SÜDAFRIKA: Rassendebatte um «süsse Affen»

In einem Beitrag auf Facebook nannte eine weisse Südafrikanerin ihre schwarzen Mitbürger «süsse, aber unartige Affen». Politische Parteien erstatten Anzeige. Es hagelt Todesdrohungen.

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Markus Schönherr, Kapstadt

Südafrika ringt erneut mit seiner rassistischen Vergangenheit. Angestossen wurde die neue Rassendebatte von einem Facebook-Beitrag, in dem die Südafrikanerin Penny Sparrow die schwarze Bevölkerung mit «süssen, aber unartigen Affen» verglich. Damit brach sie ein Tabu in der Regenbogennation. Der Vielvölkerstaat ringt seit der demokratischen Wende im Jahr 1994 um Versöhnung zwischen den einzelnen Ethnien.

«Affen ohne Bildung, die zu Neujahr aus dem Käfig dürfen» – mit dieser Aussage sorgte Sparrow in den vergangenen Tagen für Furore, als sie sich über die Verschmutzung der Strände durch schwarze Südafrikaner aufregte. Ein fataler Fehler. Denn binnen Stunden entlud sich über der Wohnungsmaklerin der Zorn einer ganzen Nation. In sozialen Medien hagelte es Todesdrohungen gegen Sparrow und deren Tochter. Radiomoderatoren und Prominente wettern gegen sie.

Kein Platz für Rassisten

Ihr ehemaliger Arbeitgeber, eine Immobilienfirma, erhob Anklage gegen die weisse Südafrikanerin, und jetzt ermittelt auch noch die Südafrikanische Menschenrechtskommission (SAHRC). «Ihrer Ansicht nach haben es schwarze Menschen nicht verdient, die Strände in ihrem Geburtsland zu besuchen», schäumte der regierende African National Congress (ANC). «Wir haben grosse Fortschritte bei der Bildung unserer Nation gemacht. Wir dürfen keinen Rassismus dieser Welt, ob von Einzelnen oder Gruppen, in unserer Gesellschaft erlauben.» Südafrikas Parteien sind sich einig. Die Democratic Alliance (DA), Südafrikas grösste Oppositionskraft, will nun Sparrows Mitgliedschaft streichen. Da «Rassisten ­keinen Platz in Südafrikas demokratischer Gesellschaft haben», erstatteten beide Parteien Anzeige.

Halbherzige Entschuldigung

Den rassistischen Facebook-Eintrag ersetzte Sparrow unterdessen durch eine Entschuldigung – dicht gefolgt von einem weiteren Schlag gegen den Vielvölkerstaat: «Tut mir leid, dass es so ausartete, aber ich habe bloss die Fakten genannt», sagte sie dem Nachrichtenportal «News24». Niemanden hätte sie durch ihre Aussage beleidigen wollen. «Aber schwarze Menschen machen Abfall. So sind sie eben.»

Auch am Dienstag, drei Tage nach der ursprünglichen Aussage, war Sparrows Hasspredigt überwiegendes Thema sowohl in Medien als auch in sozialen Netzwerken. «Rassisten verhaften», forderte die südafrikanische Zeitung «The Citizen» auf ihrer Titelseite.

Facebook-Nutzer forderten Penny Sparrow auf, den Kontinent zu verlassen, wenn sie «Affen nicht ausstehen» könne. Ein weiterer Beobachter erklärte sich spontan bereit, «den Strand in Solidarität mit seinen Primaten-Kollegen zu säubern».

Für viele Südafrikaner gehört es zur Tradition, den Neujahrstag unter sengender Hitze am Strand zu verbringen. Bis 1990 waren die Promenaden für weisse und schwarze Südafrikaner getrennt. Erst mit dem Fall der drakonischen Apartheidgesetze und Nelson Mandelas Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 1994 kam es zur Gleichberechtigung.