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SÜDKOREA: Opfer kritisieren Abkommen

Japan will die südkoreanischen Zwangsprostituierten für das während des Zweiten Weltkriegs erlittene Leid entschädigen. Nicht alle Opfer sind mit dieser Lösung zufrieden.
Der südkoreanische Vizeaussenminister Cho Tae-yul sprach gestern in der Stadt Gwangju zu ehemaligen Zwangsprostituierten der japanischen Armee. (Bild: AP / Kim Min-hee)

Der südkoreanische Vizeaussenminister Cho Tae-yul sprach gestern in der Stadt Gwangju zu ehemaligen Zwangsprostituierten der japanischen Armee. (Bild: AP / Kim Min-hee)

Susanne Steffen

In stummem Protest starrt das bronzene Mädchen mit dem traurigen Gesicht tagein, tagaus auf die japanische Botschaft in Seoul. Vor vier Jahren hatten Aktivisten die Statue medienwirksam direkt gegenüber dem Botschaftsgebäude positioniert – als Symbol für die rund 200 000 Zwangsprostituierten, die während des Zweiten Weltkriegs in japanischen Soldatenbordellen dienen mussten. Während die Mehrheit der Südkoreaner das Mahnmal gutheisst, hat es die japanische Presse längst zum Negativsymbol des schwelenden Geschichtsstreits stilisiert.

Statue als Allgemeingut

Am Montag hat sich Japan bei Südkorea für das dunkle Kapitel in seiner Geschichte entschuldigt. Dabei hat Tokio Seoul das Versprechen abgerungen, die Opfergruppen zu überzeugen, die Trostfrauenstatue zu entfernen. Doch die Opfergruppen erklärten in südkoreanischen Medien: «Diese Statue ist längst Allgemeingut geworden. Es ist unmöglich, sie abzubauen oder woanders aufzustellen», so die Gruppe. Das Mahnmal könnte also verhindern, dass sich die seit Jahren mehr als frostigen Beziehungen zwischen den beiden wichtigsten US-Alliierten in Asien nachhaltig bessern.

Entschädigungsfonds eingerichtet

Am Montag hatten die Aussenminister beider Staaten nach einem eilig einberufenen Treffen in Seoul stolz verkündet, die Frage der Entschädigung dieser Frauen sei «endgültig und unwiderruflich» geklärt. Beide Seiten einig­ten sich auf die Einrichtung eines Fonds zur Unterstützung der Opfer in Höhe von 1 Milliarde Yen (8,2 Millionen Franken). Japans Premier Shinzo Abe entschuldigte sich anschliessend telefonisch bei Präsidentin Park Geun-hye.

Die Aktivisten sind mit der Einigung aber nicht zufrieden. Sie lasse die Frage offen, ob Tokio seine Schuld auch im rechtlichen Sinne oder lediglich – wie bislang – aus humanitärer Sicht anerkenne. Darüber hinaus kritisierten Opferverbände, dass der Fonds nur als Hilfsmassnahme deklariert wurde. Im Gespräch mit japanischen Journalisten hatte Aussenminister Fumio Kishida sogar ausdrücklich erklärt, die Gelder kämen zwar aus der Staatskasse, seien aber keine formellen Entschädigungszahlungen. Seit Jahren fordern die überlebenden Opfer eine formelle und an sie persönlich adressierte Entschuldigung sowie direkte Entschädigungszahlungen des japanischen Staates.

Skeptische Reaktionen

Noch ist unklar, wie viele der 46 noch lebenden ehemaligen Sexsklavinnen die neue Lösung annehmen werden. Die 88-jährige Yoo Hee-nam gehört zu den wenigen, die öffentlich erklärt haben, die Einigung zu akzeptieren. «Ich werde der Regierung folgen», sagte Yoo an einer Pressekonferenz. Wirklich glücklich ist sie über die Einigung allerdings nicht. «Uns wurden unser ganzes Leben lang grundlegende Menschenrechte verweigert. Deshalb kann ich nicht wirklich zufrieden sein», so Yoo weiter. «Beide Regierungen interessieren sich nicht für die Opfer», sagte dagegen die ebenfalls 88-jährige Lee Young-soo. Sie werde die Einigung keinesfalls akzeptieren. «Wer Verbrechen begeht, muss ganz offiziell die rechtliche Verantwortung dafür tragen. Ich werde weiterkämpfen bis zu meinem Tod.»

Andere Opfer verglichen den neuen Fonds mit dem Asian Women’s Fund, den Japan zwischen 1995 und 2007 betrieben hatte, um die asiatischen Zwangsprostituierten mit privaten Spenden zu entschädigen. Das Angebot hatten damals lediglich sieben südkoreanische Opfer akzeptiert. Wohl auch vor diesem Hintergrund fiel das Lob der südkoreanischen Presse verhalten aus. «Angesichts der Tatsache, dass nicht abzusehen ist, wie es mit Japan und Südkorea weitergeht, fragen wir uns, ob es richtig war, die Einigung als endgültig und irreversibel zu bezeichnen», kommentierte die Tageszeitung «Chosun Ilbo».

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