Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STICHWAHL: Tschechiens Präsident muss um seine Wiederwahl fürchten

Miloš Zeman ist ein altgedienter Politprofi. In der Präsidentschaftswahl könnte dem populistischen Staatschef aber ein politisch unerfahrener Intellektueller gefährlich werden. Jirí Drahoš steht für Weltoffenheit und eine politische Kultur des Respekts.
Der tchechische Präsident Milos Zeman findet, dass nicht nur der Finanzminister, sondern auch der Regierungschef zurücktreten sollen (Archiv). (Bild: Keystone)

Der tchechische Präsident Milos Zeman findet, dass nicht nur der Finanzminister, sondern auch der Regierungschef zurücktreten sollen (Archiv). (Bild: Keystone)

Der amtierende tschechische Präsident Miloš Zeman ist als stärkster Kandidat aus dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen am vergangenen Wochenende hervorgegangen. Er kam auf 38,6 Prozent der Wählerstimmen. In der Stichwahl gegen den zweitplatzierten Chemieprofessor Jirí Drahoš in zwei Wochen muss Zeman jedoch um seine Wiederwahl fürchten – darin sind sich die Medien des Landes einig.

«Die Chancen, dass Zeman besiegt werden kann, sind gross», schreibt die liberale Wochenzeitung «Respekt». Zwar kam der parteilose Drahoš im ersten Wahlgang auf nur 26,6 Prozent. Mehrere der Kandidaten, die bereits im ersten Wahlgang aus dem Rennen schieden, empfahlen ihren Wählern jedoch, sich in der Stichwahl für Drahoš zu entscheiden. Der ehemalige tschechische Botschafter in Frankreich, Pavel Fischer, der mit gut 10 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter aus dem ersten Wahlgang hervorging, erklärte gestern, seine Wähler «zu ermutigen», in der Stichwahl am 26. und 27. Januar für Drahoš zu stimmen.

Prominente Unterstützung für parteilosen Kandidaten

Auch der Musikproduzent und Schriftsteller Michal Horácek sowie Ex-Ministerpräsident Mirek Topolánek, die beide ebenfalls antraten, erklärten ihre Unterstützung für Drahoš. Der nüchterne Chemiker, der bis März des vergangenen Jahres die Tschechische Akademie der Wissenschaften leitete, hat den Wahlkampf mit einem proeuropäischen Programm bestritten. Den amtierenden Zeman, der seinerseits auf nationalistische und islamfeindliche Parolen setzt, hat er immer wieder für dessen populistische und fremdenfeindliche Äusserungen kritisiert. Auch unmittelbar nach dem ersten Wahlgang griff Drahoš seinen Kontrahenten indirekt an. Er wolle sich für eine politische Kultur des Anstands und Respekts einsetzen, erklärte Drahoš, der den ersten demokratisch gewählten Präsidenten der früheren Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, mehrfach als sein Vorbild bezeichnet hat. «Ich denke erst und rede dann», sagte Drahoš am Samstag. Unterstützung erfährt Drahoš vor allem aus dem urbanen Milieu. Klára Bulantová will dem Chemiker auch im zweiten Wahlgang ihre Stimme geben. «Ich will mich nicht mehr für den Präsidenten meines Landes schämen müssen», sagt die Politikwissenschafterin aus Prag im Gespräch mit unserer Zeitung.

«Gespaltene Gesellschaft nicht weiter polarisieren»

Von einem Präsidenten Drahoš erwartet Bulantová, «dass er versucht, die gespaltene Gesellschaft nicht weiter zu polarisieren. Ein Präsident sollte den Unterschied zwischen Flüchtling, Migrant, Muslim und Terrorist verstehen.» Der studierte Ökonom Zeman, der nach einem Gesetz von 2012 als erster tschechischer Präsident direkt vom Volk gewählt wurde, hat den Islam in der Vergangenheit als «Religion des Hasses» und Muslime als «unintegrierbar» bezeichnet. Seinen Landsleuten riet er, sich «gegen Terroristen» zu bewaffnen.

Sollte Zeman in der Stichwahl unterliegen, muss ein weiterer tschechischer Spitzenpolitiker um seine politische Zukunft bangen: Drahoš hat bereits angekündigt, Tschechiens neuem Premier Andrej Babiš seine Unterstützung zu verweigern. Der Milliardär und Medienunternehmer Babiš steht wegen Korruptionsverdacht unter Druck. Morgen findet im Parlament in Prag eine Vertrauensabstimmung über seine Minderheitsregierung statt.

Isabelle Daniel

Jiri Drahoš. (Bild: EPA)

Jiri Drahoš. (Bild: EPA)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.