim Unterschreiben der ­Ernennungsurkunde läuft im Untertitel die Alarmmeldung: «Hoffentlich hält die Strumpfhose.» Augenblicke später scheint der Präsident Kurz zu fragen: «Was war das denn jetzt?» In einer anderen Szene wird aus dem Präsidenten ein Pfarrer, der mit Blick auf Kurz sagt: «Okay, ich taufe dich auf den Namen Isabelle.» Während der Überreichung der Ernennungsurkunden an die einzelnen Regierungsmitglieder liefen recht treffende Kommentare wie: «Schade, dass Elisa den Job nicht bekam», «Danke, Papa», «Mama hat nichts dagegen?»

Auch die ORF-Journalisten bekamen ihr Fett weg. Moderator Tobias Pötzelsberger schien nicht recht bei der Sache, als er zu seinem Reporter Fritz Dittelbacher in die Hofburg schalten wollte, denn der Untertitel unterjubelte ihm eine Denkblase: «Verdammte Schei***, was soll ich Alisa sagen?» Auch Dittelbachers Anmoderation klang seltsam abwesend: «Ich muss zur Jubiläumsfeier, Mama will zum Feuerwerk.»

Ein ORF-Sprecher entschuldigte sich für die Panne. Sie sei auf einen «Abwicklungsfehler» zurückzuführen. Die falschen Untertitel seien aber lediglich auf der Kopie in der TV-Thek gelaufen und umgehend gelöscht worden. Der Livestream sei ­davon nicht betroffen gewesen.

«Liebe ORFler, dafür müsst ihr euch nicht entschuldigen!», postet einer der Zuseher quietschvergnügt. Tatsächlich haben sich die Österreicher, die am ORF meist kaum ein gutes Haar lassen, selten so gut unterhalten. Im Netz sind die Screenshots weiterhin abrufbar, während auf der Webseite des ORF kein Wort darüber verloren wird. Bestätigt sich einmal mehr die alte Weisheit: Die schönste Freude ist eben die Schadenfreude.