Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Hitler-Attentäter Stauffenberg – edler Gutmensch oder Retour-Phantast?

Eine neue Biographie von Thomas Karlauf des Hitler-Attentäters sorgt auf den 75. Jahrestag des 20. Juli 1944 für Aufregung in Deutschland
Christoph Bopp

An Versuchen, Hitler zu töten, hat es nicht gefehlt. Zwei scheinen eindrücklicher als der Rest.

Die eingestürzte Decke des Bürgerbräu-Kellers in München. Bild: Deutsches Bundesarchiv

Die eingestürzte Decke des Bürgerbräu-Kellers in München. Bild: Deutsches Bundesarchiv

Am 8. November 1939 explodierte im Münchner Bürgerbräukeller eine in einem Pfeiler versteckte Bombe. Der Mann, dem die Bombe galt, Adolf Hitler, hatte die Versammlung schon verlassen. Es gab acht Tote und mehrere Verletzte.

Georg Elser (1903-1945). Bild: Schweizerisches Bundesarchiv

Georg Elser (1903-1945). Bild: Schweizerisches Bundesarchiv

Verantwortlich für die Tat war der Schreiner Georg Elser. Er hatte den Pfeiler nächtelang für die Bombe präpariert und sich deswegen im Keller einschliessen lassen. Der Zeitzünder funktionierte perfekt. Aber Hitler war weg, und Elser wurde – kurz bevor er die Schweizer Grenze passieren konnte– am gleichen Abend noch verhaftet.

NS-Reichsleiter Martin Bormann (links) und Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) begutachten die Zerstörung in Hitlers Besprechungsbaracke.

NS-Reichsleiter Martin Bormann (links) und Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) begutachten die Zerstörung in Hitlers Besprechungsbaracke.

Zwei Verschwörer des 20. Juli 1944: Claus Schenk Graf von Stauffenberg (links) und Albrecht Ritter Merz von Quirnheim. Beide wurde in der Nacht des 20. Juli 1944 standrechtlich erschossen.

Zwei Verschwörer des 20. Juli 1944: Claus Schenk Graf von Stauffenberg (links) und Albrecht Ritter Merz von Quirnheim. Beide wurde in der Nacht des 20. Juli 1944 standrechtlich erschossen.

Am 20. Juli 1944 explodierte in einer Besprechungsbaracke in Hitlers Hauptquartier in Ostpreussen eine Bombe. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte sie in seiner Aktentasche mitgebracht. Wegen einer Kriegsverletzung hatte er nur noch drei Finger und konnte so eine zweite Ladung nicht mehr scharf machen. Auch diese Bombe überlebte Hitler.

Anders als Elser hat Stauffenberg Mitverschwörer, er plant einen Militärputsch nach dem Attentat. Weil Hitlers Tod nicht bestätigt wird, zögern die Verschwörer in Berlin, und als Stauffenberg eintrifft und sie endlich handeln, ist es zu spät. Der innerste Kreis der Offiziersverschwörung wird gleich standrechtlich erschossen.

Führerhauptquartier, 15. Juli 1944. Während Hitler einen General begrüsst, steht Stauffenberg (links) dabei. (Bild: Getty Images)

Führerhauptquartier, 15. Juli 1944. Während Hitler einen General begrüsst, steht Stauffenberg (links) dabei. (Bild: Getty Images)

Elser, der linke Handwerker, ist heute selten ein Thema. Im April 1945 wird er noch im KZ ermordet, dass er auf eigene Faust gehandelt hat, glaubten ihm die Nazis nicht. Sie hofften immer noch, Hintermänner aus dem Ausland zu finden. Offensichtlich ist er heute als Tyrannenmörder «zu normal»: Was wollte er? «Die Stadt vom Tyrannen befreien», so heisst es schon lakonisch in Schillers «Bürgschaft».

Anders beim Adel. Dass er zur Ikone des Widerstands gegen Hitler geworden ist, dafür kann Stauffenberg nichts. Er selber sah es klarer: Nach den Regeln seiner (Adels- und Offiziers-) Kaste war er ein Verräter. Dass er sich dazu – wenn auch spät – hindurchgerungen hat, das muss man ihm anrechnen.

Das Gute ist nicht immer gleich wie das Moralische

Dass die Diskussion um Stauffenberg kurz vor dem 75-Jahre-Jubiläum des Attentats wieder aufflammt, ist einer neuen Biografie zu verdanken. Thomas Karlauf («Stauffenberg. Porträt eines Attentäters.», Blessing-Verlag) unterzieht die Motivlage einer erneuten Untersuchung. Inhaltlich ist alles bekannt: Stauffenberg war zwar nie in der Partei (weil Offiziere «über den Parteien» stehen müssen), aber sympathisierte stark mit der Nazi-Ideologie. Bis zum Grossmachtstreben und der Judenfeindschaft.

Der Dichter Stefan George (1868-1933) sammelte einen «Freundeskreis» um sich, zu dem auch die Gebrüder Stauffenberg gehörten.

Der Dichter Stefan George (1868-1933) sammelte einen «Freundeskreis» um sich, zu dem auch die Gebrüder Stauffenberg gehörten.

Grund dafür war das Gedankengut des George-Kreises, wo sich halt vieles findet, was gut zum Deutschland nach 1933 passt. Nicht zuletzt das Führertum und das Völkische. Dort – bei den Gedanken des «Meisters» – sieht Karlauf die Motive. Stauffenberg schritt nicht primär deshalb zur Tat, weil er – endlich – in Hitler das Böse erkannte, sondern weil Hitler «Ideale» verraten hat. Das Ideal von Deutschland als führende Macht (gern fügen Deutsche «geistig» hinzu) und Vollender Europas. Das ist härter noch als «Attentäter». Akzeptiert ist der Umkehrschluss: Hitler musste beseitigt werden, weil er Deutschland zugrunde richtete.

An Motiven zum Widerstand gegen die Staatsgewalt heute mangelt es auch nicht. Immerhin zur «Jagd» auf die Kanzlerin wurde schon geblasen. «Verrat» wird auch hier unterstellt. An welchem Ideal?

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.