Jahreswechsel
Streng bewacht: So feiern Europas Hauptstädte im Schatten des Terrors

Mit mehr Polizei und schärferen Kontrollen wollen Europas Hauptstädte angesichts der gewachsenen Terrorgefahr für Sicherheit bei Neujahrsfeiern sorgen. Zugleich wird aber betont, dass es keine konkreten Hinweise auf Terroranschläge gebe.

Merken
Drucken
Teilen
In Frankreich sorgen zum Jahreswechsel rund 60000 Polizisten und Soldaten für Sicherheit
6 Bilder
Silvester im Schatten des Terrors
Das offizielle Feuerwerk in der französischen Hauptstadt wurde abgesagt
In Berlin gilt Rucksackverbot
Die Silvesterparty will man sich aber nicht vermiesen lassen
Auch in den USA gelten verschärfte Sicherheitsmassnahmen

In Frankreich sorgen zum Jahreswechsel rund 60000 Polizisten und Soldaten für Sicherheit

Keystone

In Frankreich herrscht seit den Anschlägen vom 13. November Ausnahmezustand. Nun sollen landesweit rund 60'000 Polizisten und Militärs die Nacht ins neue Jahr absichern. Am Silvesterabend ist das offizielle Feuerwerk in Paris abgesagt, private Böller und Raketen sind dort zu Silvester ohnehin immer verboten.

Die Bereiche um Champs-Élysées und Eiffelturm sind zu Silvester stets weiträumig abgesperrt und kontrolliert. In diesem Jahr soll zudem ohne grosse Show alles eher ruhig und nüchtern werden.

In Brüssel wollte Bürgermeister Yvan Mayeur erst noch entscheiden, ob das Silvesterfeuerwerk stattfinden kann. Jedenfalls soll es nur einen einzigen Zugang zur Festmeile in der Innenstadt geben, wie der Sender RTBF berichtet. Die erwarteten 50'000 Zuschauer sind gebeten, auf Taschen zu verzichten und sich auf Kontrollen einzustellen.

Nach der Verhaftung von zwei Terrorverdächtigen gab die Staatsanwaltschaft bekannt, während der Feierlichkeiten zum Jahresende seien Anschläge an mehreren "symbolträchtigen Orten" Brüssels geplant gewesen.

Rucksäcke in Berlin verboten

Auch in Berlin findet die grösste Open-Air-Silvesterparty Deutschlands unter verschärften Sicherheitsmassnahmen statt. Mehrere Hunderttausend Menschen werden auf einer rund zwei Kilometer langen Feiermeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule erwartet.

Zwar gibt es keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen in Berlin, wie ein Polizeisprecher sagte. Es herrsche aber eine hohe abstrakte Gefährdung. Mehr Polizisten seien im Einsatz als im Vorjahr - insbesondere rund um die grosse Outdoor-Feier. Dort sollen 900 Beamte für Sicherheit sorgen, 150 mehr als vergangenes Silvester.

Auf dem Gelände selbst sind nach Angaben der Veranstalter erstmals grosse Taschen und Rucksäcke verboten - als Reaktion auf die Anschläge von Paris, wie eine Sprecherin sagte. Ausserdem sollen alle Taschen kontrolliert werden.

Im Zentrum Londons sind laut Polizei rund 3000 Polizisten auf den Strassen. Ausdrücklich heisst es aber: "Unsere Pläne sind reine Vorsichtsmassnahmen und nicht die Folge irgendwelcher konkreter Geheimdienstinformationen." Wer das grosse Feuerwerk am London Eye aus der Nähe betrachten will, braucht ein Ticket.

Mehr Polizei in Rom

In Italien seien zu Silvester mehr Beamte als üblich im Einsatz, sagte ein Polizeisprecher in Rom. Bei der grössten Silvester-Party in der Hauptstadt, dem Konzert im Circo Massimo mit Tausenden Menschen, werden alle Besucher mit Metalldetektoren kontrolliert. Der Zugang zum Madrider Hauptplatz Puerta del Sol ("Sonnentor"), wo traditionell Zigtausende das neue Jahr begrüssen, soll erstmals "reguliert" werden.

In den USA haben die Behörden von New York allen Einheimischen und Touristen versichert, dass sie keine Angst vor Anschlägen haben müssten. Nach Angaben von Bürgermeister Bill de Blasio sind die Sicherheitsmassnahmen vor den Feiern zum Neuen Jahr umfassender denn je: "Wir haben eine riesige Zahl von Polizisten am Silvesterabend draussen."

Roter Platz für Öffentlichkeit geschlossenWohl leer bleiben wird dagegen in diesem Jahr der wichtigste Platz Russlands: Der Rote Platz bleibt in der Silvesternacht erstmals für die Öffentlichkeit geschlossen.

Jeder, der sich zu dem Platz begebe, um auf den Anbruch des neuen Jahres zu warten, werde von der Polizei fortgeschickt, kündigte Moskaus Sicherheitschef Alexej Majorow an. Für gewöhnlich versammeln sich alljährlich tausende Moskauer und Touristen auf dem Platz, wenn dort zum Jahreswechsel die Kreml-Glocken läuten.

Sicherheitsvorkehrungen auch in Bern

In Bern ist die Polizei schon seit den Anschlägen von Paris im November stärker präsent. Das bleibt vorderhand auch so. "Nach wie vor haben wir eine sehr starke Präsenz", stellte Corinne Müller, Leiterin der Medienstelle, auf Anfrage fest.

Die Kantonspolizei Bern beurteile die Lage laufend, das gelte auch für die aktuelle Festtagszeit. "Dazu stehen wir in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen beim Bund und ergreifen gestützt darauf und wenn situativ notwendig entsprechend gezielte Massnahmen", erklärte Müller.

Das Dispositiv werde laufend angepasst, betonte sie. Über konkrete Sicherheitsvorkehrungen sowie weitere Massnahmen mache die Polizei aus taktischen Gründen keine Angaben.

"Generell halten wir fest, dass alles getan, um der Bevölkerung die grösstmögliche Sicherheit zu bieten", erklärte Müller. "Trotz aller Massnahmen können Ereignisse aber auch bei uns nicht ausgeschlossen werden. "