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SÜDAFRIKA: Fotos überführen die Täter

Immer noch kommt es zu Übergriffen auf Ausländer. Die Fotos eines Mordes auf offener Strasse bringen die südafrikanische ­Regierung in Verlegenheit.
Wolfgang Drechsler, Kapstadt
Bei ausländerfeindlichen Unruhen am 18. April hat eine Gruppe farbiger Südafrikaner in der Township von Alexandra den Mosambikaner Emmanuel Sithole niedergeschlagen. Der junge Mann wird kurz danach erstochen. (Bild: Keystone/Gallo Images)

Bei ausländerfeindlichen Unruhen am 18. April hat eine Gruppe farbiger Südafrikaner in der Township von Alexandra den Mosambikaner Emmanuel Sithole niedergeschlagen. Der junge Mann wird kurz danach erstochen. (Bild: Keystone/Gallo Images)

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Alle grossen Einschnitte haben für gewöhnlich ein Bild, das das jeweilige Ereignis wie kein anderes dokumentiert. Als es 1976 in der Township Soweto bei Johannesburg zu schweren Unruhen gegen die damalige Apartheidregierung kam, war dies ein Foto des sterbenden Hector Pietersen in den Armen eines Mitstreiters. Und als es 2008 zu den ersten ausländerfeindfeindlichen Unruhen in Südafrika kam, spiegelte ein Foto des vom Mob lebendig verbrannten Mosambikaners Ernesto Nhamuvane den tiefen Einschnitt für die vermeintliche Regenbogennation wider.

Gaffer umringten sterbenden Mann

Sieben Jahren später wirken die Pogrome schwarzer Südafrikaner gegen Zuwanderer aus anderen Teilen Afrikas wie ein Déjà-vu der damaligen Unruhen. Diesmal ist es wieder das Bild eines Mordes, welches das Ausmass des Fremdenhasses wie kein anderes greift – und von einem zufällig anwesenden Fotografen geschossen wurde. Es zeigt, wie mehrere Männer den Mosambikaner Emmanuel Sithole umringen, mit einem Wagenheber niederschlagen, auf ihn einstechen und ihm schliesslich ein Jagdmesser in die Brust rammen. Sithole verstarb an Ort und Stelle, umringt von gaffenden Menschen.

Nigeria zieht Hochkommissar ab

Immer noch kommt es auch zwei Wochen nach seiner Ermordung zu einzelnen ausländerfeindlichen Übergriffen, auch wenn die Lage nach dem Einsatz der Armee erst einmal unter Kontrolle ist. Auch wenn diesmal weit weniger Immigranten als 2008 ums Leben kamen, damals wurden 62 ermordet, ist dies für Südafrika nur ein schwacher Trost. Anders als damals haben diesmal nämlich die Heimatländer der Angegriffenen und Vertriebenen weit wütender reagiert: Nigeria zog seinen Hochkommissar vom Kap ab und drohte sogar damit, südafrikanischen Konzernen im eigenen Land die Geschäftslizenz zu entziehen, wenn die Unruhen nicht unverzüglich beendet würden. Und in Mosambik musste der südafrikanische Petrochemie-Konzern Sasol seine Mitarbeiter in Sicherheit bringen, die dort ein Gaskraftwerk bauen.

Immenser Imageschaden

Inzwischen dämmert Südafrikas Regierung, welch immensen Schaden die Jagd auf Ausländer international anrichtet, zumal in der Vergangenheit kaum Konsequenzen gezogen wurden. Das Afrikanische Zentrum für Migration in Johannesburg schätzt zum Beispiel, dass seit 2008 mindestens 350 Ausländer bei fremdenfeindlicher Gewalt ums Leben gekommen sind. Allerdings sei es dabei nur in einem einzigen Fall zu einer Verurteilung gekommen.

Immerhin wurden die Mörder von Emmanuel Sithole dank der Aufnahmen des Fotografen inzwischen festgenommen. Auch Staatschef Jacob Zuma gab sich für einmal demütig und gestand ein, dass seine Regierung nicht aus den Ereignissen von vor sieben Jahren gelernt habe. «Wir dachten, genug getan zu haben und dass der Hass vorüber ist», erklärte Zuma reumütig. Immerhin sagte der Präsident eine Auslandsreise ab und besuchte einige der ausländerfeindlichen Brennpunkte in der Provinz Kwazulu Natal, aus der er selbst stammt. Auch betonte er wiederholt, dass die Angriffe durch nichts zu rechtfertigen seien. Gleichzeitig warf er den Medien aber auch vor, «unpatriotisch gewesen zu sein», weil sie das Foto des Mordes veröffentlicht hätten.

Auch erwähnte Zuma mit keinem Wort die Brandrede von Zulu-König Goodwill Zwelithini, der die Ausländer vor Ausbruch der Unruhen öffentlich aufgefordert hatte, «ihre Koffer zu packen und zu gehen». Viele Beobachter sehen darin einen der Hauptgründe für die jüngste Eskalation. Allerdings ist kaum damit zu rechnen, dass der Zulu-König, der sich missverstanden fühlt, in Den Haag vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt wird, wie dies einige Menschenrechtler offenbar planen.

Lebensmittelpreise explodieren

Der Hauptgrund für die plötzliche Gewalt dürfte ohnehin in der immer schlechteren Wirtschaftslage am Kap und der schwachen Führung des Landes unter Zuma liegen. Vor allem viele arme Südafrikaner leiden immer mehr unter den explodierenden Lebensmittel- und Stromkosten. Auch wenn Zuma davor warnte, die Schuld an den Missständen den Migranten anzulasten, werden diese von den schwarzen Südafrikanern oft als Konkurrenten und Wurzeln allen Übels betrachtet, weil sie oft eine bessere Ausbildung haben und kein Anspruchsdenken zeigen.

Als einziger Industriestaat in Afrika und vergleichsweise reiches Land ist Südafrika seit langem ein gesuchtes Einwanderungsland für die Millionen von Afrikanern, die vor Bürgerkriegen und korrupten Machthabern fliehen und statt in Europa auf dem eigenen Kontinent eine neue Heimat suchen. Insgesamt dürfte sich der Ausländeranteil am Kap bei einer Gesamtbevölkerung von rund 53 Millionen auf rund 10 Prozent belaufen – eine der höchsten Raten der Welt.

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