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SYRIEN: Erst Granaten, dann Windeln

Die russisch-syrische Koalition lässt die Bewohner von Aleppo die Stadt verlassen, gleichzeitig gibt es Hilfsgüter. Doch die Rebellen stören die Aktion.
Michael Wrase, Limassol
Syrische Soldaten patrouillieren in einem Quartier von Aleppo. Der Stadtteil wurde von den Rebellen vor kurzem zurückerobert. (Bild: EPA)

Syrische Soldaten patrouillieren in einem Quartier von Aleppo. Der Stadtteil wurde von den Rebellen vor kurzem zurückerobert. (Bild: EPA)

Michael Wrase, Limassol

Mehr als sechs Wochen lang hatte die russische Luftwaffe die Stellungen islamistischer Rebellen bombardiert. Militärexperten vergleichen die ungewöhnlich heftigen Angriffe mit Putins Vorgehen in den beiden Tschetschenien-Kriegen. Die Hauptstadt Grosny und weite Teile des Umlandes waren damals zu 80 Prozent zerstört worden. Der islamistische Aufstand im Kaukasus konnte nach mehr als zehn Jahren Krieg niedergeschlagen werden.

Auch in Aleppo wähnen sich Putin und Assad jetzt auf der Siegerstrasse: Der Belagerungsring um den Osten der Stadt wird täglich enger gezogen. Nachdem man sicher war, dass es für die Eingeschlossenen kein Entrinnen mehr gibt, wurde ihnen am Donnerstagnachmittag freies Geleit durch vier vorbestimmte Korridore angeboten. Gleichzeitig begann die russische Luftwaffe «Care-Pakete» mit Babywindeln, Trockenmilch, Butter und Marmelade abzuwerfen.

Flüchtende wurden aufgehalten

Dass die plötzliche Barmherzigkeit der russisch-syrischen Koalition auf Misstrauen und Ablehnung stösst, ist nach den bitteren Erfahrungen der letzten Kriegsmonate nur verständlich. Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Rebellen über Twitter die Care-Pakete aus Moskau als «haram» (unrein) und «vergiftet» bezeichneten.

Als syrische Familien gestern Morgen versuchten, Ost-Aleppo über die Fluchtkorridore zu verlassen, seien sie von den Aufständischen mit Waffengewalt daran gehindert worden, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

In einem Interview mit der Zeitung «Die Welt» appellierte der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Syrien, Rani Rahmo, an die Zivilisten und Aufständischen, die Fluchtkorridore unverzüglich zu nutzen. Nur dann könne sich die Lage entspannen, sei die Rettung von Menschenleben möglich.

Hoffen auf die UNO

Bei fortgesetzter Konfrontation, warnte Rahni, «drohe ein Gemetzel». Angesichts derartiger Aussichten forderte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Konfliktparteien auf, Zivilisten auch dann zu schützen, wenn sie die von der Assad-Armee eingekesselten Stadtviertel nicht verlassen wollten. Wie viele Menschen von der Belagerung betroffen sind, ist unklar. Oppositionsnahe Aktivisten, auf die sich auch die UNO stützt, sprechen von bis zu 400 000 eingeschlossenen Zivilisten. Die Website «Conflict News» geht von lediglich 40 000 Betroffenen aus. Auch über die Zahl der Rebellen gibt es keine zuverlässigen Angaben. Eine Kapitulation kommt für sie im Moment nicht in Frage. «Wir sterben lieber auf dem Schlachtfeld, als von Assad zu Tode gefoltert zu werden», ist die weit verbreitete Meinung.

Um das von Landeskennern befürchtete «Gemetzel» zu verhindern, sollte sich daher die UNO in den Konflikt einschalten. Die Weltorganisation könnte für einen sicheren Abzug der Aufständischen aus Aleppo in die von ihnen beherrschte Provinz Idlib sorgen, falls ihre Kommandanten dem nicht widersprechen. Sicher ist dies allerdings nicht.

Während die Türkei nach dem gescheiterten Putsch mit sich selbst beschäftigt ist, scheinen Saudi-Arabien und Katar nicht bereit zu sein, die sich abzeichnende schwerste Niederlage der Aufständischen in dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg zu akzeptieren.

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