SYRIEN / BEIRUT: Hilfe für Hungernde lässt auf sich warten

Dringend benötigte Hilfslieferungen für die hungernden Bewohner der belagerten syrischen Städte Madaja, Fua und Kafraja haben am Wochenende weiter auf sich warten lassen. Angesichts «logistischer Probleme» konnten die Hilfen nicht wie geplant dort eintreffen.

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Diese Kinder demonstrieren vor dem Hauptquartier des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Beirut dafür, dass die Kinder in Madaya Essen erhalten. Auf dem Plakat steht «Rettet die Kinder von Madaya». (Bild: Keystone / Nabil Mounzer)

Diese Kinder demonstrieren vor dem Hauptquartier des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Beirut dafür, dass die Kinder in Madaya Essen erhalten. Auf dem Plakat steht «Rettet die Kinder von Madaya». (Bild: Keystone / Nabil Mounzer)

«Wir arbeiten aber hart daran, dass sie am Montag verteilt werden können», sagte der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pawel Krzysiek, am Samstag in Damaskus zu den geplanten Hilfslieferungen. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der dringend Hilfsbedürftigen allein in Madaja auf 40'000, die Hälfte davon Kinder.

Trotz mehrfacher Aufforderungen der UNO, Hilfslieferungen in die belagerten Städte zuzulassen, war dies monatelang verweigert worden. Am Donnerstag willigte die Regierung in Damaskus jedoch ein, Hilfskonvois durchzulassen.

Gezieltes Aushungern

Madaja wird seit rund einem halben Jahr von Regierungstruppen belagert, Fua und Kafraja in der Provinz Idlib sind von Kämpfern der Rebellen eingekesselt. Vor allem in Madaja ist die Lage nach Angaben von Helfern dramatisch. Demnach starben 23 Menschen an Mangelernährung, darunter sechs Babys.

Die letzte Lebensmittellieferung hatte Madaja nach UNO-Angaben im Oktober erreicht. Für ein Kilo Reis oder Milchpulver zahlen die Bewohner der Stadt inzwischen hunderte Dollar.

Bereits im vergangenen Juni hatten die Vereinten Nationen beklagt, mittlerweile setzten in dem fast fünfjährigen Bürgerkrieg alle Konfliktparteien das Aushungern als Kampfmittel ein. Der UNO-Sicherheitsrat befasst sich am Montag mit der Lage in den belagerten Städten.


Fast 60 Tote bei Luftangriff

Bei einem russischen Luftangriff auf ein Gefängnis im Nordwesten Syriens wurden nach Angaben von Aktivisten am Samstag mindestens 81 Menschen getötet. Darunter seien 52 Zivilisten und 23 Kämpfer der radikalislamischen Al-Nusra-Front, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Grossbritannien stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen, sie gilt aber als gut informiert und zuverlässig.

Der Komplex mit dem Gefängnis und einem Scharia-Gericht wurde von der Al-Nusra-Front betrieben, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet ist. Die Anlage befindet sich laut der Beobachtungsstelle nahe einem belebten Markt der Ortschaft Maarat al-Numan in der Provinz Idlib. Die Islamisten hielten dort Kämpfer rivalisierender Rebellengruppen gefangen

Russland fliegt seit September Lustangriffe in Syrien - nach eigenen Angaben gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat. Der Westen hegt allerdings den Verdacht, dass die russischen Angriffe eher dem Ziel dienen, Staatschef Baschar al-Assad zu stützen.


Streit über Friedensgespräche

Der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura traf sich in Damaskus mit Regierungsvertretern, um die für Ende des Monats geplanten Friedensgespräche vorzubereiten. Die Regierung in Damaskus sagte ihr Kommen grundsätzlich zu, forderte nach Berichten von staatlichen Medien jedoch eine Liste der Teilnehmer aufseiten der Opposition.

Die syrische Führung sieht alle Oppositionsgruppen, die auf eine Ablösung Assads drängen, als Terroristen an. Oppositionspolitiker bezweifelten, dass die Verhandlungen wie geplant beginnen können. Eine führende Oppositionsgruppe erklärte, es sei inakzeptabel, über einen Frieden zu verhandeln, solange die Bombardierungen anhielten und Menschen verhungerten.

sda/afp/reu