Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SYRIEN: «Es gibt Methoden zur Aufklärung»

Der Toxikologe und Chemiewaffenexperte Ralf Trapp hält es für möglich, den Gasangriff im syrischen Idlib aufzuklären. Voraussetzung dafür sei jedoch die Kooperation aller Kriegsparteien.
Michael Wrase, Limassol
Bewohner der syrischen Stadt Duma zeigen Solidarität mit den Opfern des Gasangriffs von Idlib. (Bild: Mohammed Badra/EPA (Duma, 5. April 2017))

Bewohner der syrischen Stadt Duma zeigen Solidarität mit den Opfern des Gasangriffs von Idlib. (Bild: Mohammed Badra/EPA (Duma, 5. April 2017))

Interview: Michael Wrase, Limassol

Ralf Trapp, erneut wurden in Syrien chemische Waffen eingesetzt. Assad bestreitet die Verantwortung. Russland behauptet, durch den Beschuss einer C-Waffen-Fabrik seien Nervengase freigesetzt worden. Klingt das plausibel?

Nein. Man kann es aber nicht ausschliessen. Wenn man sich überlegt, was passiert wäre, wenn die syrische Armee ein kleines Lager angegriffen hätte, dann wäre der Ausbreitungskreis anders gewesen, als wir bisher gesehen haben. Ein grosser Teil der Kampfstoffe wäre durch die eingesetzten Explosivstoffe verbrannt und nur ein geringer Teil freigesetzt worden. Allerdings wissen wir nicht, wie gross das Lager war.

Wird man den Angriff vollständig aufklären können?

Wenn man eine Inspektionsgruppe an Ort und Stelle bekommt, dann ja. Es gibt Methoden, mit denen man rekonstruieren kann, was passiert ist. Es gibt forensische Methoden, mit denen sich zurückverfolgen lässt, aus welchen Lagerbeständen die Kampfstoffe stammen. Voraussetzung für eine Aufklärung ist die Kooperation aller Kriegsparteien.

Der Schauplatz des Massakers wird von der Nusra-Front kontrolliert. Die OPCW und andere Organisationen müssten also mit Terroristen zusammenarbeiten. Könnte es zu Manipulationen kommen?

Ja. In einem solchen Konflikt muss man immer davon ausgehen, dass Beweismittel verändert oder fabriziert werden. Allerdings stellen sich die Untersuchungsteams auf solche Manipulationsversuche ein.

Syrien soll 2013 unter OPCW-Aufsicht alle chemischen Waffen vernichtet haben. Bestehen noch Zweifel an der Vollständigkeit?

Was die Syrer gemeldet haben, ist mit Sicherheit vernichtet worden. Es hat aber immer Zweifel an ­­ der Vollständigkeit der syrischen Meldungen gegeben. Die OPCW versuchte in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit der syrischen Regierung, Diskrepanzen aufzuklären, dies mit mässigen Erfolg. Viele Fragen blieben offen.

Sarin wird normalerweise in Artilleriegranaten eingesetzt. Wäre auch ein improvisierter Einsatz möglich?

Natürlich lassen sich auch improvisierte Mittel herstellen, mit denen das Sarin in die Atmosphäre gebracht wird. Das geschah vor Jahren in Japan in der U-Bahn.

Wie leicht lässt sich Sarin eigentlich herstellen? Welche Ausbildung ist dafür nötig?

Sarin im Labor herzustellen, ist für einen gut ausgebildeten Chemiker nicht einfach, aber durchaus möglich. Das gilt jedenfalls für kleinere Mengen. In grösseren Mengen wird es ganz erheblich schwieriger.

Dann kämen auch die Rebellen als Hersteller in Frage?

Wenn sie Zugriff haben zu den entsprechenden Rezepturen und den Geräten sowie Leuten, die so etwas schon einmal gemacht haben, dann können wir dieses Szenario nicht völlig ausschliessen.

Für Donald Trump steht mit Assad der Urheber bereits fest. Alle Optionen seien jetzt wieder offen, auch die militärische. Reagiert der US-Präsident vorschnell?

Ich denke schon, dass er – wie andere westliche Staatsmänner ja auch – vorschnell reagiert. Viel wichtiger wäre es jetzt, internationale Einigkeit für eine seriöse und unabhängige Untersuchung herzustellen. Nur so lässt sich feststellen, was genau passiert ist. Und wir müssen jetzt auch dafür sorgen, dass so etwas wie in Idlib nicht wieder passiert.

Zur Person

Der promovierte Toxikologe Ralf Trapp arbeitet seit über 30 Jahren auf dem Gebiet der Abrüstung chemischer und biologischer Waffen. Er ist Berater und Mitarbeiter der UNO und der Organisation zum Verbot von chemischen Waffen (OPCW) in Den Haag.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.