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SÜDAFRIKA: Mit Tränengas gegen schwere ausländerfeindliche Ausschreitungen

Hunderte Südafrikaner protestierten am Freitag in Pretoria gegen Ausländer aus Nigeria, Simbabwe oder Somalia. In Nigeria kam es zu Racheakten.
Markus Schönherr, Kapstadt
Ein Polizist schiesst mit Gummischrot auf die Demonstranten. (Bild: Kim Ludbrook/EPA (Pretoria, 24. Februar 2017))

Ein Polizist schiesst mit Gummischrot auf die Demonstranten. (Bild: Kim Ludbrook/EPA (Pretoria, 24. Februar 2017))

Nur ausgebrannte Häuser sind übrig. Geschäftsleute sitzen auf den Trümmern ihrer Existenz. In der Luft hängt der stechende Dunst von Tränengas. Diese Szenen beherrschten schon seit eineinhalb Wochen die Townships und Vororte von Johannesburg und Pretoria. Dort war es zu schweren Ausschreitungen gegen Ausländer gekommen. Mindestens 20 Geschäfte wurden allein in den vergangenen Tagen geplündert und zerstört, zehn Häuser brannte die Menge nieder.

Am Freitag kam es erneut zu Gewalt, als sich in Atteridgeville, einer Township westlich von Pretoria, Hunderte zu einem «Marsch gegen Ausländer» versammelten. «Eine Gruppe belagerte unser Haus, blockierte die Strasse und bewarf unsere Wagen mit Steinen», sagt der Ingenieur Matshelela Nomcnyoni. Vor brennenden Autoreifen bedrohten Demonstranten Journalisten und stahlen die Mobiltelefone von Passanten. Später gingen Bewohner und Immigranten mit Stöcken, Ziegelsteinen und Fäusten aufeinander los. Polizeihelikopter kreisten wenige Meter über der Szene. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas, Wasserwerfer und Gummikugeln ein, um die Gruppen auseinanderzuhalten. 136 Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Bewohner wollen Zeichen setzen

Laut Bewohnern wollte man die Nachbarschaft von Kriminalität säubern und ein Zeichen gegen die ineffektive Polizei setzen. Für viele Südafrikaner steht das wahre Problem fest: Nigerianer, Simbabwer und Somalier, die ihr Glück in Südafrika suchen und zu einer Arbeitslosigkeit von 26 Prozent beitragen.

Nicht nur an Afrikas Südspitze herrschte Wut. Auch knapp 5000 Kilometer weiter nördlich gingen die Menschen auf die Strassen. «Wir wollen ein Afrika, in dem es keinen Platz für Ausländerfeindlichkeit gibt», stand auf ihren Bannern, die sie vor Südafrikas Botschaft in Abuja aufschlugen. «Wir bringen unser Missfallen zum Ausdruck und verlangen, dass die Behörden die Südafrikaner zur Ordnung rufen», wird ein Demonstrant in lokalen Medien zitiert. «Auch wir haben Ausländer hier, und es wäre nicht gut, wenn es zu Vergeltungsschlägen kommt.»

Südafrikas Politiker verurteilten die Zusammenstösse. «Unsere afrikanischen Nachbarn sind unsere Brüder und Schwestern», so Kulturminister Nathi Mthethwa. Allerdings scheint es für beschwichtigende Worte zu spät. Am Donnerstag entluden etliche Nigerianer ihren Zorn und stürmten in Abuja die Büros des Mobilfunkanbieters MTN – eines südafrikanischen Unternehmens. Das Gebäude musste evakuiert werden und blieb geschlossen. Später patrouillierten bewaffnete Sicherheitskräfte vor den Büros. «Fenster und mehrere Gegenstände wurden zerstört und Computer gestohlen», teilte ein Sprecher von Südafrikas Aussenministerium mit. Gefolgt von dem verzweifelten Aufruf: «Afrikaner, vereinigt euch!»

Unterdessen gehen auch an diplomatischer Front die Wogen hoch. «Wie können wir behaupten, eine Regionalmacht zu sein, wenn unsere Bürger in anderen afrikanischen Ländern getötet werden?», fragt der Parlamentsabgeordnete Sergius Ogun.

Nigeria verurteilt Anschläge

Am Dienstag verabschiedete Nigerias Parlament eine Resolution, in der es die Anschläge verurteilte. Nur Stunden später zitierte Nigerias Aussenminister den südafrikanischen Botschafter persönlich zu sich.

Etliche Nigerianer fordern von ihrer Regierung, ihren Botschafter aus Pretoria aus Protest abzuziehen. «Das passiert nicht zum ersten Mal. Und Südafrikaner werden Nigerianer weiterhin ohne erkennbaren Grund töten», sagt Oppositionspolitiker Leo Ogor. Bereits in der Vergangenheit hatten Südafrikaner in den Armenvierteln ihre ausländischen Nachbarn beschuldigt, Arbeitsplätze zu rauben und die Armut anzuheizen. Letztes Jahr sollen Berichten zufolge 20 Nigerianer in Südafrika getötet worden sein. 2008 war es zum bisher schlimmsten Gewaltausbruch gegen Ausländer gekommen. Innerhalb weniger Wochen massakrierten frustrierte Slumbewohner insgesamt mehr als 63 Immigranten. Die Armee musste damals selbst eingreifen, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen.

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