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SÜDOSTASIEN: Trump und die Dämonen von Bali

Der amerikanische Präsident und sein indonesischer Geschäftspartner wollen auf der Insel Bali einen Hotelturm bauen. Doch die Pläne für das Luxusprojekt sind ins Stocken geraten.
Urs Wälterlin, Denpasar
Der Insel-Hindutempel Tanah Lot in Bali, wohin Hindus jährlich pilgern. In der Nähe soll Trumps Luxushotel entstehen. (Bild: Eric Isaac/Getty)

Der Insel-Hindutempel Tanah Lot in Bali, wohin Hindus jährlich pilgern. In der Nähe soll Trumps Luxushotel entstehen. (Bild: Eric Isaac/Getty)

Urs Wälterlin, Denpasar

Champagner und Kaviar am fünften Loch: Auf dem Golfplatz des Pan Pacific Nirwana Bali Resort kann man es sich gut gehen lassen. Im orangen Licht der untergehenden Sonne, mit Blick auf das Meer und zum heiligen Insel-Hindutempel Tanah Lot, reichen Bedienstete feine Häppchen.

Der Golfplatz ist Teil einer Hotelanlage aus Villen, Nobelzimmern, Swimmingpools, manikürten Rasenanlagen, Lotusblüten und Wasserspielen. Stil und Eleganz in traditionellem balinesischem Stil.

Kein Gebäude darf höher als die Palmen sein

Und doch droht dem paradiesischen Nirwana in den kommenden Wochen der Bulldozer. An seine Stelle werde ein noch opulenteres, «fantastisches, einzigartiges» Projekt treten.

Das sagt Donald Trump, Immobilienmilliardär und Präsident der Vereinigten Staaten. Trump und sein indonesischer Partner Hary Tanoesoedibjo – oder Tanoe, wie sich der 51-Jährige nennt – planen an diesem szenischen Ort den Bau eines «aussergewöhnlichen Luxus-Liegenschaftenprojektes», so die Website von Trump Hotels. Eine 6-Sterne-Hotelanlage solle das «erste Resort von Trump International in Asien» werden. Kronjuwel der 100 Hektaren grossen Anlage werde ein Hotelturm sein.

Trump-Gäste sollen sich wohlfühlen auf der «Insel der Götter». Doch die Götter sind nicht begeistert. Sollten Trump und Tanoe Pläne für den Bau eines Turmes wahr machen, «werden wir kommen und ihn abreissen», mahnt Ida Bagus Wiatmaja, Chef der lokalen Planungsbehörde, gegenüber den Medien. Wenn es um ihre Religion und Kultur geht, verstehen Balinesen keinen Spass. Auf der Insel darf kein Gebäude höher sein als 15 Meter – die Höhe einer Kokospalme. Das ist Gesetz.

Der Deal: Tanoe soll das Resort für etwa 400 Millionen US-Dollar bauen. Betrieben werden soll die Luxusanlage dann von Trump International. Diese Abmachung war 2015 unterzeichnet worden, noch vor der Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten. Mit der Übernahme des Präsidentenamtes hatte Trump die Leitung seiner Geschäfte offiziell seinen Kindern übergeben. Einfach zu realisieren ist das Projekt nicht. «Hier gelten ganz besondere Gesetze, geschriebene und ungeschriebene», sagt ein Anwohner. 80 Prozent der Bewohner der Insel sind Hindus – eine Ausnahme im vorwiegend muslimischen Indonesien, einer multikulturellen Nation, verteilt über 13466 Inseln und mit über 700 Sprachen.

Entsprechend scharf werden in Bali Religion und Tradition gehütet. Besonders strikt sind die Vorschriften im Gebiet um Tanah Lot, dem im 16. Jahrhundert gebauten heiligsten Tempel der balinesischen Hindus und Weltkulturerbe der Unesco. Das Leben der Reisbauern in dieser fruchtbaren Agrarregion wird von jahrhundertealten Verhaltensregeln bestimmt.

Trump ist im Land stark vernetzt

Mit seinem Verbot für Einreisende aus mehreren mehrheitlich islamischen Ländern sorgte Trump kurz nach seiner Amtseinsetzung weltweit für Negativschlagzeilen. Auch in Indonesien, dem Land mit der grössten muslimischen Glaubensgemeinschaft auf dem Globus, wurde seine Polemik nicht goutiert. Das war ein Risiko für Trumps Geschäfte. Denn alle wichtigen Entscheidungsträger in der indonesischen Politik und Wirtschaft sind meist Muslime.

Auch Präsident Joko Widodo ist strenggläubig. Trumps indonesischer Partner Tanoe gehört als ethnischer Chinese aber einer christlichen Kirche an. Spätestens als sich Trump während des Wahlkampfes im September 2015 im Foyer des Trump-To­wers in New York mit einer Gruppe hochrangiger indonesischer Politiker umringte, wurde klar, dass der zukünftige amerikanische Präsident im 255-Millionen-Land politisch bereits stark vernetzt ist. Die Bedeutung des Treffens sollte erst später klar werden. Organisiert hatte es Tanoe.

Tanoe ist Gründer und Chef des diversifizierten Holdingunternehmens MNC Group. Er kontrolliert unter anderem 60 Fernsehstationen und scheut keine Gelegenheit, sich mit deren Hilfe in Szene zu setzen. Seine Fotografen folgen ihm auf Schritt und Tritt und twittern jede Begegnung mit einflussreichen Personen. Die Parallelen zu seinem amerikanischen Freund sind nicht zufällig. Laut dem Magazin «Forbes» tue Tanoe «sein Bestes, um Trump nachzuahmen». Und wie sein amerikanisches Vorbild hat der Geschäftsmann Ambitionen aufs höchste Amt.

Mit seiner 2015 gegründeten Partei Perindo (Einheitspartei) mischt er in der indonesischen Politik mit. 2014 hatte Tanoe als Kandidat einer anderen Partei das Vizepräsidentenamt gesucht. Er scheiterte. Seither scheint er sich den nationalistischen, autokratischen und islamistischen Sektoren der indonesischen Politik zuzuwenden, sagen Beobachter. Auch Korruptionsvorwürfe sind ein ständiger Begleiter von Hary Tanoe. Jüngst fielen an der indonesischen Börse die Aktien von MNC Group, nachdem bekannt geworden war, Tanoe habe in Textmeldungen den Generalstaatsanwalt bedroht. Der oberste Justizverantwortliche hatte den Geschäftsmann als Verdächtigen in einem Fall von Steuerbetrug vorgeladen. Tanoe liess den Termin einfach platzen.

Die Turmanlage in Bali ist nicht das einzige Projekt, bei dem Trump und Tanoe zusammenarbeiten. Auf der Nachbarinsel Java, südlich der Hauptstadt Jakarta, planen Trump International und MNC die Errichtung einer 3000 Hektaren grossen Hotel-, Vergnügungs- und Wohnanlage, inklusive Formel-1-Rennbahn. Auch dieses futuristische «Megaresort», wie die Partner das Projekt in der Nähe der Stadt Bogor nennen, ist umstritten.

Reisbauern wollen Land nicht verkaufen

In Bali dürften es Trump und Tanoe nicht einfach haben. In den Reisfeldern vor Tanah Lot sehen sich die beiden Entrepreneure harten Opponenten gegenüber: Die anliegenden Bauern weigern sich, ihre seit Generationen gehaltenen Grundstücke zu verkaufen. Das Konsortium offeriere rund 7700 Franken pro 100 Quadratmeter Land. Ein Preis von 35000 Euro sei aber das Minimum, sagt Nyoman Madya, Sprecher der Anwohner.

Finanzielle Bedenken sind für die meisten Bauern zweitrangig. «Land ist alles, was wir haben», erklärt der Reisbauer Teno. «Wir wollen den Boden an unsere Kinder weitergeben», sagt der Mittsechziger. Wie die meisten seiner Kollegen ist er nicht prinzipiell gegen das Hotel. Was er und seine Nachbarn auf keinen Fall tolerieren würden, sei eine «Entwürdigung des Bodens» um Tanah Lot durch «den amerikanischen Präsidenten». Für Teno besteht kein Zweifel: «Die Götter würden sich an ihm rächen. Und an uns.»

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