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SÜDAFRIKA: Neue Hoffnung am Kap

Auch die schwer angeschlagene südafrikanische Wirtschaft ist über den Präsidentenwechsel erleichtert und reagiert mit einem Kurssprung. Doch Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit des neuen Regierungschefs bleiben.
Wolfgang Drechsler, Kapstadt
Strassenmarkt im South Western Township in Johannesburg. (Bild: James Strachan/AFP)

Strassenmarkt im South Western Township in Johannesburg. (Bild: James Strachan/AFP)

Wolfgang Drechsler, Kapstadt

Südafrika atmet auf: Nach neun ruinösen Amtsjahren, in denen die Wirtschaft am Kap schwer gelitten hat, ist der von zahllosen Korruptionsvorwürfen geplagte Präsident Jacob Zuma von seinem regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) abberufen worden und letzte Woche widerwillig zurückgetreten.

Ein Hoffnungsträger der Geschäftswelt hat postwendend das höchste Staatsamt übernommen – und an den Finanzmärkten ein wahres Kursfeuerwerk entfacht: Cyril Ramaphosa, ein ehemaliger Gewerkschaftsführer und Geschäftsmann, hat im Land einen Optimismus ausgelöst wie zuletzt der legendäre Freiheitskämpfer Nelson Mandela, der Ramaphosa stets als seinen Nachfolger sah.

Landeswährung auf Dreijahreshoch

Die Johannesburger Börse (JSE) verzeichnete als Reaktion darauf am Donnerstag, dem Tag des Machtantritts von Ramaphosa, den grössten Tagesgewinn in mehr als drei Jahren. Der Leitindex kletterte um mehr als 3,5 Prozent. Auch die Landeswährung Rand, der beste Seismograf für die Stimmungslage am Kap, schnellte gegenüber dem Dollar auf ein Dreijahreshoch. Ein Dollar war so billig wie zuletzt vor knapp drei Jahren. Seit der Wahl Ramaphosas zum Parteichef des ANC im Dezember 2017 hat der Rand nun rund 20 Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet. «Zumas Rücktritt hat zweifellos das hohe politische Risiko verringert, das ein Engagement in Südafrika seit längerem wenig attraktiv gemacht hatte», sagt Jameel Ahmad von der Devisenhandelsfirma FXTM. Selbst die Rendite der richtungsweisenden Regierungsanleihe R186 fiel zum Wochenende um mehr als 20 Basispunkte, was bedeutet, dass Investoren die Kap­republik erstmals als weniger riskant als Mexiko einstufen. «Südafrika ist bislang immer unterm Radar geflogen, während Mexiko bei Schwellenmarktanlegern seit Jahren sehr beliebt war. Dies scheint sich nun zu ändern», sagte Daniel Moreno, Schwellenmarkt-Experte bei Mirabaud Asset Management. Besonders stark profitierte von dem Devisenzustrom der Bankensektor, der am Tag nach Zumas Abgang fast 6 Prozent an Wert gewann.

Allerdings mischen sich in den Freudentaumel über Ramaphosa auch erste kritische Stimmen. Einige Beobachter zweifeln dabei vor allem die Durchsetzungsfähigkeit Ramaphosas in einer seit Jahren von Korruption und Inkompetenz geprägten Regierungspartei an. «Wir sollten nie vergessen, dass der ANC in der Vergangenheit alle Misstrauensanträge gegen Zuma selbst abgeschmettert und dadurch das Zuma-Regime jahrelang an der Macht gehalten hat», warnt der Wirtschaftsexperte Chris Gilmour. Noch immer ungeklärt sei auch die Frage, ob der ANC mehrheitlich wirklich zum Wandel bereit sei. «Die Positionen des ANC zu Marktwirtschaft oder Eigentumsfragen sind so nebulös und widersprüchlich wie immer», konstatiert Tim Cohen, Chefredaktor des «Business Day».

Tief verankerte Korruption

Der Vertrauensverlust der Anleger gründet dabei vor allem auf der nun tief im gesellschaftlichen Gefüge verankerten Korruption. Insbesondere eine mit dem Ex-Präsidenten eng befreundete indische Unternehmerfamilie, die Guptas, steht im Verdacht, weite Teile des Staates, insbesondere den Strommonopolisten Eskom oder den Transportriesen Transnet, aus dem Hintergrund kontrolliert zu haben. Sie sollen auch die Ernennung von Ministern persönlich verfügt haben.

Kein südafrikanischer Präsident seit Mandela habe vor so vielen Herausforderungen gestanden wie Ramaphosa, sagt deshalb auch Ben Payton von der Risikoberatung Verisk Maplecroft. Er habe von seinem Vorgänger ein furchtbares Chaos geerbt – und entsprechend lange würden die nun notwendigen Reparaturarbeiten brauchen.

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