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STICHWAHL: Schulterschluss gegen Le Pen

Mit Emmanuel Macron und Marine Le Pen, den Siegern der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen, kommt es in zwei Wochen zu einem Duell der Gegensätze. Die meisten Wahlverlierer rufen zur Wahl Macrons auf.
Stefan Brändle, Paris
Sie treffen in der Stichwahl um das französische Präsidentenamt aufeinander: Der Parteilose Emmanuel Macron und die Front-National-Chefin Marine Le Pen. (Bilder: Keystone)

Sie treffen in der Stichwahl um das französische Präsidentenamt aufeinander: Der Parteilose Emmanuel Macron und die Front-National-Chefin Marine Le Pen. (Bilder: Keystone)

Stefan Brändle, Paris

Nach mehreren Hochrechnungen erhielt der Parteilose Emmanuel Macron bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich gestern rund 23,9 Prozent der Stimmen, während die Front-National-Chefin Marine Le Pen etwa 21,7 Prozent machte. Der Konservative François Fillon und der Linke Jean-Luc Mélenchon erreichten 20 beziehungsweise 19,2 Prozent und schieden damit aus dem Rennen. Am 7. Mai werden damit der Proeuropäer Macron und die EU-Gegnerin Le Pen zur Stichwahl gegeneinander antreten. Während sich Macron zuerst nicht äusserte, erklärte Le Pen, sie verkörpere eine wirkliche Wende mit wirklich neuen Köpfen.

Dasselbe hatte bisher Macron für sich in Anspruch genommen. Le Pen bezeichnete ihn hingegen als «Erben Hollandes», da er unter dem amtierenden Staatschef als Wirtschaftsminister gedient hatte. Die meisten Wahlverlierer riefen am Sonntagabend zur Wahl Macrons auf. Das galt namentlich für den unterlegenen Sozialisten Benoît Hamon, der mit weniger als 7 Prozent ein klägliches Resultat erzielte, aber auch für Fillon. Der sichtlich gezeichnete Liberalkonservative rief dazu auf, gegen den «gewalttätigen» Front National zu stimmen, und sagte: «Ich werde für Emmanuel Macron einlegen.»

Wortmeldung von Cazeneuve dürfte noch zu reden geben

Fillon, der noch im Januar klarer Wahlfavorit gewesen war, verlor die Wahl wohl wegen seiner Penelope-Affäre. Das zeigt auch das gute Resultat des dissidenten Gaullisten Nicolas Dupoint-Aignan, der rund 5 Prozent der Stimmen erhielt: Auf ihn wichen zweifellos zahl­reiche Wähler der konservativen Republikaner aus. Zur Wahl Macrons rief auch der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve auf. Dass sich ein amtierender Regierungschef in den Wahlabend einschaltete und eine ausdrückliche Wahlempfehlung für einen der beiden Kandidaten abgab, dürfte noch zu reden geben; auch dies offenbarte aber, wie sehr sich das «republikanische» Frankreich nun um einen Schulterschluss gegen den Front National (FN) bemüht.

FN-Vize Florian Philippot richtete dagegen einen Appell an alle Wähler der Rechten, «die das Gefühl haben können, um den Wahlsieg gebracht worden zu sein», sie sollten doch für Le Pen einlegen. Wie spannend die Wahl war, zeigte die Entwicklung der letzten, an sich untersagten Umfragen während des Wochenendes. Eine nur unter der Hand zirkulierende Erhebung der Armee sah Le Pen und Fillon noch am Samstag mit je gut 22 Prozent der Stimmen vorne; Macron wäre demnach mit 20,8 Prozent ausgeschieden. Am Sonntag veranschlagte das belgische Fernsehen RTBF aber Macron bei 24 Prozent, Le Pen und Fillon dahinter bei je 22 Prozent. Bald zeigte sich, dass Macron der Einzug ins Finale aber nicht mehr zu nehmen war.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Der erste Wahlgang fand wegen der Wahlchancen Le Pens, aber auch nach dem jüngsten Terroranschlag in Paris internationale Beachtung. Sogar US-Präsident Donald Trump twitterte, es handle sich um eine «sehr interessante» Wahl. Die Regierung hatte insgesamt 50 000 Ordnungshüter mobilisiert, um in den 67 000 Wahllokalen Zwischenfälle zu vermeiden. Sie reagierte damit auf das Attentat auf den Pariser Champs-Elysées, wo ein IS-Sympathisant am Donnerstag einen Polizisten erschossen und zwei weitere verletzt hatte. Hinter dem Bemühen, die Lage nicht über Gebühr zu dramatisieren, steckte wohl auch die Befürchtung, dass der Anschlag letztlich nur Le Pen in die Hände spielen könnte.

In der nordfranzösischen Kleinstadt Hénin-Beaumont, wo der rechtsextreme Front National (FN) regiert, warteten am Sonntagmorgen ein Grossaufgebot der Polizei sowie rund hundert Journalisten auf die Ankunft der FN-Kandidatin Le Pen, die dort im Stimmregister eingetragen ist. Ihre private Leibwache hatte sich schon Stunden zuvor mit orangen Binden strategisch platziert. Fast unbemerkt von der medialen Öffentlichkeit gab in Tulle derweil François Hollande seine Stimme ab. Der sozialistische Präsident, dem in seiner fünfjährigen Amtszeit nicht viel gelang, war in den letzten Wochen fast aus den Schlagzeilen verschwunden. Dieser Umstand ist an sich schon unerhört in einem Staatssystem, das wegen der Allmacht der Präsidenten häufig als «republikanische Monarchie» bezeichnet wird. Dass der Staatschef fast von der Bildfläche verschwunden ist, spricht Bände über die unterschwelligen und sichtbaren Veränderungen, die Frankreich erfasst haben.

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