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SYRIEN: Erdogan und Assad im Gleichschritt

Nach der Eroberung von Afrin durch die türkische Armee steht auch die Rebellenhochburg Ost-Ghuta vor dem Fall. Derweil startet der sogenannte Islamische Staat eine neue Grossoffensive.
Michael Wrase, Limassol

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Zerstörung der Kaveh-Ahangar-Statue im Zentrum von Afrin zu den ersten «Amtshandlungen» der türkischen Armee und ihrer islamistischen Verbündeten gehörte. Der Schmied Kaveh steht in der kurdisch-persischen Mythologie für den Kampf gegen die Tyrannei und Unterdrückung durch fremde Invasionsarmeen, die im 10. Jahrhundert geschlagen werden konnten.

Gegen die immense Feuerkraft der türkischen Streitkräfte hatten die kurdischen Volksverteidigungsmilizen (YPG) dage­gen keine Chance. Sie mussten in der Nacht auf gestern in ihrer Hochburg Afrin kapitulieren. 200000 Einwohner der Grossstadt sind nach Süden, in die Region um Aleppo, geflohen.

Fast 300 Zivilisten und bis zu 1500 YPG-Kämpfer sollen bei Luftangriffen und anderen Bombardements und Kampfhandlungen bisher ums Leben gekommen sein, was Ankara energisch bestreitet. Die hohe Zahl der ­zivilen Opfer in Afrin sei auch im Westen weitgehend ignoriert worden, empörte sich am Samstag die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Für ihre mit hohen Verlusten verbundenen Niederlagen machen die syrischen Kurden vor allem Russland verantwortlich. Auf ihren Webseiten werfen sie Moskau «Verrat an 40 Millionen Kurden vor». Russland habe die Türkei zur Invasion in Syrien regelrecht eingeladen und Stellungen der YPG verraten. Dass ­Moskau und Ankara sich in Syrien arrangiert haben und die Vormärsche ihrer Streitkräfte und Verbündeten in anderen Landesteilen decken oder ­tolerieren, ist offensichtlich. Bereits die Eroberung von Aleppo im Herbst 2016 durch die Assad-Armee wäre ohne türkische Passivität – gegenüber den islamistischen Verteidigern der Grossstadt – vermutlich nicht möglich gewesen.

Auch das rücksichtslose Vorgehen der von der Luftwaffe Moskaus massiv unterstützten syrischen Streitkräfte in der ­Ost-Ghuta wird von der türkischen Regierung und den Staatsmedien nicht kritisiert. Staatspräsident Erdogan hat die dschi­hadistischen Rebellen, deren ­Gesinnungsgenossen in Afrin paradoxerweise an der Seite der türkischen Armee kämpfen, sogar zur Kapitulation aufgefordert. Die entsetzlichen Leiden der Zivilbevölkerung in der Ost-Ghuta werden ignoriert.

Zehntausende auf der Flucht

Die um 80 Prozent geschrumpfte Rebellenhochburg vor den ­Toren der syrischen Hauptstadt steht vor dem Fall, kann militärisch nicht mehr gehalten werden. 50 000 Zivilisten konnten in den letzten Tagen die Enklave verlassen. Ihre Flucht wird von den syrischen Staatsmedien gross als «Rettung» inszeniert. «Nach sechsjähriger Unterdrückung und Geiselhaft durch Terroristen», so der zynische Tenor der Berichterstattung, «könnten die Einwohner der Ost-Ghuta wieder in Freiheit leben.» Der von den oppo­sitionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachtern gemeldete Tod von 1400 Zivilisten bleibt unerwähnt oder wird den «Terroristen» in die Schuhe geschoben.

Dass sich auch die türkischen Truppen in Afrin als Befreier und – mit ersten Hilfslieferungen – als Wohltäter der Menschheit darstellen würden, ist keine Überraschung. In den Augen Ankaras ist die YPG, die syrische Schwesterorganisation der PKK, eine Terrororganisation. Für die Türkei spielt es keine Rolle, dass die kurdischen Volksverteidigungsmilizen von den USA als wichtigster Partner im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) betrachtet werden. Die dschiha­distische Terrormiliz konnte ihre im Osten von Syrien noch gehaltenen Gebiete in den letzten ­Wochen vergrössern, weil die YPG nicht an zwei Fronten kämpfen kann. Am Wochenende startete der IS eine Grossoffensive gegen syrische und iranische Truppenverbände am Westufer des Euphrats.

Michael Wrase, Limassol

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